Landesverband Baden-Württemberg


Stuttgart 21 - Kein guter Zug für Baden-Württemberg

Fest entschlossen zeigt sich die baden-württembergische Landesregierung,die Menschen in der RegionStuttgart und im ganzen Land mit einem Prestigeprojekt von zweifelhaftem Nutzen zu belasten: "Stuttgart 21". Das Mammutprojekt eines unterirdischen Durchgangsbahnhofes für die Landeshauptstadt klingt nach Zukunftsvision und Aufbruchstimmung - macht aber nach Ansicht des BUND wirtschaftlich, verkehrspolitisch und ökologisch einen Riesenschritt rückwärts.

Verkehrsstaatssekretär Rudolf Köberle vom Innenministerium spricht in der Schwäbischen Zeitung gar von "Baden-Württemberg 21", um auch den Rest des Landes von der Sinnhaftigkeit eines neuen Stuttgarter Hauptbahnhofes zu überzeugen. Ob das gelingt, darf bezweifelt werden. Selbst in Stuttgart hält sich die Begeisterung in Grenzen: Nach aktuellen Umfragen lehnt die Hälfte der Menschen in Stuttgart das Projekt ab. Und obwohl eine bessere und vor allem wesentlich kostengünstigere Alternative auf dem Tisch liegt, halten das Land, die Bahn AG und die Stadt Stuttgart weiter stur an ihrem Vorhaben fest.

Stuttgart 21 ausbremsen - BUND reicht Verbandsklage ein

Nach über zehn Jahren Planung ist Anfang 2005 für den ersten Bauabschnitt der Planfeststellungsbeschluss ergangen. Deshalb hat der BUND die Notbremse gezogen und beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss eingereicht. Anfang April 2006 hat der VGH die Klage des BUND sowie die zweier Privatpersonen abgewiesen. Der BUND zeigt sich über das Urteil empört, da der Deutschen Bahn vom Gericht ein nicht gerechtfertigter Vertrauensvorschuss und Ermessensspielraum eingeräumt wurde. (Pressemitteilung vom 06.04.2006)

Ungeachtet der möglichen weiteren rechtlichen Schritte wird der BUND die politische Auseinandersetzung gegen das Prestigeprojekt der Landesregierung intensivieren. Ziel des BUND ist die

Ziel des BUND ist die Verhinderung des "Milliardengrabes" Kellerbahnhof und die kostengünstige, zukunftssichere Modernisierung des bestehenden Kopfbahnhofes.

Im Folgenden informieren wir über die Hintergründe des Prestigeprojektes und über die Alternativen des BUND:

 

Das Konzept von Stuttgart 21

Der Stuttgarter Kopfbahnhof mit seinen heute 16 Gleisen soll um 90 Grad gedreht und durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit nur 8 Gleisen ersetzt werden. Um außerdem die Zu- und Abfahrtsstrecken im Stadtgebiet unter die Erde zu verlegen, sollen 40 Kilometer Tunnel gebaut werden. Auf dem frei werdenden Bahngelände sind vor allem Bürobauten geplant, obwohl in der Landeshauptstadt schon genug davon leer stehen. Mindestens acht Jahre Bauzeit werden für Stuttgart 21 nötig sein.

 

Kosten und Kostenaufteilung

Wegen der langen Tunnelstrecken und der sehr schwierigen Geologie wird Stuttgart 21 mindestens 2,8 Milliarden Euro kosten. Die Bahn AG will - vorwiegend aus den Erlösen des Grundstücksverkaufs - etwa 1,5 Mrd. Euro beisteuern, die Bundesregierung 453 Mio. und das Land Baden-Württemberg 537 Mio. Euro. Schon jetzt gibt es also eine Finanzierungslücke von ca. 300 Mio. Euro. Und bereits heute ist absehbar, dass das Projekt wesentlich teurer wird. Die Gefahr ist also groß, dass noch erheblich mehr Steuergelder aufgewendet werden müssen.

 

Stuttgart 21 - Rückschritt für den Bahnverkehr im ganzen Land

Der Stuttgarter Hauptbahnhof ist einer der wichtigsten Bahnknoten Süddeutschlands. Mit Stuttgart 21 wird er aufgrund der wenigen Bahnsteige und Tunnelgleise zum Nadelöhr. Gutachten bestätigen den BUND: Stuttgart 21 kann bahnbetrieblich nur funktionieren, wenn der Zugverkehr reibungslos, ohne Störungen und Verspätungen verläuft - also unter realitätsfernen Rahmenbedingungen. Und zudem: Ein Integraler Taktfahrplan im Knoten Stuttgart mit guten Anschlüssen aus allen Richtungen in alle Richtungen mit kurzen Umsteigezeiten ist im geplanten "Kellerbahnhof Stuttgart 21" nicht mehr umsetzbar. Was in der Schweiz mit "Bahn 2000" als Erfolgsstory gilt, zählt in Baden-Württemberg nicht - hier wird dem milliardenschweren Prestigeprojekt Stuttgart 21 mehr Wert beigemessen als einer Flächenbahn für alle Regionen. Auch einer Erhöhung des Zugangebotes sind durch Stuttgart 21 enge Grenzen gesetzt. Damit wird die Möglichkeit verbaut, mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Die viel gepriesenen Fahrzeitverkürzungen kommen nur durch die Bahn-Neubaustrecke Wendlingen - Ulm zustande, nicht durch Stuttgart 21.

Der größte Teil des Landes blickt aufgrund des Tunnelwahns im Stuttgarter Talkessel zudem bahnverkehrlich buchstäblich in die Röhre. Denn Stuttgart 21 bindet auf viele Jahre enorme öffentliche Mittel, die eigentlich für Schienenverkehrsprojekte in ganz Baden-Württemberg vorgesehen sind. So hat sich das Land verpflichtet, eine halbe Milliarde Euro aus Nahverkehrsmitteln für Stuttgart 21 zur Verfügung zu stellen:

  • über 200 Mio. Euro aus Landesmitteln des Gemeinde-Verkehrs-Finanzierungs-Gesetzes (GVFG)

  • 179 Mio. Euro nach dem Bundesschienenwegeausbaugesetz und über

  • 100 Mio. Euro aus den Regionalisierungsmitteln für den Schienenpersonen-Nahverkehr.

Die Folge:

Wenn Stuttgart 21 gebaut wird, bedeutet dies das Ende bzw. eine jahrelange Verzögerung der Modernisierung des Nahverkehrs in allen anderen Landesteilen. Ob Ausbau der Straßenbahnen in Heilbronn, Freiburg oder Ulm, Erweiterung der S-Bahnen Rhein-Neckar und Stuttgart oder Zuschüsse für neue Stadtbahnen - während Angebote für Bahnen und Busse im Land gestrichen oder reduziert werden müssen, will die Landesregierung riesige Summen für ihr Prestigeprojekt buchstäblich vergraben.

 

Gefahr für Schlossgartenpark und Mineralquellen

Durch die umfangreichen Tunnelbauten sind die einzigartigen und unersetzlichen Stuttgarter Mineralwasservorkommen gefährdet.

Im Stuttgarter Schlossgarten, der grünen Oase in der Innenstadt, müssen über 250 Großbäume gefällt werden. Ein Teil des Parks muss sogar komplett umgegraben werden, um Platz für den Betontrog des neuen Kellerbahnhofes zu schaffen. Da während der Bauzeit im gesamten Mittleren Schlossgarten das Grundwasser abgesenkt werden muss, besteht zudem die Gefahr, dass ein Großteil des noch übrigen Baumbestandes vertrocknet.

 

Kopfbahnhof 21 - die BUND-Alternative zu Stuttgart 21

Der Stuttgarter Kopfbahnhof ist jetzt schon einer der leistungsfähigsten Großbahnhöfe in Deutschland. Mit einem Drittel der Kosten von Stuttgart 21 könnte er zu einem wirklich zukunftsfähigen Bahnhof des 21. Jahrhunderts modernisiert werden. Bei der vom BUND, zusammen mit anderen Umwelt- und Verkehrsverbänden, vorgeschlagenen Alternative bleibt der schöne, denkmalgeschützte Bahnhof von Paul Bonatz erhalten und wird renoviert. Das Gleisvorfeld wird kreuzungsfrei umgebaut. Durch die modernen Wendezüge ist auch ein Lokwechsel nicht mehr nötig. Der Engpass zwischen Hauptbahnhof und Bad Cannstatt wird durch zwei zusätzliche Gleise beseitigt. Und auch die Anbindung an die geplante Neubaustrecke Wendlingen - Ulm sowie an den Flughafen ist gesichert. Für die Stadtentwicklung werden dann immer noch große Flächen frei.

 

In der aktuellen Broschüre

"Kopfbahnhof 21 - Die Alternative zu Stuttgart 21 mit Flughafenanbindung"

haben BUND und VCD ihr Konzept detailliert dargestellt. Sie können die Broschüre hier (2,1MB) downloaden.

Sie können die Broschüre gegen eine Schutzgebühr von 4,- Euro incl. Versandkosten aber auch bestellen bei:

BUND-Regionalverband Stuttgart
Rotebühlstr. 86/1
70178 Stuttgart
Tel.: 0711 61970-41
bund.rv-stuttgart@bund.net

 

Die aktuelle Kurzfassung:" Die Alternative zum Milliardengrab Stuttgart 21: Der Bahnhof mit Köpfchen: Kopfbahnhof 21" gibt es zum Download hier.

Mehr zu "Stuttgart 21", zu Aktionen, Neuigkeiten und Informationsmaterialien unserer Alternative "Kopfbahnhof 21" erhalten Sie unter

http://vorort.bund.net/stuttgart/positionen/positionen_3/positionen_89.htm

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