BUND Kreis Höxter

Der Frauenschuh ist Orchidee des Jahres 2010

Die Arbeitskreise Heimische Orchideen (AHO) haben den Frauenschuh zur Orchidee des Jahres 2010 gewählt. Damit kommt die wohl spektakulärste heimische Orchidee nach 1996 bereits zum zweiten Mal zu dieser hohen Ehre.

Der Gelbe Frauenschuh, wissenschaftlich Cypripedium calceolus, wächst vor allem in lichten Wäldern und bevorzugt kalkhaltige Böden. Deutschland liegt im Hauptverbreitungsareal der Art, das sich über weite Teile Europas und Asiens erstreckt. Weltweit gibt es rund 50 weitere Frauenschuharten. In der bundesweiten Roten Liste ist der bundesweit als „gefährdet“ (Kategorie 3) eingestuft, regional ist die Gefährdung oft deutlich größer. Die größten Vorkommen gibt es noch in den alpinen und Mittelgebirgsregionen von Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen und Niedersachsen.



Der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) ist Orchidee des Jahres 2010 (Foto: F. Grawe).


Verführerische Insektenfalle

Frauenschuhe werden bis zu 60 Zentimeter hoch und blühen im Mai und Juni. Der namengebende Schuh, der pantoffelförmige Blüten-Vorderteil ist eine Kesselfalle. Ein dünner Ölfilm an den Rändern sorgt dafür, dass angelockte Insekten kaum Halt finden und ins Schuh-Innere abgleiten. Der einzig sichere Weg nach draußen führt an der Blütennarbe vorbei, so dass im Vorbeigehen automatisch die Pflanze bestäuben.

Als Pflanze mit besonderen Ansprüchen an ihren Lebensraum ist der Frauenschuh europaweit geschützt. In der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union wird er in der Liste der sogenannten prioritären Arten aufgeführt, für die besondere Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen. Während in der Vergangenheit das Ausgraben der Pflanzen durch Sammler und Händler ein wesentlicher Gefährdungsfaktor war, leidet der Frauenschuh heute vor allem an Verschattung durch immer dichter werdende Wälder und die Aufgabe traditioneller Waldnutzungsformen.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite des AK Heimische Orchideen Bayern - Frauenschuh - Orchidee des Jahres 2010.



Das Männliches Knabenkraut ist Orchidee des Jahres 2009

Diese im zeitigen Frühjahr blühende Orchidee wurde von den Arbeitskreisen Heimische Orchideen (AHO) als Orchidee des Jahres 2009 benannt, um nicht nur auf die Schönheit dieser Art aufmerksam zu machen, sondern auch zum Schutz der Pflanzen und den Erhalt ihrer Lebensräume aufzurufen.

Die stattliche Pflanze hat ihren Namen aufgrund ihrer kräftigen Wuchsform erhalten, was sich auch in ihrem lateinischen Namen Orchis mascula L., ausdrückt. Sie wird deshalb auch Männliches bzw. Stattliches Knabenkraut genannt. Die kräftigen Rosettenblätter können ungefleckt sein; meistens sind sie aber grob dunkel purpurrot gefleckt oder punktförmig gesprenkelt. Der Stängel wird meistens 20 bis 50 cm hoch, bei günstigem Standort auch bis 70 cm. Der Blütenstand ist mit 10 bis 30 mittelgroßen Blüten besetzt, die in allen Farbschattierungen zwischen rosa und purpurrot gefärbt sind, selten auch reinweiß. Die Lippe ist am Grunde heller und mit punkt-, strich- oder fleckenartigen Pigmentierungen besetzt. Die Kronblätter bilden einen Helm; die Lippe ist ausgebreitet und dreilappig, der Mittellappen vorgezogen. Der zylindrische Sporn ist stumpf und schräg aufwärts gerichtet.



Männliches (Stattliches) Knabenkraut (Orchis mascula L.)


Die Art ist in den Mittelgebirgen weit verbreitet und blüht ab Ende April bis Ende Mai. In einigen Bundesländern sind die Bestände bedroht. Die Art bevorzugt magere Wiesen und lichte Wälder, wobei sie sowohl feuchte Standorte als auch Halbrockenrasen besiedelt. Oft findet man sie an Gebüsch- und Waldrändern trockenwarmer Biotope, sowohl auf schwach sauren als auch wie auf kalkhaltigen Böden. In Deutschland bildet sie Hybriden mit dem Bleichen Knabenkraut, mit dem sie auf kalkhaltigen Böden gemeinsam vorkommen kann.

Da die Art sehr unterschiedliche Biotope besiedelt, ist keine generelle Gefährdung gegeben, auch wenn viele Wuchsorte in der Vergangenheit durch eine Intensivierung der Landwirtschaft erloschen sind. Wenn beispielsweise eine extensive Beweidung aufgegeben wird, muss ersatzweise eine regelmäßige Mahd erfolgen und das Schnittgut entfernt werden, um einen übermäßigen Stickstoffeintrag zu vermeiden.

Faltblatt (Flyer): Orchis mascula - Orchidee des Jahres 2009 (pdf).



Orchidee des Jahres 2008 – Übersehene Knabenkraut

Die Arbeitskreise Heimische Orchideen (AHO) haben das Übersehene Knaben-kraut (Dactylorhiza praetermissa) zur Orchidee des Jahres 2008 gewählt. Übersehen kann man die Pflanze kaum, denn mit bis zu 70 Zentimetern Wuchshöhe ist sie eine der stattlichen der heimischen Orchideen.

Bei der Orchidee des Jahrs 2008 handelt es sich um eine Zwillingsart des Torf-Knabenkrautes (Dactylorhiza sphangnicola). Beide kommen in einem fast identischen Gebiet des vom atlantischen Meeresklima bestimmten Westeuropa vor, von Südengland über Teile Frankreichs, die Beneluxstaaten bis in den äußersten Westen und Nord-westen Deutschlands sowie Dänemark. Während das Torf-Knabenkraut auf sauren Mooren gedeiht, mag es das Übersehene Knabenkraut zwar ebenfalls feucht und nährstoffarm, doch müssen die Verhältnisse kalkreich sein. Es wächst deshalb auf Kalkflachmooren ebenso wie auf Nasswiesen, Dünensenken und Großseggensümpfen.

Die Laubblätter von Dactylorhiza praetermissa sind entweder rein grün oder wie bei der Unterart junialis mit ringförmigen Flecken versehen. Im Juni bildet das Übersehene Knabenkraut einen bis 60, manchmal auch 80 rosafarbene oder blassviolettpurpurne Einzelblüten starken, zylindrischen Blütenstand aus. Der Blütensporn ist in der Regel höchstens so lang wie die mit dunkelroten Punkten oder kurzen Strichen versehene Blütenlippe, während er beim Torf-Knabenkraut deutlich länger ist.

Da das Übersehene Knabenkraut in Westdeutschland den Rand seines Areals erreicht, ist es bei uns schon von Natur aus selten. Dazu kommt die Zerstörung geeigneter Biotope durch Entwässerung, Überdüngung oder Verbuschung. Die wenigen noch vorhandenen Wuchsorte sind deshalb dringend schutzbedürftig. Wie viele Orchideen neigt Dactylorhiza praetermissa zur Hybridisierung, sie pflanzt sich also mit anderen Arten fort, vor allem mit dem Gepfleckten Knabenkraut (Dactylorhiza maculata). Botaniker stellten fest, dass sich gerade am Rand des Verbreitungsgebietes Mischformen beider Arten bilden und dabei die eigentliche Dactylorhiza praetermissa verdrängen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.orchids.de.



Breitblättrige Stendelwurz - Orchidee 2006


Breitblättrige Stendelwurz
Die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine), auch Breitblättrige Sumpfwurz genannt, gehört zur Gattung der Stendelwurzen (Epipactis) in der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Der bis heute gültige Name Epipactis als Orchideengattung wurde im Jahre 1757 von Johann Gottfried Zinn, einem Professor der Botanik in Göttingen aufgestellt.

Der heute gebräuchliche deutsche Name: Breitblättrige Stendelwurz ist eine wörtliche Übersetzung eines früheren Synonyms dieser Orchideenart (Epipactis latifolia (L.) All. 1785).


Die Pflanze ist in ihrem Bestand in Deutschland noch weitgehend ungefährdet. Seit den 1970er Jahren ist jedoch ein Rückgang der Vorkommen feststellbar. Um auf diesen Umstand hin zu weisen, wurde die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine) von den Arbeitskreisen Heimische Orchideen (AHO) zur Orchidee des Jahres 2006 gekürt.

Die Orchidee wächst in Europa, Asien und Nordafrika, als Neophyt auch in Nordamerika. Die Pflanze wächst oft an Waldrändern und Lichtungen, da sie lichte bis halbschattige Wuchsorte bevorzugt. Gegenüber dem Kalkgehalt des Bodens ist die Pflanze bis zu einem gewissen Grad anspruchslos. Sie toleriert zwar in seltenen Fällen kalkfreie Böden, kommt aber in Regionen mit solchen Böden hauptsächlich nahe oder direkt an Waldwegen mit Kalkschotterauflage vor.


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