Regionalverband

Stuttgart 21 und Heilbronn-Franken




Am Mittwoch, 24.11.2010, informierte Hans-Martin Sauter vom Verkehrsclub Deutschland (vcd) im Heilbronner Gewerkschaftshaus rund 50 Besucher über die Folgen des Bahnhofs- und Immobilienprojekts Stuttgart 21 für die Region Heilbronn-Franken.

„Stuttgart 21 saugt die Regionalverkehrsmittel auf wie ein riesiger Staubsauger“, fasste Sauter die Auswirkungen zusammen, „für dringend notwendige Verbesserungen des Schienenverkehrs in unserer Region bleibt nichts übrig“. Diesen Effekt erwartet Sauter nicht erst in der Zukunft – er hat schon mit dem Vertrag begonnen, mit dem Baden-Württemberg die DB Regio mit der Durchführung des Regionalverkehrs beauftragt hat, zu einem völlig überhöhten Preis, wie Sauter darstellt.

„Bei uns bekommt die DB Regio 8,60 € pro Zugkilometer – in Bayern fährt sie auf Strecken, bei denen sie in einer Ausschreibung um den Auftrag kämpfen musste, teilweise für 75 cent“. Das bedeutet, dass für das gleiche Geld weniger Züge fahren. Als Grund für den für das Land ungünstigen Vertrag vermutet nicht nur Hans-Martin Sauter, dass die Bahn für Stuttgart 21 günstig gestimmt werden sollte.

Der gelernte Eisenbahner zählte die gravierenden Mängel der Frankenbahn auf – von Lücken im Fahrplan über abgebaute Signale und einen eingleisigen Abschnitt, die bei Störungen regelmäßig zu Verspätungen führen, bis zu den Problemen bei der Einfahrt in den Bahnhof Würzburg. Auch die jetzt in Aussicht gestellten Verbesserungen sieht er nicht als Lösung der Probleme. Ohne Ausbau des eingleisigen Abschnitts ist ein Ein-Stunden-Takt zwar für die Regionalexpresszüge nach Würzburg möglich, aber nicht für die Regionalbahnen, die die kleineren Bahnhöfe anschließen. Die Beseitigung dieser Mängel koste keine Milliarden wie Stuttgart 21, beispielsweise lasse sich das Problem im Bahnhof Würzburg durch ein paar zusätzliche Weichen lösen. Umsonst sind die notwendigen Verbesserungen aber nicht zu haben.

Stuttgart 21 hat neben den finanziellen auch verkehrstechnische Folgen: Ein integraler Taktfahrplan, bei dem von allen Fern- in alle Regionalzüge ohne lange Wartezeiten umgestiegen werden kann und umgekehrt, lässt sich im achtgleisigen Tunnelbahnhof nicht realisieren. Dagegen betragen die Fahrzeitverkürzungen von Heilbronn nach Stuttgart, die der Durchgangsbahnhof ermöglicht, gerade zwei Minuten – vor einigen Jahren waren die Züge schon schneller.

Auch die versprochene Fahrzeitverkürzung zum Flughafen erweist sich als fragwürdig, wie Sauter darstellte: Eine Express-S-Bahn auf der Gäubahntrasse würde die Fahrgäste aus Heilbronn in 18 Minuten vom Hauptbahnhof direkt in den Flughafen bringen. Die versprochenen Direktzüge bei Stuttgart 21 sind zwar ein paar Minuten schneller, enden aber mehrere hundert Meter vom Terminal entfernt und mehrere Stockwerke tief.
Hans-Martin Sauter vollbrachte das Kunststück, seine Zuhörer zwei Stunden lang zu fesseln, ohne Visualisierungen zu verwenden. Seine profunde Sachkenntnis, seine persönliche Erfahrung im Eisenbahngeschäft, sein Engagement und der lebendige Vortragsstil machte die trockene Materie für alle anschaulich.

„Ich hätte mir gewünscht, dass jeder Repräsentant der Region, der den Aufruf für Stuttgart 21 unterschrieben hat, diesen Vortrag anhören muss“, kommentierte ein Besucher nach der Veranstaltung.


So wurde eingeladen:








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