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Die Geschichte des Francoli

Schon immer hat mich die Entwicklung des – für viele sicher unbekannten – Flusses Francolí (römischer Name: Tulcis) in Tarragona interessiert. Der Francolí trägt die für Flüsse des Mittelmeerraumes typischen Eigenschaften: einen relativ kurzen Flussverlauf mit sehr unterschiedlichen Wassermengen in Winter und Sommer. Früher trug der Fluss stark zur wirtschaftlich positiven Entwicklung der Region bei. Entlang seiner 85 km finden sich viele römische Villen; die Römer wählten diese Gegend wohl vor allem wegen des Zugangs zum Wasser sowie der fruchtbaren Erde. Das Wetter unterschied sich nicht wesentlich von dem der italienischen Halbinsel, und so siedelten die Römer in Spanien entlang der gesamten Mittelmeerküste, der so genannten „Hispania“. Die fruchtbare Erde brachte wie erwartet reiche Ernte ein: Mandeln, Haselnüsse, Tomaten und vielerlei andere Früchte gediehen prächtig.

Auch die Einführung des feudalen Systems nach der Römerzeit schränkte die Aktivitäten der Bewohner noch nicht ein. Während der industriellen Revolution jedoch wurde der Fluss erstmals für Papierfabriken genutzt.

Ich erinnere mich, was meine Großeltern mir über den Fluss erzählten, als ich ein Kind war: Schwimmen und Fischen gehörten zum Alltag des „Lebens mit dem Fluss“. Heute kann ich mir dies nur noch schwer vorstellen.

In den sechziger Jahren begann unter der totalitären Diktatur Francos der Ölhandel. Aus strategischen Gründen ließ das Regime am Flussufer eine große Raffinerie errichten. Aufgrund des industriellen Aufschwungs, den diese brachte, war sie gern gesehen. Aber ein großer Teil des Waldes in der Umgebung musste hierfür geopfert werden. Abgesehen davon wurde auch eine moderne Papierfabrik eröffnet. Für mich war der Francolí immer ein durch die Einleitung von Chlor und anderen giftigen Stoffen belasteter „stinkender“ Fluss, der aber immer noch Wasser führt – wenn auch mit großen Schwankungen im Verlauf des Jahres.

Ich erinnere mich, dass Umweltschützer und Experten den Klimawandel auch zum Teil für die Überschwemmungen des Francolí von 1991 verantwortlich machten. In diesen Tagen wurde der Ausnahmezustand verhängt, das Hochwasser hatte Brücken, Straßen und Bäume zerstört.
Darüber hinaus wurde an der Mündung ein Fischereiviertel überschwemmt, was zu großen Verlusten führte. Die Regierung und Gemeinde entschieden, die Flussmündung umzuleiten, um erneute Katastrophen zu vermeiden. Ich kann mich gut daran erinnern, dass Umweltschützer gegen diese Maßnahme waren, da sie sich auf die Fauna der Mündung auswirken könnte. Flamingos machen hier z. B. häufig „Station“ auf dem Weg zum Ebro-Delta, wo sie vor ihrem Weiterflug nach Afrika pausieren.

Nach und nach wuchs das Bewusstsein für den Fluss und man beschloss die Wälder durch Begrenzung der Zuflüsse (und so der chemischen Belastung) zu schützen. Der Fluss schien wieder zu „atmen“, die alten Straßen wurden zu Wander- und Radwegen. Auch Aale und Karpfen kehrten zurück, es kam zu einer gewissen Erholung des Ökosystems.

Leider passierte später ein Chemieunfall, der diese Erholung gefährdete: Aus der Ölraffinerie geriet über zwei Jahre lang versehentlich Phenol in den Fluss, zahlreiche Fische verendeten aus Mangel an Sauerstoff. Das Unternehmen gab Fehler zu und setzte die von der Regierung auferlegten Sanktionen um. Die Bemühungen um eine Sanierung dieses sensiblen Ökosystems dauern aber immer noch an.

Das also ist meine kleine Geschichte: von einem Fluss, der immer noch den durch uns Menschen verursachten Widrigkeiten trotzt und dies auch in Zukunft hoffentlich weiterhin tun wird.

José-Luis Dauden


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