Regionalverband

Waldbegang mit Forstamtsleiter Karl-Heinz Lieber




Am Freitag, 11.07.2008, hatte der Leiter des Forstamts im Landratsamt Heilbronn Karl-Heinz Lieber Naturschützer zu einem Waldbegang im Dornet bei Neckarsulm-Obereisesheim eingeladen, bei dem er seine Vorstellungen einer ökosystemverträglichen, naturgemäßen Waldwirtschaft vorstellte.

Lieber erteilte dem Konzept der Segregation - einerseits Naturreservate, andererseits reiner Wirtschaftsforst - eine klare Absage. Naturschutzziele müssen auch auf der gesamten bewirtschafteten Fläche verfolgt werden. Lieber zeigte, wie die Produktion von möglichst hochwertigem Wertholz die Spielräume schafft, auf derselben Fläche Biotopbäume bis zum natürlichen Verfall stehen lassen zu können, auf "Billigst-Arbeiter" und überschwere Vollernter-Maschinen zur Holzernte zu verzichten und so wirtschaftlichen Erfolg und Biodiversität miteinander zu vereinbaren. Kahl- und Räumungshiebe gehören bei diesem Konzept der Vergangenheit an. Durch gezielte
Einzelstammentnahme werden ausgewählte Stämme zu höchstmöglicher Qualität entwickelt. Es wurde deutlich, dass naturgemäße Waldwirtschaft mit dem Ziel strukturierter Mischwälder (=Dauerwald), die zugleich einen angemessenem Anteil von Biotopbäumen und Totholzstrukturen aufweisen, die Naturschutzbelange auf großer Fläche am wirkungsvollsten erfüllt.

Die Teilnehmer der Exkursion konnten Beispiele beobachten, wie die Naturverjüngung Raum greift, sobald das Kronendach dezent im Zuge der Holzernte aufgelockert wird , wie Berg- und Spitzahorn als "Schnellstarter" früh losziehen und dann doch gegenüber der Rotbuche den Kürzeren ziehen und wie Fichtenbestände durch Sturm, Klimaerwärmung und Käferbefall zunehmend in Mitleidenschaft gezogen werden und zu Störungsflächen im
Wald führen, die wiederum Ansatzpunkte sind für die Verjüngung seltener Baumarten wie Elsbeere, Speierling, Waldnuss, Kirsche etc.

Auch wenn Naturschutzziele auf der gesamten Wirtschaftsfläche weitgehend
integriert werden, ist es nach Auffassung von Herrn Lieber aber trotzdem notwendig , die Bannwaldfläche (Totalreservate) im Land zu vergrößern . Zudem wäre ein Nationalpark als großflächig zusammenhängendes Waldschutzgebiet in Baden-Württemberg erstrebenswert. Lieber könnte sich ein solches Schutzgebiet im Bereich des Biosphärenreservats Münsingen vorstellen.

"Wir Förster haben erkannt, dass wir nicht mehr allein im Wald sind", erklärte Herr Lieber gegen Ende der Veranstaltung, "wir werden von unseren Nachfolgern vermutlich ähnlich kritisch beleuchtet, wie wir unsere Vorgänger kritisch betrachten. Gerade darum wollen wir unsere Entscheidungen in breitem Konsens treffen".

Bei den Diskussionen wurde klar, dass es im Einzelfall Dissens zwischen Schutz- und Nutzerinteressen geben kann. Das Gesamtkonzept von Herrn Lieber fand aber große Zustimmung bei den Naturschützern.


Eine mächtige Buche: Künftiges Wertholz oder Biotopbaum?
Eine mächtige Buche: Künftiges Wertholz oder Biotopbaum?
  Was keimt da auf der Lichtung?
Was keimt da auf der Lichtung?
  Braucht morsches Holz: Der Juchtenkäfer
Braucht morsches Holz: Der Juchtenkäfer
 


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