Regionalverband

Straße als Lebensraum oder freie Fahrt für freie Bürger?

Vortrag von Prof. Hermann Knoflacher




Am Samstag, 17.10.2009, war Prof. Hermann Knoflacher auf Einladung der lokalen Agenda 21 in der Stadtbibliothek Heilbronn zu Gast und hielt einen beeindruckenden Vortrag. Selbst wenn er nur Stuss erzählt hätte, wäre sein Vortrag ein Erlebnis gewesen. Was er vortrug, war aber alles andere als Stuss:

Er entlarvte die Grundannahmen der Verkehrspolitik,
- die Verkehrsmenge sei eine unabhängige Größe und Querschnittserweiterungen führten zu höheren Geschwindigkeiten,
- höhere Geschwindigkeiten würden die Mobilität verbessern,
- bei uns herrsche freie Verkehrsmittelwahl
als Märchen.

Er stellte plausibel dar, dass die Verbreiterung von Straßen nur zu mehr Verkehr und damit zu neuen Staus auf höherem Niveau führt, dass die Erhöhung der Geschwindigkeiten nur zu längeren Wegen führt, aber nicht zur Verringerung der im Verkehr verbrachten Zeit, und dass die Bevorzugung des KFZ-Verkehrs die freie Verkehrsmittelwahl für wesentliche Teile der Bevölkerung empfindlich einschränkt.

Seine Forderungen sind so einleuchtend, wie sie schwierig durchzusetzen sind:
Die Plätze der Städte und Dörfer müssen den Fußgehern vorbehalten sein - Menschen mit aufrechtem Gang, die soziale Kontakte pflegen und die die Möglichkeit haben, einander gegenüber zu sitzen. Als Abstellplatz für Maschinen sind sie zu schaden. Parkplätze für Privat-KFZ müssen von den Wohnräumen getrennt werden - der Weg zur nächsten Haltestelle des ÖPNV muss kürzer und bequemer sein als zum Auto-Abstellplatz. Wenn der Raumwiderstand erhöht wird, kommen die Siedlungen der kurzen Wege zurück, mit Einkaufs-, Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten in der Nähe der Wohnung, so die sehr konkrete Vision des Siedlungs- und Verkehrsplaners aus Kärnten.

Prof. Knoflacher konnte seine - für manchen Zuhörer vielleicht radikal wirkenden - Thesen mit Praxisbeispielen belegen: So wurde in Seoul eine Stadtautobahn mit über 220 000 KFZ pro Tag zurückgebaut, ein Flüsschen freigelegt und Lebensraum für Menschen geschaffen - mit großem Erfolg. In Wien, wo die Konzepte von Knoflachers Schülern nach und nach umgesetzt werden, nimmt der KFZ-Verkehr seit Anfang des Jahrtausends ab. Die Hauptstadt Österreichs wurde kürzlich in einer Umfrage zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität der Welt gewählt.

Knoflachers Rat für Heilbronn war: Die Stadtbahn ins Umland bringen und so die Grundlage für großzügige KFZ-freie Räume schaffen. Damit die Stadtbahn aber nicht selbst zur Verlängerung der täglichen Wege und zur Trennung der Funktionen Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit beiträgt, müssen neue Wohngebiete, die entlang der Stadtbahn-Trassen geschaffen werden, möglichst autofrei sein und Straßen parallel zur Stadtbahn dürfen nicht gleichzeitig ausgebaut werden.


So wurde eingeladen:

Ein wirklicher Querdenker kommt mit Hermann Knoflacher nach Heilbronn. Als Verkehrsplaner hat er dafür gesorgt, dass wichtige Straßen Wiens zu Fußgängerzonen wurden. Mit dem „Gehzeug“ macht er plastisch deutlich, welchen großen Anteil des öffentlichen Raums ein einzelner Mensch einnimmt, wenn er ein Auto besitzt.

Die Lokale Agenda 21 lädt zu dieser Veranstaltung in die Stadtbibliothek Heilbronn ein, denn an keinem anderen Ort in Heilbronn wird die verfahrene Verkehrssituation deutlicher als an diesem: Straßen als Schneisen mit starker Lärmbelastung. Die Stadtbahn kommt, aber bleiben daneben auch alle Autos? Hermann Knoflacher wird einen maßgeblichen Impuls für das Einnehmen einer neuen und anderen Sichtweise geben, die den motorisierten Individualverkehr in seine Grenzen weist und die Straße uns allen als Lebensraum zurückgibt.

Prof. Hermann Knoflacher, 1940 in Villach (Österreich) ist Vorstand des Instituts für Straßenbau und Verkehrswesen der Technischen Universität Wien. Er hat zahlreiche Verkehrskonzepte erarbeitet und den österreichischen Verkehrsminister beraten. Er hat internationalen Forschungsgruppen im Auftrag der OECD und der WHO geleitet, zahlreiche Bücher („Zur Harmonie von Stadt und Verkehr“ ) geschrieben und mehr als 450 wissenschaftliche Publikationen vorgelegt.


Soweit der Ankündigungstext der Lokalen Agenda 21 Heilbronn. Auch beim BUND ist Prof. Knoflacher kein unbekannter - hat er doch mit seinen wegweisenden Forschungsarbeiten zum "induzierten Verkehr" maßgeblich zur von den Umweltverbänden propagierten Erkenntnis "Wer Straßen sät, wird Autos ernten!" beigetragen.

Ein Interview mit H. Knoflacher finden Sie auf den Internet-Seiten der Stadtbücherei Heilbronn:

http://stadtbuecherei.stadt-heilbronn.de/Veranstaltungen/_files/STIMME.de.pdf


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