Nun kommt Bewegung in die A 98 Trassenplanung. Die schluchseewerke wollen ihre Kavernenwerke ausbauen. Deshalb wird das Haselbecken gebaut - die vorgeschlagenen nördlichen Varianten der A 98 um Bad Säckingen sind dadurch vom Tisch. Dies wirkt isch auf die Trassenplanung zwischen Wehr und Karsau aus. Die Planungen der A 98 werden immer fraglicher. In dieser Pressemitteilungen möchten wir ihnen erläutern, warum der sich Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen die A 98 ausspricht und in einer optimierten B 34 die bessere Alternative für die Ortschaften sieht.
14.10.2008
BUND: Hochrhein-Autobahn
A 98-Pläne stoppen,
B 34 landschaftsverträglich ausbauen
Chance für den Naturschutz: Landesregierung kann jetzt am Hochrhein die eigenen Nachhaltigkeitsziele umsetzen
Rheinfelden. Bundesstraße statt Autobahn: Die Trassenplanung der Autobahn A 98 wird immer absurder. Aufgrund der aktuellen Erweiterungspläne der Schluchseewerke sind die nördlichen Varianten um Bad Säckingen bereits vom Tisch. Auf seiner heutigen Pressekonferenz hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) deshalb dafür plädiert, die A 98-Pläne endgültig zu stoppen und stattdessen die Bundesstraße 34 zu optimieren. „Die geplante A 98 ist keine vollständige Autobahn, sie bleibt ein Torso. Dieses Stückwerk wird den Ortschaften weder Verkehrsentlastung bringen, noch wird es den Transitverkehr erleichtern“, erklärte die baden-württembergische BUND-Landesvorsitzende, Dr. Brigitte Dahlbender. Statt positiver Auswirkungen werde es nur zerstörte Lebensräume für Pflanzen und Tiere sowie verbaute Flächen geben. „Die A 98-Pläne stehen im krassen Widerspruch zu den aktuellen Vorgaben der Landesregierung für den Naturschutz: dem Umweltplan, der Nachhaltigkeitsstrategie und dem Beitritt des Landes bei der ‚Countdown 2010-Initiative’. Jetzt steht die Glaubwürdigkeit der Landesregierung auf dem Spiel. Wenn Ministerpräsident Günther Oettinger es ernst mit dem Naturschutz meint, muss er es nun beweisen. Er muss sich dafür einsetzen, dass auch die Verkehrswege flächensparend geplant werden und großräumige Naturräume von Verkehrswegen verschont bleiben. Vor diesem Hintergrund heißt die Lösung am Hochrhein: Entsorgen Sie die Pläne für eine Bergtrasse der A 98 und beginnen Sie mit einem landschaftsverträglichen Ausbau entlang der B 34“, betonte Dahlbender. Der BUND-Regionalgeschäftsführer Hochrhein, Ulrich Faigle, ergänzte: „Entlang des Hochrheins ist der Zug auf deutscher Seite das schnellste Verkehrsmittel. Hier sollte die Häufigkeit der Verbindung erhöht und weiter in die Morgen- und Abendstunden ausgedehnt werden.“ Auch müsse die Hochrheinbahn elektrifiziert und vollständig zweigleisig ausgebaut werden.
Der BUND weist auch darauf hin, dass eine überregionale Autobahntransit-Verbindung vom Rhein bis in den Münchener Raum heute nicht mehr aktuell ist. Der Plan einer Autobahn entlang des Bodensees wurde schon in den frühen 80er Jahren gestoppt. „Am Hochrhein endet die Trasse der A 98 spätestens bei Lauchringen buchstäblich im Acker“, erklärte Faigle. Eine Weiterführung der A 98 zur Anbindung an die A 81 bei Singen ist nicht möglich, ohne dass Schweizer Territorium in Anspruch genommen wird. Der Kanton Schaffhausen hat die Fortführung der Autobahn bereits abgelehnt. Zur geplanten A 98 Trasse liegt in wenigen Kilometern Entfernung eine parallele Autobahn in der Schweiz. Ein Parallelausbau ist weder im Sinne der Steuerzahler noch im Sinne des Naturschutzes. Denn der Bau der A 98 würde zahlreiche Lebensräume zerstören: Allein beim Bauabschnitt zwischen Rheinfelden und Bad Säckingen würde in 223,88 Hektar Fläche eingegriffen. 25,92 ha Fläche müssten vollständig versiegelt werden. Der Bau der A 98 würde Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiete vernichten und geschützte Biotope im Bereich Humbel, Wallbach und bei Obersäckingen. Der Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen mit höchster Bodenqualität auf dem Whyler wäre enorm. Dahlbender. „In Zeiten europaweiter Verkehrskonzepte und internationaler Planungsrichtlinien im Verkehr braucht der Hochrhein grenzüberschreitende Lösungen.“
Mit der A 98 als Bergtrasse wird die Verkehrsproblematik in den Städten und Gemeinden am Hochrhein nicht gelöst. Nur 12–19 Prozent des heutigen Straßenverkehrs sind überregional. Der überwiegende Teil des Verkehrs ist regional geprägt und bewegt sich als Ziel- und Quellverkehr zwischen den Städten am Hochrhein und Hotzenwald/Dinkelberg. Dieser wird sich auch künftig hauptsächlich auf den talnahen kürzeren Strecken bewegen. So entfällt eine unverzichtbare Grundlage der Argumentation für den Bau der Autobahn. Eine solche würde, so der BUND, höchstens neuen Verkehr generieren und damit zu mehr Lärm und Luftverschmutzung in der gesamten Region führen.
Die Pressemitteilung enthält 4165 Zeichen (mit Leerzeichen).
Für Rückfragen:
Ulrich
Faigle, BUND-Regionalgeschäftsführer Hochrhein, Fon: 07623 / 62870;
Mobil: 0160 / 4933925; bund.hochrhein@bund.net
Einen unendliche Geschichte ohne Happy End
Pressetext des BUND-Hochrhein zur Planfeststellung des Abschnittes Karsau-Wehr:
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit seinen Gruppen vor Ort ist in seiner fast hundertseitigen Stellungnahme detailliert auf die Planfeststellungsunterlagen eingegangen. Hierbei wurden einzelne Planungspunkte kritisiert und Verbesserungen vorgeschlagen. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus den BUND-Gruppen und Mitgliedern der betroffenen Orte Wehr, Bad Säckingen und Rheinfelden zusammen und wird durch Biologen, den BUND Landesverband Baden Württemberg und einer Rechtsberatung unterstützt. Somit war es möglich die insgesamt 14 Ordner der Planfeststellung auf Umwelt- und Naturschutzbelange zu untersuchen.
Den vorliegenden Entwurf vom 25.06.2007 der Planfeststellung des Bauabschnitts A 98.5 Karsau-Wehr der Hochrheinautobahn A 98 Weil am Rhein-Waldshut lehnt der BUND ab.
Der BUND kritisiert die nicht fundierte Ausführung im naturschutzfachlichen Bereich und in den Belangen des Umweltschutzes. Zur Verkehrsituation, zum Verfahren, zum Bau, zur Trassenführung, zum Schutz der Natur, zu den Eingriffen und zu den Ausgleichsmaßnahmen hat der BUND folgende Punkte vorzubringen.
1. Durch die längsgeteilte Dringlichkeit wird die geringe Bedeutung als Fernverkehrsverbindung deutlich offen gelegt. Mit der Autobahn 98 wird die Verkehrsproblematik am Hochrhein nicht gelöst. Der BUND lehnt die Weiterführung der A 98 von Rheinfelden-Karsau-Wehr auf der Bergtrasse ab. Der BUND fordert die Große Talvariante oder den dreispurigen Ausbau der B 34 als generelle Planungsalternativen mit der weiträumigen Umfahrung der Städte und Ortschaften im Rheintal, als konkrete naturschutzverträgliche Variante zur Autobahnplanung.
2. Der vorgesehene Bau führt zur Durchschneidung und Zerstörung von FFH-Gebieten, zur Zerstörung von amtlich geschützten Biotopen und einem Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen. Die Trasse durchtrennt und zerstört die Dinkelberglandschaft. Dieser Eingriff kann nicht ausgeglichen werden.
3. Vom Dinkelberg über das Gebiet zwischen Lachengraben und Wehradelta zum Rhein befindet sich ein überregional bedeutsamer Wildkorridor, der über den Rhein in die Schweiz reicht.
4. Ausgleichsmaßnahmen sollen hauptsächlich auf schon hochwertigen Naturschutzflächen durchgeführt werden, dies ist fachlich ungeeignet und wird abgelehnt. Innerhalb des Landschaftspflegerischen Begleitplans sind Ausgleichsmaßnahmen vorgeschlagen, die entweder schon bei anderen Projekten als Ausgleichsmaßnahmen vorgeschlagen sind, oder Maßnahmen, die teilweise bereits vor Jahren umgesetzt wurden.
5. Die Bergvariante schneidet in fast allen Umweltbelangen schlechter ab als die anderen Varianten. Insbesondere hat sie die kürzeste Tunnelstrecke, den größten Flächenverbrauch und die größten Eingriffe in FFH-Gebiete. Deshalb lehnt der BUND die Trassenwahl ab.
6. Die Planfeststellung und die Bevorzugung der Bergstrasse ist rechtswidrig, weil dies dem gesetzlichen Auftrag des Bundesverkehrswegeplans 2003 "Vorhaben mit besonderem naturschutzfachlichem Planungsauftrag" widerspricht. Es ist nicht zu erkennen, dass dieser naturschutzfachliche Planungsauftrag in fachlich korrekter Weise abgearbeitet wurde. Hier verweisen wir auf den Fachbeitrag FFH.
7. Die vorliegende Planung baut ausweislich der Planunterlagen auf eine Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) auf, die im Jahr 1996 erstellt wurde. Sowohl entsprechend den allgemein üblichen Planungsgrundsätzen als auch gemäß dem gesunden Menschenverstand ist diese Studie inzwischen so sehr veraltet, dass sie untauglich ist, darauf eine rechtssichere Planung zu begründen. Insbesondere im Hinblick auf die Berücksichtigung gemeinschaftlichen Rechtes (FFH-Richtlinie und Vogelschutzrichtlinie) ist die im Jahr 1996 erstellte UVS inhaltlich völlig unzureichend, da die beiden vorgenannten europäischen Richtlinien in der UVS 1996 völlig unberücksichtigt geblieben sind. Insbesondere die Auswahl und Abwägung möglicher Trassenalternativen wurde im Rahmen der UVS 1996 nicht in Bezug auf die gemeinschaftsrechtlichen Anforderungen der FFH-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie berücksichtigt. Dies war zu dem damaligen Zeitpunkt alleine schon deshalb nicht möglich, weil die derzeitige Kulisse an FFH-Gebieten und potentiellen Vogelschutzgebieten zum damaligen Zeitpunkt noch unbekannt war.
Das Vorhaben des Neu- bzw. Weiterbaus der A 98 ist daher alleine schon deshalb aus Sicht des hier einschlägigen europäischen Naturschutzrechts nicht genehmigungsfähig.
8. Außerdem wird durch die Trassenwahl der A98 als „Bergtrasse“ zusätzlicher Verkehr generiert, durch längere Wege zu den Auffahrten und Abfahrten der A98, der sich zwangsweise auf dem bisher vorhandenen Straßennetz bewegen muss. Aus diesem Grund favorisiert der BUND eine Taltrasse mit kürzeren Anbindungen und kürzeren Wegen.
9. Der BUND fordert ein umfassendes Verkehrskonzept am Hochrhein und als Projektalternative den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, sowie im speziellen eine Ausweitung des Personenverkehrs auf der Hochrheintalbahnstrecke mit Anbindung nach Osten in den Münchener Raum nach Westen über Basel an den Fernverkehr. Diese Ausweitung muss auch und vor allem in den Nachtstunden sein, um eine zusätzliche Entlastung der Verkehrsstraßen zu erreichen.
Für den BUND ist nicht schlüssig dargestellt, weshalb die Bergtrasse den sonstigen Varianten vorgezogen wird. Vor allem wurden Achsen/Varianten die in der UVS von 1996 aus uns nicht ersichtlichem Grund nicht vorgestellt, betrachtet und untersucht. Weitere Varianten einer oben genannten Großen Talvariante sind zu untersuchen.
In der UVS von 1996 schnitt eine Achse 2 in vielen Belangen eindeutig positiver ab als die Bergtrasse. Diese Varianten/Achsenprüfung ist wieder aufzunehmen und zu modifizieren aufgrund der FFH –Gebiete. Dabei sind auch die faktischen FFH-Gebiete am Hollwanger Wald zu beachten. Der BUND schlägt eine Trassenvariante südwestlich der Variante 2, die die Trasse der B 34 zwischen Riedmatt und Schwörstadt nutzt, zur vertieften Prüfung vor.
Vorgeschichte
Zur Verbesserung
der Verkehrsinfrastruktur für die heimische Wirtschaft und zur
Entlastung der Bürger an der B 34 wird seit 40 Jahren der Bau einer
Autobahn gefordert. Der BUND hat eine Autobahnlösung von jeher
abgelehnt:
Der Hauptverkehr auf der B 34 ist Ziel- und Quellverkehr. Eine
Autobahn bringt dafür keine Lösung, weder für die Verkehrsteilnehmer,
noch für die vom Durchgangsverkehr geplagte Bevölkerung. Im Gegenteil,
eine Autobahn zieht zusätzlichen Verkehr an und schafft damit auch
zusätzliche Belastungen.
Die Planungskriterien für Autobahnen ( z.B. Steigungen,
Kurvenradien) sind nicht flexibel genug, um die Trasse in die sensible
Hochrheinlandschaft einzupassen, das Landschaftsbild wird zerstört, die
ökologischen Auswirkungen kaum abschätzbar.
Die Autobahn wird von der Schweiz nicht abgenommen, es entsteht ein Torso, eine Sackgassenautobahn.
Die Kosten für eine Autobahn durch die Hochrheinregion sind auf
Grund der Besiedlungs- und Geländestruktur überdurchschnittlich hoch.
Berücksichtigt man dazu die aktuellen und prognostizierten
Verkehrsfrequenzen, ist eine A-Lösung in Konkurrenz zu anderen
Bundesfernstraßenvorhaben politisch nicht durchsetzbar.
Um zeitnahe und nach Möglichkeit ökologisch vertretbare Lösungen zu
finden, hat sich der BUND immer für den Ausbau der B 34 mit
Ortsumfahrungen ausgesprochen, wohl wissend, dass auch dies nicht ohne
hohe Anforderungen an Planung und Kosten machbar ist.
Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte bestätigt unsere
Haltung. Nach der Prognose der Befürworter einer Hochrheinautobahn
müsste heute bereits eine durchgehend einbahnig fertig gestellte Trasse
von Rheinfelden bis zum Anschluss an die B 314 bei Lauchringen dem
Verkehr zur Verfügung stehen. Weit gefehlt - gerade einmal ca. 10 km
einer halben Autobahn sind gebaut und die Umfahrung von Laufenburg ist
erst planfestgestellt und könnte nun bei entsprechender Mittelzuweisung
gebaut werden.
Die Planungsbehörde, das Regierungspräsidium (RP) in Freiburg,
ist zurzeit damit beschäftigt, für die noch fehlenden Teilabschnitte
die Planfeststellung vorzubereiten. Für den Abschnitt Hauenstein –
Tiengen-West wurde eine Arbeitsgruppe mit beratender Funktion gebildet,
in der auch die BUND-Ortsgruppen Albbruck, Dogern und Waldshut-Tiengen
Anregungen und Bedenken bei der Trassendiskussion einbringen können.
Nichts Halbes und nichts Ganzes
Die BUND-Ortsgruppen sind sich einig. Nur die ökologisch schonendste Variante für Mensch und Natur kann in Frage kommen und das ist nach derzeitigem Kenntnisstand eindeutig eine Talvariante unter Einbeziehung der vorhandenen B 34 und der Untertunnelung von Waldshut. Momentan ist noch nicht erkennbar, dass sich die Planer im RP eine solche Lösung zu Eigen machen. Für die A 98 gilt die so genannte „längsgeteilte Dringlichkeit“, d.h. die Planung für die Trassenführung berücksichtigt einen Vollausbau, umgesetzt werden muss aber nur eine Bahn. Aus diesem Grund ist die A 98 auch nur mit einer Bahn im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Für einen Vollausbau gibt es keine realistische Perspektive, aber eine bereits vor Jahrzehnten genehmigte Linienführung für eine zu planende Bergtrasse. Für den Bau einer Bergtrasse sprechen außerdem, so wird behauptet, die wesentlich höheren Kosten einer Talvariante.
Aus dem Angeführten ergeben sich folgende Konsequenzen:
Die
momentane Planung geht von falschen Voraussetzungen aus, die A 98 ist
in Wirklichkeit nur eine überdimensionierte Bundesstraße, die an der B
314 endet.
Nur wenn sich diese Auffassung durchsetzt, hat nach der
Überzeugung der BUND-Aktiven eine Taltrasse zwischen Hauenstein und
Tiengen West eine Chance auf Verwirklichung.
