Regionalverband

Abstellgleis - Prof. Bodack in Heilbronn







Am Donnerstag, 28.10.2010, informierte Prof. Karl-Dieter Bodack auf Einladung des Aktionsbündnisses „Heilbronner gegen Stuttgart 21“ im Heilbronner Gewerkschaftshaus über das Bahnprojekt Stuttgart 21 und seine Folgen für den öffentlichen Verkehr in Baden-Württemberg.

Prof. Bodack stellte dar, dass in einem Tiefbahnhof mit nur 8 Gleisen ein integraler Traktfahrplan unmöglich ist. Bei diesem Modell, das in der Schweiz so erfolgreich praktiziert wird, ist zu jeder Stunde an jedem Bahnhof umsteigen in jede Richtung möglich. Der Entwurf K 21 mit Modernisierung des Kopfbahnhofs würde einen Taktfahrplan erlauben, bei dem die Regionalzüge vor den Fernzügen ein- und nach den Fernzügen abfahren. Beim Tunnelbahnhof dagegen müssen die Züge die Bahnsteige so schnell räumen, dass ein Anschluss mit kurzer Übergangszeit in einer Richtung lange Wartezeiten in umgekehrter Richtung zur Folge hat. So ergeben sich beim Umsteigen aus verschiedenen Richtungen in den ICE nach Frankfurt-Fulda bei S 21 durchschnittliche Wartezeiten von 34 Minuten, bei K 21 von nur 12 Minuten. Den Umstand, dass sich durch die Annahme kurzer Aufenthaltszeiten auf dem Papier eine hohe Kapazität des Kellerbahnhofs darstellen lässt, führte Bodack mit dem Spruch „wenn Sie die Züge gar nicht mehr halten lassen, bringen Sie sogar 100 Züge pro Stunde unter“ ad absurdum.

Prof. Bodack führte weitere Schwachstellen von Stuttgart 21 auf: Tunneldurchmesser, die für die meisten Züge zu klein sind, halbierte Tunnelwandstärken, verdoppelter Abstand zwischen den Notausgängen, ein Bahnhof (am Flughafen), bei dem am ersten Gleis S-Bahnen in beiden Richtungen halten müssten und am zweiten Gleis ICEs in beiden Richtungen (wegen der
verschiedenen Höhe der Bahnsteigkante). Dies seien alles Sparmaßnahmen, um die Kosten innerhalb des Limits zu halten, die aber mehr als problematisch seien und bei Verspätungen einzelner Züge zum Chaos führten. Prof. Bodack stellte zwischen S21 und einem modernisierten Kopfbahnhof K21 Vergleiche mit einer Reihe von Kriterien an, mit für S21 vernichtendem Gesamtergebnis. Beim Kriterium Reisezeiten gäbe es zwar für gewisse Verbindungen kleine Vorteile durch S21, bei andern Verbindungen aber infolge der Unmöglichkeit des integrierten Taktfahrplans gravierende Nachteile.

Gewinn von Bauland sei auch bei K21 durch Verlegung des Verschiebebahnhofs möglich. Zudem könnten auch über Bahngleisen Gebäude errichtet werden, wie z. B. in Berlin geschehen.

Prof. Bodack zeigte Verständnis dafür, dass sich gerade die Schwaben gegen gigantische Geld- und Energieverschwendungen durch S21 auflehnten, deren er eine lange Reihe aufzählte. Es sei ungleich teurer, neue Strecken mit vielen Tunneln bauen zu wollen, anstatt vorhandene Strecken auszubauen bzw. erst einmal wieder so instand zu setzen, dass die teilweise erheblichen Zeitverluste gegenüber vor 10 Jahren beseitigt würden. Als Beispiel für eine nur auf Gewinn ausgerichtete Bahnpolitik nannte Bodack enorme Streckenstilllegungen und die Beseitigung von Ausweichgleisen, die es etwa alle 12 km gab. Nun könnten Reparaturfahrzeuge nicht mehr ausweichen, wenn ein Zug kommt, und zu reparierende Strecken müssten bei Reparaturen gesperrt werden.

Die Kosten für die Neubaustrecke Wendlingen – Ulm seien wegen des problematischen Untergrunds der Schwäbischen Alb noch gar nicht abschätzbar. Zudem sei sie wegen der großen Steigung für heutige Güterzüge nicht befahrbar und wegen der wesentlich größeren Scheitelhöhe (Höhe des höchsten Punktes) und des dadurch erforderlichen Energieaufwands ein ökologisches Desaster.

Über 150 Besucher unterbrachen den überzeugenden Vortrag mehrfach mit anhaltendem Beifall. Nach seinem Vortrag ging Prof. Bodack bereitwillig auf die vielen gestellten Fragen ein. Zur Frage nach der Erichbarkeit des Flughafens Stuttgart aus der Region Heilbronn erklärte er, Fahrzeiten von 18 min vom Hbf Stuttgart zum Flughafen seien mit Express-S-Bahn über die Gäubahn schon heute und auch mit K 21 möglich. S 21 ermögliche zwar eine Fahrzeit von 8 min, die Zeiteinsparung werde jedoch durch 5 Rolltreppen und einen mehrere hundert Meter langen Weg zum Terminal wieder aufgezehrt.

Zum Abschluss nahm sich Martin Sauter vom vcd der speziellen Auswirkungen von S21 auf die Region Heilbronn an.












Hier können Sie den Flyer als pdf-Datei herunterladen:

Download     Flyer "Abstellgleis"

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