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Die Alpen: Vom Klimawandel besonders betroffen!

Österreichische Alpen

Ich bin im Süden Österreichs geboren und aufgewachsen, umgeben von Wald, Wiesen, Seen und Bergen. Die intakte, schöne Natur war einfach da und selbstverständlich. Genauso wie es selbstverständlich war, jeden Winter in die Berge zum Schifahren zu gehen. Berufliche und private Gründe haben mich nun nach Heidelberg verschlagen. Jetzt müssen die Urlaube gut geplant werden, wenn wir in die Berge wollen. Der räumliche Abstand zu den Alpen macht aber sensibler für die Anliegen und Probleme dieser einzigartigen Bergregion.

Der gesamte Alpenraum umfasst etwa 190.000 km2 und 13,6 Millionen Einwohner. Unter den acht Alpenländern hat Österreich dabei mit 28,7 % der Alpenfläche den größten Einzelanteil. Diese acht Länder haben zum Schutz der Alpeneinen völkerrechtlichen Vertrag abgeschlossen, die so genannte Alpenkonvention. Sie hat die nachhaltige Entwicklung des Alpenraums unter Berücksichtigung der ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte zum Ziel.

Die österreichischen Alpen sind ein Anzieh-ungspunkt für viele Freizeittouristen, insbesondere im Winter. Gerade der alpine Schilauf stellt aber auch ein großes ökologisches Problem dar: durch den Flächen- und Stromverbrauch für Pisten und Liftanlagen, was eine Veränderung der Vegetation, Biodiversität und der Wildtierlebensräume zur Folge hat. Auch wird durch die künstliche Beschneiung vieler Pisten in den Wasserhaushalt eingegriffen. Durch die wärmer werdenden Winter verschiebt sich die sichere Schneelage immer weiter nach oben. Die Folge ist, dass entweder Lifte kleinerer Schigebiete gar nicht mehr in Betrieb gehen oder sehr viel künstlich beschneit werden muss. Die dritte Option ist, dass die Schigebiete immer weiter in hohe Lagen wandern und dadurch noch völlig unberührte Natur und Gletscher zerstört werden. Statistische Erhebungen zeigen, dass die Schifahrerzahlen stagnieren und daher die bestehenden Pistengebiete völlig ausreichend wären. Dennoch streben Seilbahngesellschaften die Neuerschließung von alpinem Raum in höheren, weil schneesicheren Lagen an. Seit über 25 Jahren soll das Ischgler Schigebiet (im Bundesland Tirol) um den Piz Val Gronda erweitert werden. Dies hätte aber zur Folge, dass die einzigartige Pflanzenwelt mit einer Vielzahl seltener und vom Aussterben bedrohter Pflanzen massiv betroffen wäre. Auch die geologische und geomorphologische Beschaffenheit dieses Berges stellt eine schützenswerte Besonderheit dar. Eine Erschließung dieses Gebietes wäre ein großer Verlust nicht nur der Naturlandschaft, sondern auch für den sanften, naturnahen Tourismus, der dann dem Massentourismus weichen müsste.

Dass es aber auch anders gehen kann, zeigt das Beispiel Dobratsch im Bundesland Kärnten. Die Schütt, das Bergsturzgebiet des Dobratsch, ist eines der bestgeschützten Naturgebiete Österreichs und als Natura-2000-Gebiet der EU ausgezeichnet. Dieses Gebiet beherbergt nicht nur eine Vielzahl an Vögeln und Schmetterlingen, sondern auch Pflanzen aus dem Mittelmeerraum und den Alpen. Gleichzeitig fungiert der Dobratsch als Trinkwasserlieferant für die Stadt Villach. Bis ins Jahr 2002 wurde er auch als Schigebiet genutzt. Auf Grund des Natur- und Wasserschutzes wurde eine Erweiterung des Schigebietes jedoch abgelehnt. Mehr noch, die bestehenden Liftanlagen wurden und werden abgebaut, und die Pisten werden teilweise wieder aufgeforstet. Inzwischen ist nur mehr ein naturverträglicher Wintertourismus in Form von Schitouren oder Schneeschuhwanderungen möglich. Aber auch hier gilt es Regeln einzuhalten, um die Schongebiete der Wildtiere nicht zu stören.

Vera Vodermaier

Schweizer Alpen

Im August 2003 kam ich in die Schweiz. Nicht grenznah nach Basel, sondern mitten hinein ins Wallis. Das war schon etwas Besonderes, die erste Arbeitsstelle, im Ausland und dann umgeben von den höchsten Bergen der Alpen. Frei nach dem Motto: „Arbeiten, wo andere Urlaub machen“. In direkter Nähe zu meinem damaligen Wohnort Brig liegt der Große Aletschgletscher und eine meiner ersten Wanderungen führte mich dorthin.
Der Große Aletschgletscher ist mit seinen rund 23 Kilometern Länge der größte und längste Gletscher der Alpen. Er besteht aus etwa 27 Milliarden Tonnen Eis. Der Ursprung des Gletschers liegt in der 4000 m hoch gelegenen Jungfrau-Region, gesäumt von Gipfeln wie Jungfrau und Mönch. Drei mächtige Firnfelder, das Grosse Aletschfirn, das Jungfraufirn und das Ewigschneefeldfirn, speisen den Gletscher zusammen mit dem viel kleineren Grüneckfirn. Sie fließen im Bereich des Konkordiaplatzes zusammen, wo der Gletscher eine Eisdicke von mehr als 900 Metern erreicht. Von dort fließt der Eisstrom mit einer Geschwindigkeit von bis zu 180 Metern pro Jahr in Richtung Rhonetal. Kaum vorstellbar, dass die Klimaerwärmung so einem Eisriesen etwas anhaben kann. Doch selbst im Kleinen konnte ich den Rückgang sehen. Lag der Wanderweg im Jahr 2003 noch etwa 50 m vom Gletscherrand entfernt, musste man ein Jahr später an gleicher Stelle etwa die doppelte Strecke zurücklegen, um an den Gletscherrand zu gelangen. Rund 30 Meter sind es jedes Jahr, um die der Gletscher in seinem Zungenbereich kürzer wird. In einzelnen Sommern wurden sogar Verluste von bis zu 90 Metern Länge pro Jahr erreicht. Summiert über die letzten 110 Jahre hat der Aletschgletscher weit über 2 Kilometer an Länge verloren.1 Was für den größten Gletscher der Alpen gilt, betrifft die kleineren Gletscher natürlich umso mehr. Daher beobachtet die 1869 gegründete Schweizerische Gletscherkommission die Veränderung der Gletscher und ihre Folgen in der Schweiz sehr genau. Durch den Rückzug der Gletscher und das Auftauen der Permafrostzonen steigt in diesen Gebieten die Häufigkeit von Überflutungen, Eis- und Gerölllawinen, überschwappenden Gletscherseen und Steinschlägen aus auf-tauenden Moränenhügeln. Im Rahmen des EU-Projekts „Glaciorisk“, warnen Forscher der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der ETH Zürich vor 82 Gletschern, die bereits Menschen oder ihre Bauwerke gefährdet haben und/oder sie zukünftig gefährden könnten. Wissenschaftler vom Institut für Geographie der Universität Zürich, die das internationale Register „Glacier Hazards“ (Gletscher-Gefahren) angelegt haben, fürchten sogar, der globale Klimawandel schaffe völlig neue Risiken, da die schmelzenden Gletscher sich und die Landschaft stärker verändern, als jemals zuvor beobachtet wurde.

Diese Zahlen sind alarmierend und gelten nicht nur für die Schweiz. Mit unterschiedlichsten nicht unumstrittenen Maßnahmen wird deshalb versucht, das Abschmelzen der Gletscher zu verhindern. So werden einige Gletscher im Sommer mit weißen Planen abgedeckt, die die Sonnenstrahlen besser reflektieren sollen, damit sich das darunter liegende Eis nicht so stark erwärmt (z.B. Tortin-Gletscher). Ein ähnlicher Effekt soll durch eine regelmäßige Reinigung der Gletscheroberfläche erzielt werden (z.B. Zugspitz-Gletscher). Außerdem wurden Versuche mit Windfangzäunen auf dem Rhone-Gletscher durchgeführt, da festgestellt wurde, dass die Temperatur über dem Gletscher spürbar sinkt, wenn die talwärts fließenden, kalten Fallwinde auf dem Gletscher gebremst und aufgehalten werden.
Dass diese Bemühungen jedoch nicht in der Lage sein werden, das Abschmelzen der Gletscher zu verhindern, steht fest.

Verena Jung

Deutsche Alpen

Als Erholungsgebiet spielen die deutschen Alpen eine große Rolle, auch wenn Deutschland eigentlich nur zu den Alpen-Anrainerstaaten zählt. Im Kleinen findet sich hier fast alles, was es auch in den anderen Alpenländern gibt. Mit meiner Familie habe ich die Alpen in Urlauben und an den Wochenenden bei zahlreichen Wanderungen kennen lernen dürfen. Nach Heidelberg bin ich gekommen, um Umweltphysik zu studieren und für die Diplomarbeit hat es mich dann wieder in die Alpen verschlagen, zur Messung von Treibhausgasen an die Zugspitze.

Die Zugspitze ist mit 2962m der höchste Berg Deutschlands. Auch sein Gletscher ist vom kontinuierlichen Schrumpfen betroffen (siehe Bericht Schweizer Alpen). Eine so schroffe Landschaft wie an der Zugspitze findet sich jedoch nur in einem kleinen Teil der deutschen Alpen. Von Natur aus wären die Alpen bis in mittlere Lagen hinauf überwiegend bewaldet. Über Jahrhunderte haben die Bergbauern jedoch durch landwirtschaftliche Nutzung waldfreie Flächen, die Almen, geschaffen. Dadurch ist ein abwechslungsreiches Landschaftsbild entstanden, das uns Menschen so vertraut ist und den besonderen Reiz der Bergwelt ausmacht. Viele Bergbauern wirtschaften dabei auch heute noch unter erschwerten Bedingungen: die Nutzflächen haben oft eine Hanglage von über 40%, die von Hand gemäht werden muss. Sie verzichten auf Intensivdüngung, sowie die Ausbringung von Klärschlamm und Massentierhaltung. Dadurch tragen sie zur Erhaltung dieser Kulturlandschaft und ihrer Biodiversität bei. Um das Überleben dieser Bergbauern zu sichern sind zahlreiche Projekte gestartet worden, deren Hauptziel es ist regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken und Absatzwege zu verkürzen z.B. durch Direktvermarktung von Milch und anderen landwirtschaftlichen Produkten.

Luisa Sievers

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Alpen eine Region mit einer einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft darstellen, deren Schönheit es länderübergreifend zu erhalten gilt. Dazu muss ein globales Umdenken in Sachen Klimaschutz einsetzen, das bei jedem von uns anfangen sollte, wie uns das BUND-Projekt „Die Welt in Heidelberg“ sehr eindrücklich gezeigt hat

1 Quelle: ProNatura Zentrum Aletsch
2 GEO Magazin Nr. 02/06


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