Content-Management-System by www.mediadreams.org and www.dayone.de

Woher kommen Sie?

Für äußerlich erkennbare Ausländer ist die Frage: „Woher kommen Sie?“ ganz üblich. Ich antworte dann mit der Gegenfrage: „Warum möchten Sie das wissen?“ Dann höre ich: „… Na ja, Sie sind aber kein Deutscher.“ „Woher wollen Sie das wissen“, ist meine Gegenfrage. „Sie sehen nicht wie ein Deutscher aus.“ Darauf antworte ich: „Es mag sein, dass ich nicht wie ein Deutscher Ihrer Vorstellung aussehe, aber in meinem Personalausweis steht, dass ich ein deutscher Bürger bin, der zufällig in Bogota in Kolumbien geboren ist.“ Dann kommt meistens die Frage: „Aber fühlen Sie sich nicht als Kolumbianer?“. Die Antwort: „Nein, in erster Linie als Weltbürger, dann als Deutscher (Wunschvorstellung, die zum Glück Realität geworden ist) und an dritter Stelle als Kolumbianer, der durch Gottes Wille und Produkt der Natur in diesem Erdteil geboren ist.“ Nach dem Motto: Das Einzige, was wir uns nicht aussuchen können, ist der Ort, an dem wir geboren werden.

Wenn diese Frage geklärt ist, kommt die Frage: „Aber warum sind Sie ausgerechnet nach Deutschland gekommen? Wir sind doch die hässlichen Deutschen, die große Kriege geführt haben. Wir sind die Perfektionisten und Pedanten.“ Hier angelangt sage ich: „Wissen Sie, ich lebte vierundzwanzig Jahre in einem Land, das nie einen Weltkrieg erlebt oder daran mitbeteiligt war, wo kein Mangel an natürlichen Ressourcen herrscht, keine strengen und harten Jahreszeiten existieren, wo alle mögliche Wetterlagen zum Leben, alle möglichen Rassenmischungen existieren und so weiter. Aber ich habe mich immer gefragt, warum ist dieses Land unterentwickelt und ein Schwellenland, warum gibt es so viel Korruption der Zivilbevölkerung, von den üblichen Problemen mit Guerrilleros, Paramilitares und Drogenhändlern abgesehen?
Am Ende meiner Überlegungen kam ich zu der Schlussfolgerung, dass mir bis jetzt nur zwei Länder bekannt sind, die nach einer fast totalen Zerstörung innerhalb von kurzer Zeit das Stadium eines sogenannten entwickelten Landes, und das unter den Top Ten, erreicht hatten: Deutschland und Japan. Darauf sagte ich mir, dass ich in eines dieser Länder gehen muss, um zu lernen, wie man Entwicklung erreicht.
Die Wahl war einfach: Japanisch mit vierundzwanzig Jahren zu lernen, wird nicht einfach, sagte ich mir, Deutsch dagegen ist eingänglicher. Außerdem möchte ich im „Zentrum“ der Welt sein, der Gedanke, in Richtung Osten zu schauen und den breiten Pazifik zu erblicken, schreckte mich ein bißchen. Ich denke, ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Ja, ich mag Deutschland und bin hier geblieben, und solange ich voraussehen kann, werde ich mit meiner Familie hier bleiben.
Warum?

Erstens: Ich habe mein Herz in Heidelberg verloren.
Meine Frau ist eine deutsche Spätaussiedlerin aus Kasachstan aus der Zeit des kommunistischen Schreckens der gespenstischen UdSSR (1978) mit Vorfahren aus Ostpreußen, die durch Kriege und Schicksalsschläge über Polen, Ukraine, Moldawien, Russland und letztendlich in Krasnoarmiejsk/Kasachstan durch Vertreibung angelangt sind. Obwohl das vielleicht witzig klingt, aber hier in Deutschland habe ich den Multikulturalismus in der Realität kennen gelernt. So einen Lebenslauf hatte ich in Kolumbien in all den Jahren nie gesehen!

Zweitens: Wir beide sind der Auffassung, dass wir uns hier im Zentrum der Geschehnisse befinden.
Damit meinen wir nicht nur die politische, sondern die aktuelle technologische Entwicklung. Hier wird entschieden, was in Zukunft Wert haben wird. Die Frage „Was ist Nachhaltigkeit?“ ist in Heidelberg und in ganz Baden-Württemberg keine rhetorische. Die grüne Technologie der Zukunft ist hier bereits Realität, ein roter Faden, der mein Herkunftsland mit Deutschland verbindet. Als ich mit meinem Studium fertig war (1984, als Dipl.-Ing.-Architekt), hatte ich die Gelegenheit, an einem Projekt teilzunehmen, im Rahmen dessen sechstausend (6000!!!) Sozialwohnungen mit Solarthermie für Warmwasserbereitung ausgerüstet wurden. Was in Kolumbien als einem kontrastreichen Land eher eine Ausnahme bildet. Trotzdem war für mich das A und O: Es gibt keine andere Alternative, wenn ich in meinem Beruf weiter bzw. im „Zentrum“ sein möchte, sei es in Deutschland oder auf dem Mond.
Die regnerative Energie, die Informatik, die Kommunikationstechnologien und nicht zuletzt die
Kenntnisse und das Verständnis für die unterschiedlichen Menschen machen die Mischung. Somit bin ich ein Energieberater nach BAFA oder DENA geworden. Man kann die ganze Welt nich auf einmal ändern. Kleine Schritte bringen uns trotzdem weiter, wenn wir der Richtung folgen, die eine nachhaltige Entwicklung ermöglicht.

Drittens: Es gibt den Spruch „Einmal Ausländer, immer Ausländer“.
Anders ausgedrückt: Einmal Ausländer – für immer Weltbürger. Jedes Land hat meiner Auffassung nach immer etwas sehr Gutes und sehr Schlechtes. Wenn man es erlebt hat, dann entstehen Sehnsucht oder Trauma. Kolumbien hat die besten Obstsäfte, aufgrund seiner reichen und vielfältigen Natur: Sehnsucht nach einem täglichen frischen Obstsaft nach Gusto und unterschiedlichen Geschmacks. Leider respektieren Kolumbianer nicht die Natur, zumindest nicht so wie hier in Deutschland: Trauma wegen verbrannter Wälder, ausgetrockneter Seen, Monokultur, illegaler Plantagen sowie hemmungsloser Nutzung von Pestiziden und Gentechnik usw.

Viertens: Keiner ist Prophet in seinem eigenen Land.
Ich bin hier so eine Art Schallmauer, die ein Echo produziert und provoziert. Manche Kolumbianer, die mich fragen, was ich hier tue, kommen zu der Auffassung: Das sollte man doch in Kolumbien nachmachen – einen Baum pflanzen, Müll sortieren, sich besser ernähren, mit grünen Technologien Geschäfte machen usw.

Fünftens: die kritische Haltung und die Hoffnung, Neues zu lernen.
Deutschland hat eine Voraussetzung, die wichtig für nachhaltige Entwicklung ist: eine kritische Haltung. Sie hilft uns, den nötigen Abstand zu Fehlentwicklungen und Katastrophen zu halten. Aber dies ist kein anonymer Zustand. Der Mensch, der seinen Müll trennt oder zu einer Anti-Atom-Kundgebung geht, bestätigt Tag für Tag, was er für wertvoll hält. Er gibt mir die Hoffnung, dass ich genauso wie er auch lernen werde, mit Sonnenenergie und Wärmepumpen umzugehen oder einheimische Naturressourcen besser zu schätzen, z. B. Gemüse, Obst, Hölzer, um nur einiges zu erwähnen.

Wünsche: Jetzt sind Sie dran!
Liebe Leserin, lieber Leser dieser Zeilen, Sie haben dieses Heftchen in der Hand, das ist schon mal etwas. Noch besser: Sie haben es bis hierher gelesen oder sind per Zufall hier gelandet. Das freut mich. Mein Wunsch beim Schreiben dieser Zeilen war einfach, mich an diese unendliche Menschenkette anzuschließen. Ich bin der Überzeugung, dass der erste Schritt bei jeder Aktion ist, sich bewusst zu machen, was man erreichen wird. Das gilt auch für Umwelterhaltung und nachhaltige Entwicklung. Wenn wir diese Sehnsucht bei Ihnen erwecken konnten, ist mir ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Auch die Organisatoren dieser Aktion haben dann Grund zur Freude. Ich sage das alles nicht nur aus altruistischen Gründen, sondern paradoxerweise aus egoistischen: Ich möchte eine ordentliche Umwelt für mich haben – Pech für mich, wenn die anderen nicht mitmachen.

Carlos Forero-Franco


Projekte
Energiesparen im Studentenwohnheim
Die Welt in Heidelberg
BUND-Kinder
Landschaftspflege
Hilfe für den Yasunì Nationalpark
Heidelberger Wäldchen
Aktion Unverpackt
__Einfälle statt Abfälle
__Recyclingpapier
Agenda 21
Unser Strom ist grün
Reptilien
Fledermäuse
Friseur&Umwelt
Maler&Umwelt
Bäcker/Konditoren& Umwelt
Solareismobil
Partner in Kolumbien
Jugend-Klimagipfel
Die Erde unter Strom
   Impressum zum Seitenanfang