Kreisverband Darmstadt-Dieburg

Konflikte um den Kies- und Sandabbau

Der Ur-Main, von Osten kommend floss durch den Ostteil des Landkreises Darmstadt-Dieburg und von dort in Richtung Rödermark und den Bereich südlich von Frankfurt. Er hat tiefe Schichten eines hochwertigen Sandes hinterlassen, der vor allem nach dem 2. Weltkrieg die Begehrlichkeiten verschiedener Baggerunternehmen erweckte. Sein hoher Quarzgehalt verleiht ihm nach dem Berggesetz eine besondere Rolle, sodass man ihn eigentlich nur für wenige Spezialzwecke verwenden dürfte. Dazu hat er aber nie gedient. Die Bauindustrie macht daraus Beton, wozu auch weniger wertvolle Materialen taugen.


Sandabbau bei Babenhausen an der B26; Der Bedarf sinkt ...


Ein kräftiger Konflikt entstand als 1995 die Hessische Landesregierung die Rohstoffsicherung untersuchen ließ und die Baggerunternehmen die Gelegenheit witterten und den Kies- und Sand – Notstand ausriefen: es gibt kaum noch ausbeutbare Vorräte und in Zukunft wird der Bedarf an den Rohstoff ansteigen. In der Folge wurden, wen wundert es, in ganz Hessen und besonders in Südhessen Anträge auf weitere Ausbeutungsflächen gestellt.


...und sinkt; Abbau von Quarzsand östlich von Babenhausen


Das brachte einen Arbeitskreis der Naturschutzverbände auf den Plan. Er untersuchte die Situation und legte – nicht ganz mühelos – eine Liste der Vorräte vor, die von den Angaben der Kiesindustrie erheblich abwich. Weitere Unterstützung kam von einer Enquetekommission des Bundestages zum Thema Rohstoff – Nachhaltigkeit. Im Ergebnis kam der Arbeitskreis zu einer Schlussfolgerung, die von den Aussagen der Rohstoffunternehmen diametral abwich: Die Vorräte reichen noch für Jahrzehnte und der Bedarf wird drastisch sinken.
Und was ist seitdem passiert? In den letzten Jahren wurden nur wenige Neuanträge auf Ausbeutungsflächen eingereicht, was soviel heißt, dass die Vorräte ausreichend sind. Und das Wichtigere: der Verbrauch an den Rohstoffen sinkt und sinkt, mehr als vorhergesagt. Nicht zuletzt, weil die Abfallverordnung inzwischen eine bessere Recyclingquote bewirkt hat.

Und noch ein Fortschritt: In der Vergangenheit war die Frage der Nachnutzung der ausgebeuteten Flächen (meist Kiesseen) immer strittig. Die jüngsten Pläne für neue Abbauflächen zeigen hier einen Fortschritt. Schon in der Genehmigungsplanung wird dies weitgehend festgelegt oder zumindest ein Prozedere festgelegt, das Abbau begleitende Maßnahmen für den Naturschutz vorsieht.


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