BUND Kreisgruppe BonnUmweltschäden durch PapierverbrauchUnser Papierverbrauch verursacht durch Kahlschlag schwere Umweltschäden in den nordischen Ländern. Die Verwendung von Recycling- und Umweltpapier kann helfen.Bonn, 27.04.2004Was hat ein Bär mit Papier zu tun? Nun, unter Umständen sehr viel. Besonders dann, wenn die BUND Kreisgruppe Bonn, Greenpeace Gruppe Bonn und die Johanniskirchengemeinde einen Bären in Lebensgröße aus Papier – genauer gesagt aus Pappmaschee – entstehen lassen. Die Umweltgruppen möchten damit auf den nach wie vor sehr hohen Prokopf-Papierverbrauch von immerhin 230 kg/Jahr (2002) hinweisen, der leider zu einem sehr hohen Anteil noch immer aus frischem Zellstoffpapier aus Urwaldkahlschlägen besteht. Am 4. Mai 2004 werden Kinder der Johanniskirchengemeinde im Rahmen der Hardtberger Jugendwoche zum Thema „Umwelt“ in Bonn-Duisdorf, Bahnhofsstr. 63, unter Anleitung der beiden Umweltgruppen einen Bären in Lebensgröße aus Pappmaschee auf einem Holzgerüst bauen. Dieser niedliche Naturbursche soll als Sympathieträger dafür werben, seinen Lebensraum, die großen nordischen Urwälder in Skandinavien, Russland, Alaska und Kanada zu schützen. Jeder einzelne kann zum Schutz der nordischen Urwälder beitragen, indem er seinen Papierverbrauch drosselt und verstärkt auf Produkte aus Altpapier zurückgreift. Derzeit werden dort große Flächen ratzekahl abgeholzt, um den ungeheuren Zellstoffbedarf der Papierindustrie in den Industriestaaten der nördlichen Erdhalbkugel zu stillen. Allein 20% der jährlich nach Deutschland importierten Zellstoffmenge von immerhin knapp 4 Millionen Tonnen stammt aus Kanada, wo große Waldgebiete, die zudem Reservate der indigenen Bevölkerung darstellen, zum Teil illegal eingeschlagen werden. In Deutschland wurden 2002 nach Auskunft des Verbandes deutscher Papierfabriken (VDP) durchschnittlich 65% des Papierverbrauches aus Altpapier gedeckt. Dieses erscheint im ersten Augenblick als durchaus viel. Allerdings weisen die verschiedenen Einsatzbereiche sehr unterschiedliche Quoten auf. Im Bereich von Schreib- und Kopierpapieren lag der Anteil mit 22% sehr niedrig. Im Zeitungs- und im Wellpappebereich wurden Quoten von bis zu 116% erreicht. Diese über 100% liegenden Zahlen erklären sich daraus, dass mehr Altpapier eingesetzt werden muss, als anschließend als neues Papier daraus hervorgeht. Unter diesem Aspekt betrachtet sind die angegebenen 22% für den uns alle betreffenden Bereich der Schreib- und Kopierpapiere noch kritischer zu betrachten. Der jährliche Zellstoffbedarf zur Papierproduktion in Deutschland wird nur zu ca. 10% durch einheimische Produktion gedeckt. Ein häufiges Argument für den Einsatz von neuem Papier ist, dass dafür Holz aus der normalen Forstwirtschaft in Deutschland verwendet wird, sogenanntes Schwachholz, das beim Durchforsten der Bestände sowieso als Abfall anfällt. Dieses Holz wird allerdings im überwiegenden Anteil als Holzstoff eingesetzt, woraus keine der hochwertigen Schreibpapiere entstehen, die wir tagtäglich verbrauchen. Der Unterschied zwischen Holzstoff und Zellstoff besteht darin, dass Holzstoff Lignin enthält, das unter Lichteinfluss schnell zur Vergilbung des Papiers führt. Um das zu verhindern, wird das Lignin durch Behandlung z.B. mit Sulfit im Holzstoff zerstört, wodurch Zellstoff entsteht. Kennen Sie das nicht auch? Sie gehen in ein Geschäft und wollen Schreibpapier kaufen. Achten Sie mal darauf: Wo noch vor 5 Jahren eine große Auswahl an Recyclingpapieren stand, finden Sie heute nur noch weißes Papier aus chlorfrei gebleichtem Papier. Der einzige Umweltvorteil an chlorfrei gebleichtem Papier ist, dass die Umweltbelastung mit chlororganischen Verbindungen sinkt. Der Bedarf an Zellstoff steigt damit noch stärker an. Nur Recyclingpapier ist wirklich umweltfreundlich. Recyclingpapier ist heutzutage für alle Zwecke einsetzbar. Mittlerweile bestehen für Recyclingpapiere verschiedene umweltfreundliche Verfahren, um ihre Einsatzfähigkeit gerade auch in Kopierern an die von weißem Papier anzupassen oder sogar zu übertreffen. Auch Hygienepapiere aus Altpapier enthalten nicht mehr Schadstoffe als solche aus frischem Papier. Recyclingpapier ist im Großhandel billiger als frisches, weißes Papier. |
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