Kreisgruppe Bad DürkheimWeisenheimer Sandbiotope - 1986 bis heuteEntwicklung des Projektes vom Artenschutzprogramm „Wiedehopf“ über Beginn des Flächenaufkaufs (1999) bis heute (12/2003)In den Jahren 1985 und ´86 wurden vom Land Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit dem Kreis Bad Dürkheim im Rahmen des Artenschutzprogamms „Wiedehopf“ schutzwürdige Flächen in den Gemarkungen Weisenheim am Sand, Freinsheim und Lambsheim gepachtet, teilweise auch gekauft. Zur „Erstausstattung“ wurden verschiedene Flächen gerodet und mit Hochstammobst bepflanzt.1987 wurde die Kreisgruppe Bad Dürkheim des BUND von den Landespflegern der Kreisverwaltung gefragt, ob sie bei der Pflege der Flächen mithelfen könnte. Wir sagten zu und haben uns seit 1988 kontinuierlich mit ehrenamtlichen Arbeitsgruppen an der Pflege der etwa 70 Einzelparzellen mit insgesamt etwa 10 ha beteiligt. Dies beinhaltete Baumschnitt, Baumscheibenpflege, Zurückdrängen von Stockausschlägen, Nachpflanzen von Bäumen, Mähen bzw. Mulchen um die Bäume mit Freischneider, seit 1996 auch mit dem Kreiselmäher. Im Jahre 1994 ging die Biotopbetreuung vom Kreis auf eine vom Land beauftragte Biotopbetreuerin über. Auch mit dieser Kollegin haben wir bis heute gut kooperiert; sie betreut jetzt zusätzlich zu den „Landesflächen“ auch die mit Mitteln der Stiftung erworbenen Flächen. Zum Verständnis für die weiteren Entwicklungen ist erwähnenswert, dass während der gesamten Zeit ein gewisses Konfliktpotential mit Vertretern der Landwirtschaft mehr oder weniger ausgeprägt vorhanden war, in welchem immer wieder nach Kompromissen gesucht wurde. So wandten sich z.B. Landwirte u.a. dagegen, dass die Kirche Flächen in Weisenheim an das Land zu landespflegerischen Zwecken verpachtet. Notwendigkeit zum weiteren FlächenerwerbSpätestens seit 1998 wurde deutlich, dass im Raum Lambsheim/Weisenheim am Sand seitens der Landwirtschaft Investitionen zur Produktionsverbesserung und Rationalisierung vorangetrieben wurden, die geeignet waren, die Ziele des Aktionsprogramms „Wiedehopf“ zu gefährden und darüber hinaus die gesamte Qualität der Sandbiotope zu mindern.Dabei ging es vor allem um die Ausdehnung des Verbandes zur Beregnung der Vorderpfalz,der mit und ohne Flurbereinigung sein Verbandsgebiet nach Freinsheim, Weisenheim und Erpolzheim ausdehnte und dann begann, neue Wasserleitungen bis in die Sandbiotope hinein zu verlegen. Die Naturschützer wurden von diesen Vorgängen ziemlich überrascht, weil sie nicht einmal rechtzeitig angehört wurden. Dadurch wurde der Dialog mit der Landwirtschaft zeitweilig sehr erschwert. Durch „Runde Tische“ und eine Arbeitsgruppe der Lokalen Agenda wurde dieser Dialog aber bald weitergeführt. Die Erweiterung der zentralen Vorderpfalzberegnung wurde und wird von den Obstlandwirten zur Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit gewünscht und die Naturschützer akzeptieren daher (bis zu einem gewissen Umfang) diese Erweiterung. Das Vorhandensein von Beregnungsleitungen führt aber zu viel weitgehenderen Entwicklungen: Obstland wird in Gemüseland, vor allem Spargel, umgewandelt. Diese, vom Naturschutz vorhergesagte Entwicklung ist nun leider Wirklichkeit geworden: Alte Obstbrachen wurden gerodet und an deren Stelle Spargelfelder angelegt. In dieser Situation wurde deutlich, dass das bisherige Management der Sandbiotope nicht ausreichte, um diese in Weisenheim zu erhalten. Daher beschlossen die Naturschutzverbände zu versuchen, die wichtigsten gefährdeten Biotopflächen – soweit möglich – aufzukaufen, um sie nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten weiterzuentwickeln. Entwicklung des Projektes seit 1998FlächenkäufeDa die Verbände selber für die Flächenkäufe kein eigenes Geld zur Verfügung haben, wurden bei der Stiftung Natur und Umwelt die entsprechenden Anträge gestellt. Diese Anträge wurden weitgehend positiv beschieden. Da der BUND schon seit langem die Landesflächen betreute, bot es sich an, dass dieser unter den Naturschutzverbänden auch die wesentlichsten Flächenaufkäufe tätigte. Innerhalb von 5 Jahren wurden 63 Einzelparzellen mit insgesamt 8,3 ha Fläche, hauptsächlich in Weisenheim am Sand erworben.Wenn man von einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 2 Euro ausgeht, entsprach dies zusammen einer Förderung von etwa 160.000 Euro. Wir hatten auch keine Bedenken, auf einen finanziellen Eigenbeitrag zu verzichten, da wir die Flächen schließlich nicht für uns erwarben, sondern für alle Menschen in Rheinland-Pfalz als Naturerbe. Für den BUND bedeutet das Eigentum an diesen Flächen auch eine große Folgeverantwortung. NABU, GNOR und Pollichia erwarben auch einige Flächen, hauptsächlich in Freinsheim; dies waren zusammen etwa 12 Parzellen. Lokale Agenda, Runde TischeDie Entwicklung der Sandbiotope, Streuobstwiesen und Obstbrachen war von 2000 bis 2003 regelmäßig Gegenstand von Beratungen in der Arbeitsgruppe „Landwirtschaft und Naturschutz“ der Lokalen Agenda 21 in der Verbandsgemeinde Freinsheim.Oftmals gab es kontroverse Debatten: Die Naturschützer beklagten z.B. das Entfernen alter Obstbrachen ohne Genehmigung, auch als Folge der Beregnung, die Landwirte beklagten das Aufkaufen von Flächen für den Naturschutz, weil dies ihre Bewirtschaftung erschweren könnte. In dieser Situation war ein regelmäßiger Dialog sehr wichtig und half, Vorurteile abzubauen. Ein Ergebnis dieses Dialoges war, dass der Naturschutz zusagte, den Flächenkauf weitgehend auf bestimmte – besonders schutzwürdige, und zumeist auch aus Sicht der Landwirtschaft nicht besonders wertvolle – Flächen zu beschränken. Auf ein bestimmtes Gebiet bezogen („Schramberg“) erfolgte auf Anregung der Agenda 21 sogar eine schriftliche Anfrage der Verwaltung an die Eigentümer, ob sie ihre, zum großen Teil schon brachgefallene Flächen verkaufen wollten. In diesem besonders sandigen, trockenen Gebiet ist dadurch nun ein Komplex aus etwa 10 Flächen für den Naturschutz gesichert. Die diesbezüglichen Vorgänge in der Lokalen Agenda 21 sind sehr schön dokumentiert in zwei Artikeln in der Zeitung „RHEINPFALZ“ aus dem Jahre 2001, „Bauern und Naturschützer machen sich für Sandbiotope stark“ und „Feuer und Wasser raufen sich zusammen“. Erwähnenswert ist auch die Produktion eines kleinen Videofilms über die Sandbiotope, der auf den Agenda-Tagen der Jahre 2001 und 2002 in Freinsheim gezeigt wurde. Allerdings ist die Tonqualität nicht gut, weil bei den Vor-Ort-Aufnahmen starker Wind herrschte. Aufgrund von Eingaben der Naturschutzverbände bei Besprechungen in der Abteilung Landwirtschaft beim Wirtschaftsministerium wurde im Jahre 2000 durch das Kulturamt Neustadt, jetzt DLR Rheinpfalz, ein Runder Tisch zwischen Landwirtschaft und Naturschutz einberufen. Dieses Gremium tagte viermal, in Neustadt und in Freinsheim, zunächst unter Vorsitz des Leiters des Kulturamtes Neustadt, Herrn Schröder, dann unter Leitung dessen Abteilungsleiters, Herrn Neumann. Es wurde versucht, mit Hilfe von Gutachten der Landwirtschaftkammer einerseits und dem landespflegerischen Entwicklungskonzept andererseits, möglichst eine Abgrenzung der Flächen zu erreichen. Leider war die Überlagerung von Flächen von noch verhältnismäßig hoher Bonität und den vom Naturschutz gewünschten Flächen noch so groß, dass kein eigentlicher Kompromiss gefunden wurde. Trotzdem wurde für beide Seiten deutlich, welche Flächen aus welchem Grund jeweils als besonders bedeutsam eingeschätzt wurden. Ein spezielles Ergebnis der Veranstaltung war auch die Verständigung darüber, dass in einem besonders sensiblen Teilbereich der Weisenheimer Flur eine vorgezogene Flurbereinigung durchgeführt wird („Fuchsbach West“, s.u.). Pflegemaßnahmen/NutzungDie Pflege der mit Hilfe der Stiftung erworbenen Flächen ist nicht grundsätzlich anders als die der auch schon vorher betreuten „Landesflächen“, es findet also eine Integration in das „Wiedehopfprogramm“ statt. Die Aufsicht führt dabei die vom Land beauftragte Biotopbetreuerin des Landkreises Bad Dürkheim. Sie beauftragt möglichst für die meisten Flächen einen Unternehmer, der eine „maschinelle Grundpflege“ (in der Regel Mulchmahd) durchführt.Grundidee ist die traditionelle Streuobstwiese mit Hoch- und Mittelstammobst. Zur Habitatausstattung sind von Bedeutung Vertikalstrukturen unterschiedlicher Höhe – das können auch Nichtobstgehölze wie Silberweide, Kiefer, Eiche, Esskastanie sein – sowie trockene, kurzrasige und sandige Stellen. Dabei sind immer die Bedürfnisse der benachbarten professionellen Landwirte zu beachten, die oft Krankheitsdruck und Beschattung von diesen Flächen ausgehend befürchten. Daher schließen wir auch einen Pflanzenschutz auf diesen Flächen nicht aus. Allerdings gehen wir von einem gewissen Erhalt von Obstbrachen, Hecken und ähnlichen Sukzessionsbereichen aus. Ein (verhältnismäßig kleiner) Teil der Flächen ist auch an professionelle Obstlandwirte verpachtet. Jedes Jahr führen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der BUND-Kreisgruppe Bad Dürkheim zahlreiche Pflegeeinsätze durch: Altholzpflege, Baumschnitt, Baumscheibenpflege, Entfernen von Stockausschlägen, Befreien alter, eingewachsener Obstbäume von Brombeeren, „Nachmulchen“ mit dem Kreiselmäher. Dabei werden nach Möglichkeit auch andere Organisationen einbezogen, wie ein RHEINPFALZ-Artikel von 2003 („Manager richten Igeln Winterquartiere ein“) belegt. Auf das Verbrennen des angefallenen organischen Materials wird bei den eigenen Einsätzen der Kreisgruppe aus ökologischen Gründen grundsätzlich verzichtet. Stattdessen wird das Totholz und das Schnittgut an geeigneten Stellen auf den Flächen dort zu Haufen aufgeschichtet, wo sie die Bewirtschaftung wenig stören. Auch diverse Nistkästen, vor allem spezielle Niströhren für Steinkäuze, wurden in geeigneten Bäume aufgehängt. Die Nutzung des Obstes ist nur sehr begrenzt möglich. Hauptnutzer sind Pilze, Insekten, Vögel. Nur begrenzt werden zum persönlichen Verzehr Kirschen, Pflaumen, Birnen und Äpfel durch aktive Mitglieder der Kreisgruppe entnommen. Erwähnenswert ist die Produktion von ca. 200 l Apfelwein zum persönlichen Verzehr und für „repräsentative Zwecke“. Auch einige Äpfel werden zur Firma Neu/Becker (Freinsheim) gebracht, um dafür Apfelsaft zu erhalten. Flurbereinigung Lambsheim/WeisenheimSozusagen als Einstieg in die Flurbereinigung in diesem Raum fand zwischen 1998 und 2000 das vereinfachte Flurbereinigungsverfahren Lambsheim- Weisenheim im Grenzbereich zu Lambsheim statt. Hauptgrund für das Verfahren war die Erweiterung der Vorderpfalzberegnung.Der BUND beteiligte sich intensiv am Verfahren, damit in den Plan über die gemeinschaftlichen und öffentlichen Anlagen die landespflegerisch bedeutsamen Flächen optimal integriert wurden. Dabei wurden während des Verfahrens und auch noch danach mit Mitteln der Stiftung erworbene Flächen, Landesflächen, Kreisflächen und kommunale Flächen in das Verfahren eingebracht. Ohne die „Stiftungsflächen“ wären die Grünzonen zu mager ausgefallen. Das Ergebnis war aus Sicht des Naturschutzes recht gut, allerdings ist das gesamte Gebiet aus Naturschutzsicht nur von begrenzter Bedeutung, da ein großer Teil (vor allem der größere, Lambsheimer Teil) schon vorher „ausgeräumte“ Gemüselandschaft darstellte. Unsere Hauptkritik an diesem Verfahren bestand nicht an der Flurbereinigung an sich, sondern daran, dass die Vorderpfalzberegnung noch während des Flurbereinigungsverfahrens über das Verfahrensgebiet hinaus die Wasserleitungen bis in die Sandbiotope hinein verlegte. Weisenheim am Sand - GesamtDie „große“ Flurbereinigung für ganz Weisenheim wurde durch die AEP von 1998 vorbereitet. Später beschloss die Bauern- und Winzerschaft, die Flurbereinigung innerhalb von 25 Jahren in 12 Abschnitten zwischen den Jahren 2012 und 2038 durchzuführen.Die Gesamtfläche beträgt etwa 800 ha. Es ist ein langer Atem für die Landwirtschaft, aber auch für die Naturschützer notwendig, denn bei allen Flächenkäufen und bei der Behandlung der Flächen muss auch der jeweilige Flurbereinigungsabschnitt berücksichtigt werden, wobei auch ein Flächentausch einkalkuliert wird. Der nächste, landespflegerisch wegen seiner Lage im Kernraum des Wiedehopfs besonders bedeutsame Abschnitt, ist Nr. I b, der Bereich um die Eyersheimer Mühle, der schon in den Jahren 2013/14 bereinigt werden soll. In diesem Bereich befinden sich jetzt schon einige Landes- und Stiftungsflächen und hier sollte auch ein Schwerpunkt bei möglichen zukünftigen Flächenkäufen liegen. Fuchsbach-West/Weisenheim am SandAuf Betreiben der Verbandsgemeinde - wegen ihrer Suche nach einem Standort für eine mögliche Klärschlammvererdungsanlage - und der Ortsgemeinde - zur Optierung ihrer Kompensationsflächen am Fuchsbach - wurde 2003 eine vorgezogene Flurbereinigung für einen kleinen (weiteren) Teilbereich der Gemarkung beschlossen.Dieser ca. 60 ha große Abschnitt wurde Fuchsbach-West genannt, da er vom Fuchsbach durchflossen wird.(aber durchaus auch Trockenbiotope beinhaltet). Dieser Abschnitt ist naturschutzfachlich von hoher Bedeutung, weil sich hier auch der Schramberg mit seinen besonders mageren, sandigen Gebieten befindet. Letztere Flächen wurden im Rahmen der Lokalen Agenda ganz einvernehmlich mit den Vertretern der Landwirtschaft erworben. Ende 2003 wurde die Vorstandschaft der Teilnehmergemeinschaft für diesen Abschnitt gewählt. Sie hat umgehend und im Einvernehmen mit dem leitenden Planer des DLR Rheinpfalz den Vertreter der BUND-Kreisgruppe als ständigen Gast bei den Vorstandssitzungen hinzugeladen, damit die Belange des Naturschutzes von Anfang optimal einbezogen werden. Außerdem hat das DLR in Erweiterung der üblichen landespflegerischen Bestandsaufnahme bei einem privaten Büro ein Gutachten in Auftrag gegeben. In diesem erfolgt eine durch ein tier-ökologisches Gutachten angereicherte parzellenscharfe Bestandsaufnahme der Flächen. Fazit - AusblickDie zwischen 1999 und 2003 mit Hilfe der Stiftung Natur und Umwelt erworbenen 63 Grundstücke in Weisenheim am Sand sind integriert in das Artenschutzprogramm „Wiedehopf“ und leisten einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt schutzwürdiger Sandbiotope/Streuobstwiesen im Raum Weisenheim am Sand.Die besonders charakteristischen Arten erschließen sich zu einem großen Teil nicht „auf den ersten Blick“, sind aber durch Untersuchungen belegt. Sehr wünschenswert wäre ein wissenschaftliches Monitoring der zukünftigen Entwicklung des Gebiets, um die Wirksamkeit der Arten- und Biotopschutzmaßnahmen objektiv zu ermitteln, auch unter Berücksichtigung der Strukturveränderungen in der Landwirtschaft. Einen kleinen Einstieg in diese Aufgabe hoffen wir in einer Diplomarbeit der Uni Trier zu finden. In dieser sollen im Rahmen einer Erfassung der BUND- Liegenschaften auch die Flächen in Weisenheim in Bezug auf die dort vorkommenden Biotoptypen untersucht werden. Es böte sich an, diese Fragen in einen Managementplan für die Natura 2000-Gebiete (SPA) in diesem Raum zu integrieren. Bei diesem geplanten (Pilot-)Vorhaben ist laut Aussage des MUF allerdings leider keine besondere Beteiligung des ehrenamtlichen Naturschutzes vorgesehen. Dies ist umso bedauerlicher, als hier nunmehr 18-jährige Erfahrungen in der Biotopbetreuung vorliegen. Trotzdem sehen wir optimistisch in die Zukunft und sehen eine Chance für die seltenen im Rahmen der Kulturlandschaftsentwicklung entstandenen Lebensräume. |
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