Hintergründe zu den Gefahren eines AKW-UnfallsWas sind die Folgen eines schweren Atomunfalls für die Umgebung?Wie leicht kommt es zum schweren Atomunfall? Was geschieht bei einem Störfall in einem AKW? Die Begriffe GAU und Super-GAU Was sind die Folgen eines schweren Atomunfalls für die Umgebung?Die Freisetzung großer Mengen radioaktiver Strahlung und Partikel durch einen Atomunfall führt zu tausenden Todesopfern („Soforttote“ und Tote durch Folgekrankheiten) sowie zur Verseuchung großer Landflächen. Dies verdeutlicht eine Studie, die das Prognos-Institut für einen dramatischeren Verlauf des Unfalls im AKW Brunsbüttel erstellte.Danach ist im näheren Umfeld der Katastrophe mit bis zu 15.000 Soforttoten durch die akuten Strahlenschäden zu rechnen. Hinzu kommen Krebserkrankungen in der Folgezeit durch mehr oder weniger hohe Strahlendosen im weiteren Umfeld, die ca. 4,8 Mio. weitere Opfer fordern. Schließlich führt die Freisetzung radioaktiver Substanzen zur Verseuchung ganzer Landstriche. Im Falle der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist eine Fläche von über 300 x 300 km auf Jahrzehnte für die Landwirtschaft praktisch nicht mehr zu nutzen. Der finanzielle Schaden eines Super-GAU, wie in der Prognos-Studie zu Grunde gelegt, wird hier auf bis zu 5 Billionen Euro geschätzt. Wie leicht kommt es zum schweren Atomunfall?Als völlig abwegig erscheint die Möglichkeit eines ernsthaften Atomunfalls nach offiziellen Studien: diesen Eindruck vermittelt zumindest die Deutsche Risikostudie der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) von 1989. Nur alle 33.000 Betriebsjahre sei mit einem schweren Unfall zu rechnen. Dann aber, so die Annahmen, mit rund 14.000 „Soforttoten“, Hunderttausenden Langzeittoten und einer dauerhaft stark verstrahlten Fläche von der Größe des Saarlandes. Werden jedoch die 17 laufenden AKW in Deutschland und 30 Betriebsjahre berücksichtigt, liegt die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Unfall nach dieser Studie aber schon bei knapp 2 Prozent. Sollten sich Pläne zur Laufzeitverlängerung durchsetzen, stiege dieses Risiko noch an.Dabei bleiben in dieser Studie etliche Aspekte unberücksichtigt. Sabotage oder panikbedingte Fehlentscheidungen des Personals wie in Harrisburg gehen nicht ein. Ebenso wenig unerwartete physikalische Phänomene. Hierzu zählt etwa die seinerzeit nicht berücksichtigte Wasserstoffbildung in Siedewasserreaktoren, die bei der Reaktorkatastrophe von Harrisburg eine Rolle spielte. Und es dürfte noch einige andere uneinschätzbare Einflussfaktoren geben. Als „Augenwischerei“ bezeichnen daher Atomexperten des Darmstädter Öko-Instituts die GRS-Studie von 1989. Der Störfall, der sich1987 im AKW Biblis A ereignete und beinahe zum Super-GAU führte, hatte nach dieser Studie eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 33 Millionen. Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen können zwei entscheidende Fehler haben: sie können falsch oder missverständlich sein. Für richtige Berechnungen scheinen aufgrund der Komplexität möglicher Geschehnisse auf absehbare Zeit umfassende Daten zu fehlen. Außerdem lassen uns Wahrscheinlichkeitsangaben nur zu leicht vergessen, dass ein Super-GAU wie in Tschernobyl schon morgen wieder passieren kann. Was geschieht bei einem Störfall in einem AKW?Neben Dutzenden kleinerer und mittlerer technischer Pannen, wie sie in allen Atomkraftwerken schon vorgekommen sind, bergen vor allem Funktionsstörungen oder Ausfälle der Kühlsysteme enorme Gefahren in sich, deren verheerendste ein Super-GAU ist.Die bei der Kernspaltung freiwerdenden Energien sind so groß, dass ohne diese Kühlung der Reaktorkern schnell auf ca. 1.000 Grad Celsius ansteigt. Dadurch schmelzen die Hüllen der Brennelemente, die radioaktive Ladung rückt enger zusammen, und eine beschleunigte Kettenreaktion setzt ein. Die nunmehr bis auf 3.000 Grad Celsius ansteigenden Temperaturen durchdringen nach unten die Ummantelung, die als Schutz vor der Strahlung gedacht ist – eine radioaktive Verseuchung der direkten Umgebung ist unvermeidlich. Abläufe dieser Art fanden bei den Reaktorkatastrophen von Harrisburg 1979 und Tschernobyl 1986 statt. Daneben kann es zur Bildung von Wasserstoffgas und durch die enorme Hitze zu dessen Explosion kommen. Hält dies der sogenannte Berst-Schutz des AKW nicht aus, werden die hochgradig radioaktiven Substanzen bis in die weitere Umgebung geschleudert. In diesem Fall muss die umliegende Bevölkerung innerhalb weniger Stunden evakuiert werden, um direkte Strahlentote zu verhindern. In Tschernobyl, aber auch im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel kam es zu einer solchen Wasserstoff-Explosion. Die Begriffe GAU und Super-GAUDie Abkürzung GAU steht für Größter Anzunehmender Unfall. Gemeint ist damit ein im Sicherheitskonzept eines AKW noch vorgesehener Unfall, meist das Abreißen einer Kühlmittelleitung. Als Super-GAU hingegen werden solche Unfälle bezeichnet, die eben nicht mehr durch die Sicherungseinrichtungen aufgefangen werden. Sie gehen mit einer entsprechend massiven Freisetzung radioaktiver Substanzen einher. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl war ein solcher Super-GAU, der Unfall im AKW Brunsbüttel im Jahre 2001 hätte nach der Einschätzung des Münchener Umweltinstituts fast einen Super-GAU auslösen können. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Impressum | zum Seitenanfang | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||