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„Jute statt Plastik“ auf chinesisch

Im Laufe meines Germanistikstudiums in Peking war ich an den kulturellen Unterschieden zwischen Asien und Europa, besonders an den in Deutschland gut entwickelten Ordnungsstrukturen interessiert und entschied mich, die westliche Kultur vor Ort näher kennen zu lernen. Im Jahr 2003 bin ich mit einem SARS-Mundschutz in Heidelberg angekommen und habe direkt mit meinem Wirtschaftsstudium angefangen. Seitdem ich in Heidelberg wohne, bin ich davon begeistert, dass es hier so viele Grünflächen gibt und die Leute sehr gerne ihre Zeit im Wald, am Fluss oder im Park verbringen.

Aus diesem Grund habe ich Umweltökonomie und Umweltwirtschaft als Schwerpunkte gewählt, um die deutsche „grüne Idee“ näher kennenzulernen. Momentan beschäftige ich mich mit meinem Forschungsthema zum interkulturellen Umgang mit der Natur. Hierbei geht es darum, inwiefern man aus dem deutschen Recyclingkonzept und der traditionellen chinesischen Umweltmentalität ein Hybridkonzept erzeugen könnte. Mit dieser Fragestellung bin ich zu dem Projekt „Die Welt in Heidelberg“ gestoßen, um den Umgang mit der Natur aus verschiedensten kulturellen Hintergründen kennenzulernen. Im Zuge der Industrialisierung Chinas wird Umweltschutz immer wichtiger. Dazu möchte ich eine Anekdote über Einkaufstüten erzählen:

Als ich zum ersten Mal in einem Supermarkt in Deutschland etwas gekauft habe, kam ich zur Kasse und wollte bezahlen. Dort wurde ich gefragt: „Brauchen Sie eine Tüte?“ „Ja, gerne“, antwortete ich lächelnd. „20 Cent“, antwortete die Kassiererin. Ich war erstaunt, dass man selbst dafür noch bezahlen muss, da solche Tüten in China immer kostenlos sind und 20 Cent für chinesische Verhältnisse recht viel sind. So verließ ich erstaunt den Markt mit der teuersten Einkaufstüte meines Lebens. Ich stellte danach fest, dass viele Leute zum Einkaufen eine Tasche mitnehmen, oft war diese aus Stoff. Ich habe eine deutsche Mitbewohnerin gefragt, wie eine solche Tasche heißt? Die sagte mir, es sei eine Stofftasche. Aus Umweltschutzgründen wurde diese Tasche ein Teil des Alltagslebens. Okay, andere Länder, andere Sitten ... Daraufhin habe ich auch für mich umgehend eine Stofftasche besorgt. Mit dieser kaufte ich ab sofort ein und musste daher keine teure Einkaufstüte mehr bezahlen. „Geld gespart und Umwelt geschont. Sehr schön!“, dachte ich mir. Nachdem ich mittlerweile im Fach Umweltwirtschaft abgeschlossen habe, ist es mir noch klarer geworden: Die Bezahlung für eine Plastiktüte hat nicht nur mit Selbstdisziplin zu tun, sondern ist vielmehr eine gut funktionierende Regelung, nach der man für Umweltbelastung bezahlen muss. Dies lässt mich an meine Heimat denken. In China werden in fast jedem Supermarkt kostenlose Plastiktüten zur Verfügung gestellt. Als ich, begeistert von der deutschen Regelung, in den Semesterferien 2004 nach Hause flog, nahm ich meine Stofftasche mit. In der Küche meiner Eltern befand sich ein Stapel gefalteter Einkaufstüten und ich erzählte meinen Eltern, dass man in Deutschland stattdessen Stofftaschen verwendet. Ich habe meinen Eltern von der deutschen Regelung erzählt und ihnen meine Stofftasche überlassen, um diese sinnvolle Gewohnheit in mein Elternhaus zu importieren.
Im Jahr 2006 konnte ich in den Ferien nicht nur die deutsche Stofftasche in der Küche meiner Eltern finden, sondern auch eine chinesische mit der sinngemäßen Aufschrift „Lasst uns zusammen die Umwelt schützen – benutzen Sie bitte Umweltschutztaschen“. Meine Mutter erzählte, dass es diese Tasche in unterschiedlichen Ausführungen gibt, obwohl die Plastiktüten im Supermarkt immer noch kostenlos angeboten werden. Die Umweltschutzidee ist also schon im Privathaushalt angekommen. Vor einigen Monaten war ich wieder daheim, und dieses Mal waren die Plastiktüten nicht mehr kostenlos, sondern mussten auch bezahlt werden, da in China seit 2008 eine Verordnung zur Beschränkung der Kunststoffnutzung besteht. Ein weiteres neues Phänomen ist ein Abfalltrennsystem auf der Straße, das dem deutschen System sehr ähnlich ist. Ich wünsche mir, ausgehend von der chinesischen traditionellen Philosophie der „Harmonisierung zwischen Mensch und Natur“, dass diese Philosophie im Laufe des globalen Lernprozesses irgendwann in China so wie in Deutschland realisiert wird.

Abschließend möchte ich anmerken, dass mir der Workshop sehr gut gefallen hat, da durch die Gruppendiskussionen das Umweltschutzthema aus der Sicht verschiedenster Länder konkretisiert wurde.

Xiaodan Miao


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