Eisenbahnknoten Basel: Umweltverträglich in die Zukunft

Umweltverbände aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz legen gemeinsame Position vor

5. Oktober 2004 Basel, Strasbourg, Stuttgart. Spätestens nach Eröffnung der neuen Alpentunnel am Lötschberg (2007) und Gotthard (2015) stößt der internationale Güterverkehr auf der Schiene im Großraum Basel an seine Kapazitätsgrenzen. Für diesen Engpass muss eine umweltverträgliche Lösung gefunden werden. Das grenzüberschreitende Bündnis der Umweltverbände, bestehend aus Alsace Nature, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie Verkehrs-Club der Schweiz (VCS), hat heute auf einer Pressekonferenz in Basel seine gemeinsame Position vorgelegt. Die Umweltverbände fordern eine angemessene Einbindung in die Planung für den Eisenbahnknoten Basel. Für eine nachhaltige Bewältigung des Verkehrsproblems müsse der Güterverkehr auf der Schiene deutlich gestärkt werden. Voraussetzung dafür sei ein leistungsfähiges Schienennetz, das in allen Regionen gleichwertige Umweltstandards einhalte. Vor allem dem Lärmschutz müsse bei der Planung eine hohe Priorität eingeräumt werden.

„Der Güterverkehr gehört zu den Hauptverursachern des Klimawandels. Im Vergleich zum Lkw ist ein Güterzug über fünfmal klimafreundlicher. Mehr Güterverkehr auf die Schiene, das ist die zentrale Herausforderung für die Zukunft“, forderte deshalb Klaus-Peter Gussfeld, Verkehrsreferent des BUND, für das internationale Bündnis der Umweltverbände. Für die Realisierung werde ein leistungsfähiges Schienennetz benötigt. Vor allem im Raum Basel müsse das Schienennetz ausgebaut werden. Dabei sollten alle Varianten auf beiden Rheinseiten überprüft werden. „Nicht nur der Schienenbypass am Hochrhein, wie ihn die nationalen Bahngesellschaften favorisieren, ist eine denkbare Lösung. Auch die westliche und östliche Umfahrung von Basel sowie großräumigere Lösungen in Frankreich müssen vorurteilsfrei untersucht werden“, erläuterte Michel Dubromel von Alsace Nature. Grundlage für alle Varianten müsse ein grenzüberschreitendes und ergebnisoffenes Planungsverfahren mit einer vorgeschalteten Umweltverträglichkeitsprüfung sein.

Aufgrund der internationalen Bedeutung müssten die politischen und bürgerschaftlichen Vertreter der Regionen intensiv an der Diskussion beteiligt werden. Der jüngst eingerichtete trinationale Lenkungsausschuss auf Ministeriumsebene sei ein Schritt in die richtige Richtung; allerdings – so kritisierte das Bündnis – seien die Umweltverbände bislang nur unzureichend daran beteiligt worden. „Zwischen den beteiligten Staaten müssen verbindliche Regelungen erarbeitet und die jeweils strengsten nationalen Richt- oder Grenzwerte für den Umweltschutz zugrunde gelegt werden. Auszuschließen ist dabei, dass mögliche Varianten aufgrund geringerer Umweltstandards und damit niedrigerer Kosten bevorzugt werden“, betonte Nicole Staub vom VCS. Die Umweltverbände sprachen sich für einen fairen Lastenausgleich aus – dafür müsse man eine trilaterale Finanzierung der Umweltmehrkosten in Erwägung ziehen.

Die ausgewählte Schienen-Variante müsse lärmtechnisch optimiert werden, betonten die Umweltverbände. Unverzichtbare Eckpunkte für eine hohe Akzeptanz des Ausbaus seien ein optimaler Lärmschutz bei Neu- und Ausbaustrecken, die Lärmsanierung bestehender Schienen sowie die lärmvermeidende Umrüstung sämtlicher Güterwagen. Die Umweltverbände lobten die Schweiz als gutes Vorbild und fordern Deutschland und Frankreich auf, diesem guten Beispiel zu folgen.

Klaus-Peter Gussfeld, Verkehrsreferent
BUND-Landesgeschäftsstelle
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Verkehrsinfarkt am Hochrhein?

Das Jahr 2003 war geprägt von Diskussionen über den Verkehr am Hochrhein. Die Diskussion über den Weiterbau der A98 von Rheinfelden wurde mit dem neuen Bundesverkehrswegeplan wieder aufgewärmt. So soll die A98 die einzige neue Autobahn sein, die in Baden-Württemberg komplett neu gebaut wird und das fast in Sichtweite parallel zur A3 in der Schweiz. Sie soll von Rheinfelden bis nach Waldshut im Hangbereich des Dinkelbergs und des Hotzenwalds mit riesigen Eingriffen in den Hang, Tunnels und Brücken gebaut werden. Zum anderen wurden Pläne zum Ausbau der Eisenbahnstrecke am Hochrhein bekannt, mit der hauptsächlich Güterverkehr abgewickelt werden soll. Die Diskussion um die Zunahme des Güterverkehrs wird intensiv in den betroffenen Orten zwischen Basel und Bad Säckingen diskutiert und mündete in Bürgerinitiativen gegen den Bau des sogenannten „Bypass Basel“.

Dazu veranstaltete der BUND Hochrhein eine Podiumsdiskussion zum Thema A98 und Bahnbypass Basel. Die Veranstaltung fand am 13. Juni 2003 in der Volkshochschule Rheinfelden unter dem Titel „Verkehrsinfarkt am Hochrhein?“ statt. Auf der Podiumsdiskussion sprachen die SPD Bundestagsabgeordnete Karin Rehbock-Zureich, BUND Verkehrsreferent Klaus Peter Gussfeld und Matthias Zimmermann vom Verkehrsclub Schweiz (VCS). Karin Rehbock-Zureich ist die stellvertretende verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion und ist bundesweit mit den Verkehrsplanungen befasst. Sie ist Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Waldshut. Klaus Peter Gussfeld ist der Verkehrsreferent des BUND in Baden-Württemberg und beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Verkehrs im Land. Als Freiburger ist er kundig über die Verkehrsproblematik am Hochrhein. Matthias Zimmermann ist Zentralpräsident des Verkehrsclub Schweiz (VCS), eines Verkehrsverbands aus der Schweiz. Der Liestaler ist von 1996 bis 2002 Vorsitzender des Europäischen Verbandes für Verkehr und Umwelt gewesen. Der Transitverkehr durch die Schweiz und die Regelung dieses Verkehrs sind im VCS wichtige Arbeitsschwerpunkte.

Beleuchtet wurden aus Schweizer und deutscher Sicht die Entwicklungen beidseits des Rheins. Die Verkehrsentwicklung, Lösungen für die Region und die politischen Rahmenbedingungen sind Inhalte der Veranstaltung gewesen. Neben der Podiumsdiskussion gab es eine offene und lebhafte Diskussion zu der Verkehrsproblematik am Hochrhein. Das Thema Verkehr wird am Hoch- und Oberrhein zu einem drängenden Problem. Schadstoffemissionen und Landschaftsverbrauch sind Auswirkungen des Verkehrs. Für die Anwohner an den Verkehrswegen ist jedoch zunehmend die persönliche Betroffenheit, durch Lärm und Zerstörung der Naherholungsgebiete und des Wohnumfelds wichtig. In dem dicht besiedelten Raum entlang des Rheins um Basel führt dies zu Konflikten. Zumal die Region vom Rand der Bundesrepublik in die Mitte Europas rückt, zumindest in Sachen Verkehr. Dies zeigt sich in den langen LKW-Staus vor dem Grenzübergang Basel, dem Bypass Basel als Autobahn 98 und 861 sowie auf der Schiene. Der hohe Stellenwert der Mobilität und des Warenaustausches innerhalb Europas zeigt sich im erwarteten Verkehrsaufkommen, das auch die Region Hochrhein nicht verschonen wird.