Landesverband Baden-Württemberg
Ortsumfahrungen sind ScheinlösungenDurch die Städte und Gemeinden fahren immer mehr Autos. Um den steigenden Verkehr aus den Orten zu verbannen, werden häufig Ausweichstraßen geplant. Doch Ortsumfahrungen sind kein Allheilmittel im Gegenteil: Sie erzeugen noch mehr Verkehr, sind häufig eine Scheinlösung zu Lasten der Umwelt und können außerdem in Zeiten knapper Kassen immer seltener finanziert werden. Zu diesem Ergebnis ist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, in seiner Studie Ortsumfahrungen Entlastungswirkungen und Alternativen des BUND gekommen. Der BUND fordert deshalb ein neues, umweltorientiertes Planungssystem und ein umweltverträgliches Leitbild für den Stadtverkehr. Aus Sicht des Naturschutzverbandes können Ortsumfahrungen nur in Einzelfällen und bei strengen Standards eine umweltverträgliche Lösung sein.
Für seine Veröffentlichung hat der BUND die Verkehrsentwicklung an sieben Beispielen in Baden-Württemberg über einen Zeitraum von 20 Jahren untersucht. Dabei kam heraus, dass der Verkehr ohne neue Ortsumfahrung im Durchschnitt um 20 bis 40 % gestiegen ist. Nach dem Bau einer Ortsumfahrung hat die Verkehrsbelastung auf der alten und der neuen Straße zusammen sogar um 60 bis weit über 100 % zugenommen. Selbst innerorts gibt es in vielen Fällen keine Entlastung. Je größer die Investitionen in den Straßenbau ausfallen, desto größer ist die dadurch ausgelöste Verkehrszunahme. Wenn man auf neue Straßen verzichtet, kann sich das beruhigend auf den Verkehr auswirken. Vor allem dann, wenn es alternativ zur Straße ein attraktives Angebot im öffentlichen Verkehr gibt.
Die BUND-Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Ortsumfahrungen nur dann das Verkehrsproblem im Ortskern dauerhaft lösen, wenn der Durchgangsverkehr konsequent verlagert wird. Gleichzeitig müssten aber auch die Ortsdurchfahrten für Autofahrer durch Verkehrsberuhigung erschwert und Alternativen zum Auto angeboten werden. Ohne die Einbettung einer Ausweichstraße in ein solch umweltverträgliches Konzept, bleibe die Entlastung aus. Der BUND kritisiert, dass das Land und der Bund Ortsumfahrungen bauen, ohne für eine Beruhigung der jeweiligen Durchgangsstraßen zu sorgen. Der BUND warnt auch davor, dass das Warten auf Ortsumfahrungen eine wirkungsvolle Verkehrspolitik blockieren kann. Statt die Menschen mit Scheinlösungen zu vertrösten, sollte das Land eine integrierte und übergreifende Verkehrsplanung betreiben, fordert der BUND: Das neue Leitbild müsse die Vermeidung von Verkehr und seine umweltverträgliche Abwicklung zum Ziel haben. Dabei könnten Ortsumfahrungen auch unter strengen Bedingungen nur das letzte Mittel sein.
Die BUND-Studie kostet 3 Euro zzgl. Porto und kann hier
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