Das Judenäule – eine Auenlandschaft entsteht am Hochrhein

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Besprechungstermin während der Bauphase im Judenäule - wie gehts weiter?

Der BUND setzt sich dafür ein, dass in Waldshut-Tiengen eine Auenlandschaft wieder entsteht, die dort vor etwa 150 Jahren nach und nach verschwunden ist. Die ehemalige Rheinaue liegt unterhalb des LONZA-Areals an der B 34 und umfasst das Judenäule, eine etwa vier Hektar große Rheininsel mit ihrem Altrheinarm sowie die begleitenden Auwälder. Schon um 1850 war auf Betreiben des badischen Wasser- und Straßenbauamts der Rheinarm zwischen Insel und Festland geschlossen worden. Mit dem Bau der LONZA-Werke 1914 und des Flusskraftwerks Albbruck-Dogern (RADAG) kamen massive Uferbefestigungen hinzu, so dass der Rheinarm nach und nach verlandete. Nur bei Hochwasser war der frühere Altrheinarm wieder mit Wasser gefüllt. Verbliebene Steuer- und Abwasserleitungen zeugen auch heute noch von der früheren Nutzung der Insel durch die LONZA.

Es war schon vor Beginn des Projekts klar, dass der mit der Instandsetzung einer Auenlandschaft verbundene Aufwand die Möglichkeiten eines lokalen Umweltverbands bei weitem übersteigt. Deshalb hatte der BUND von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit kompetenten und zuständigen Partnern gesetzt. In erster Linie war und ist dies die Gewässerdirektion Südlicher Oberrhein/Hochrhein, Bereich Waldshut-Tiengen (GWD), die in der Reaktivierung der Rheinaue Judenäule einen nützlichen Beitrag zum Hochwasserschutz sieht. Von ihr wurde auch die wasserrechtliche Genehmigung zu der geplanten Maßnahme eingeholt und die hauptsächlichen Modellierungsarbeiten im Gelände veranlasst. Der BUND hatte sich auf die Naturschutz-Aspekte der Renaturierungsmaßnahme, die Besucherlenkung und -information sowie auf die Öffentlichkeitsarbeit konzentriert. Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt von der Stiftung Naturschutzfonds aus Mitteln der Glücksspirale, von der Sparkasse Hochrhein, die eine Ausstellung in ihren Räumen ermöglichte, und vom Verein zur Erhaltung des Friedhofs Endingen-Lengnau. Der Naturschutzbund Waldshut-Tiengen (Nabu), der Landesfischereiverband Baden e.V. Freiburg, die Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege (BNL) Freiburg und das Institut für Jüdische Studien an der Uni Basel haben das Projekt mit ihrer Beratung und Sachkenntnis wesentlich unterstützt.

Was wurde erreicht?

Bereits im Winter 2002/2003 wurden die zur Nutzholzgewinnung gepflanzten, standortfremden Kanadischen Hybridpappeln aus dem ehemaligen Altrheinarm entfernt, insgesamt 5.000 Kubikmeter Sediment – hauptsächlich Schluff – ausgebaggert und als Material zum Modellieren des neuen Altrheinarms vor Ort wieder verwendet. Ein Teil des Aushubs wurde in einer Steilwand verbaut, um dort künftig dem Eisvogel als Nistmöglichkeit zu dienen. Vier seit langem nicht mehr benötigte, 45 Meter hohe Strommasten der atel wurden abmontiert und verschrottet. Auf Wunsch der Fischerei wurden Flachwasserzonen und andere Rückzugsräume für Jungfische vorgesehen. Kaum war das Grobprofil modelliert, da stellte sich in der heißen, nicht enden wollenden Sommerzeit eine üppige Vegetation, hauptsächlich von Indischem Springkraut, ein. Die Aktiven des BUND Waldshut-Tiengen waren zur Stelle, um das Springkraut zu entfernen, eine Arbeit, die wohl in den nächsten Jahren so lange wiederholt werden muss, bis sich die standorttypische Vegetation genügend behauptet haben wird.

Auf Initiative des BUND wurde eine Besucherplattform gebaut, die sich als Kreiner-Wand aus Baumstämmen und Erdreich direkt an den Hang anlehnt. Urtümlich ragen die Baumstämme aus dem Hang hervor. Das dazwischen sichtbare Erdreich dürfte bald von Pflanzen und Tieren als neues Standquartier genutzt werden. Die Plattform selbst istgroß genug, um auch Gruppen interessierter Besucher aufzunehmen. Ganz in ihrer Nähe ist eine Informationswand mit insgesamt 8 großformatigen Bildtafeln aufgestellt. Sie beantwortet das Wie und Warum der Auenrenaturierung und erläutert die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt dieser Rheinaue. An gleicher Stelle wurde ein Weidling, also ein Nachen, mit dem früher Fischer und Fährleute den Rhein befahren haben, aufgestellt und mit auetypischen Pflanzen bestückt.

Kann der Erfolg Schule machen?

So beeindruckend das Projekt vor Ort ist - vier Hektar wieder gewonnene Insel, etwa 400 Meter wieder entstandenes Umgehungsgewässer – so winzig sind dessen Ausmaße gemessen an der am Hochrhein verbauten und aufgestauten Flussstrecke. Es kommt also darauf an, ähnliche Strukturen wie am Judenäule andernorts am Hochrhein wieder entstehen zu lassen. Solche "Trittsteine" können die Lebensräume beispielsweise des Bibers vernetzen und auch dem Besucher trotz all dem unvermeidlichen Stückwerk einen Eindruck von der schützenswerten Landschaft vermitteln. Die Wutachmündung, beispielsweise, könnte gemeinsam mit dem Kadelburger Lauffen, dem ehemaligen Riedheimer Altrheinarm bei Zurzach und dem vogelreichen Gebiet der Aaremündung zu einer sehr vielfältig strukturierte Auenlandschaft am Hochrhein werden. Der BUND setzt sich deshalb gemeinsam mit der GWD und weiteren Partnern dafür ein, dass dort, wo das mit vertretbarem Aufwand möglich ist, wieder naturnahe Bereiche unmittelbar am Hochrhein entstehen. Das von der GWD erarbeitete Ökologische Gesamtkonzept Hochrhein mit seinen vielen, zu vielen Vorschlägen kann nur in kleinen, finanzierbaren Teilschritten umgesetzt werden. Deshalb sind Konzessionserneuerungen der Flusskraftwerke Albbruck-Dogern, Rheinfelden und Ryburg-Schwörstadt willkommene Anlässe, um Verbesserungen der ökologischen Situation im Staubereich der Kraftwerke zu bewirken. Der BUND nimmt in diesen Vorhaben Einfluß durch den Sitz in der Ökologischen Begleitkommissionen.

Falls Sie sich auch an der Judenäule engagieren wollen wenden Sie sich bitte an:
BUND Waldshut-Tiengen
Hans-Jürgen Bannasch
Buckmattstraße 11, 79761 Waldshut-Tiengen
Tel. 07751 / 44 79