BUND Kreis HöxterDer Dachs ist (Wild-)Tier des Jahres 2010Auch wenn er in vielen Regionen Deutschlands weit verbreitet ist, seine Bauten in kaum einem Wald fehlen, haben den nachtaktiven Dachs wohl nur die wenigsten Naturfreunde schon leibhaftig zu Gesicht bekommen. Viele kennen ihn bestenfalls ausgestopft oder von den weichen Rasierpinseln, deren Haar allerdings meist aus asiatischen Dachszuchten stammt. Um den Dachs bekannter zu machen, hat ihn die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi) nun zum „Tier des Jahres 2010“ ausgerufen.Mit 80 bis 90 Zentimetern vom Kopf bis zur Schwanzspitze ist der grau gefärbte Dachs mit den typischen schwarzen Gesichtsstreifen nicht viel größer als der Rotfuchs. Der Körperbau von Meister Grimbart ist aber breiter und gedrungener als bei Reineke und so bringen gut genährte männliche Dachse bis zu 15 oder gar 20 Kilogramm auf die Waage, während Füchse nur auf sieben Kilo kommen. ![]() Der Dachs (Meles meles) ist (Wild-)Tier des Jahres 2010 (Foto: Rolf Jürgens). Dachse leben vorzugsweise in Laub- und Mischwäldern, kommen aber auch in Parks und in heckenreichen Feldfluren vor. Wichtig für die Höhlenbauer ist der Boden, felsiger Untergrund oder lockerer Sand sind ebenso ungeeignet wie grundwasser- oder überflutungsgefährdete Regionen. Dachse haben an den Vorderpfoten lange Klauen, mit denen sie hervorragend graben können. Unterirdische Mehrfamilienhäuser Bis zu fünf Meter tief reichen die über mehrere Eingänge zugänglichen Wohnkessel. Im Laufe der Zeit werden die unterirdischen Wohnungen von Dachsgeneration zu Dachsgeneration erweitert, so dass das System hunderte Meter lange Gänge und zig Wohnkessel umfassen kann. Neben mehreren Dachsfamilien finden dann auch Füchse im Dachsbau Platz. Fast wäre dem Dachs die enge Verbindung mit dem Fuchs zum Verhängnis geworden. Als in den 70er Jahren zur Tollwutbekämpfung allerorten Fuchsbauten vergast wurden, fielen dem auch viele Dachse zum Opfer. Inzwischen haben sich die Dachse aber nicht nur in Deutschland wieder gut erholt. Unser heimischer Dachs mit dem wissenschaftlichen Namen Meles meles besiedelt das gesamte europäische Festland bis zum Polarkreis, außerdem die gemäßigten Breiten Asiens bis nach Japan. Synchronisierte Geburt im März Zoologisch betrachtet, ist der Dachs der größte unserer heimischen Marder. Im Februar oder März bringt die Dächsin bis zu fünf Junge zur Welt, meist sind es zwei. Die Tragezeit ist unterschiedlich lang, denn je nach Zeitpunkt der Empfängnis tritt eine sogenannte Keimruhe ein, so dass am Ende der Nachwuchs bei allen Dachsen exakt zur „richtigen“ Jahreszeit zum Winterende hin geboren wird. Die zunächst rein weiß behaarten und blinden Jungtiere werden zwei bis vier Monate lang gesäugt und verlassen unter Obhut der Mutter erst im Frühsommer erstmals den Bau. In Deutschland gehört der Dachs zu den jagdbaren Arten. Laut Bundesjagdzeitverordnung darf ihm von Anfang August bis Ende Oktober nachgestellt werden. Da die vielen tausend getöteten Dachse nicht genutzt werden, plädiert der NABU allerdings für eine Abschaffung der Dachsjagd. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild. Der Igel ist (Wild-)Tier des Jahres 2009Eine Tierart, die zu einer sehr alten Familie der Säugetiere zählt, ist von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zum Tier des Jahres 2009 gekürt worden: der Igel. Ericaneus europaeus, wie der Igel in der zoologischen Wissenschaft heißt, kommt auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis vor.Igel kommen als bewundertes und verehrtes Tier schon in alten Religionen vor. Bereits vor 7000 Jahren gab es im alten Ägypten bildliche Darstellungen des Igels, die erkennen lassen, dass er nicht allein als Schlangentöter hohes Ansehen genoss, sondern auch als eine Art heiliges Tier galt. Das Stacheltier ist bis heute Mittelpunkt in zahlreichen Sagen, Legenden und Märchen, etwa dem Wettlauf zwischen Hase und Igel. Der Igel (Ericaneus europaeus) ist (Wild-)Tier des Jahres 2009 (Foto: H. Winter). Igel sind Einzelgänger und vorwiegend nachtaktiv. Bei Dauerfrost oder Schnee und mittleren Lufttemperatur um die acht bis zehn Grad, suchen sie sich einen geeigneten Platz für den Winterschlaf, wühlen sich ein und rollen sich zu einer Kugel zusammen. So schlafen sie bis März, April. Dabei sind alle Lebensvorgänge stark verlangsamt, sie atmen nur noch fünf bis acht Mal in der Minute, ihr Herz schlägt etwa zwanzig Mal. Wenn der Stachelige aber auch bei kalten Temperaturen noch herumläuft, handelt es sich oft um ein krankes oder verletztes Tier, doch gelegentlich, wenn auch selten um einen verwaisten Jungigel. Dann, aber auch nur dann braucht er menschliche Hilfe. Sie gelingt am besten, wenn ein Tierarzt zu Rate gezogen wird oder wenn sich in der Nähe eine Igelstation befindet, die Auskunft gibt, wie mit einem Igel umzugehen ist. Doch allzu oft versuchen Menschen sich allein als Igelretter, und in vielen Fällen begehen sie schwerwiegende Fehler, die ihrem Findling das Leben kosten können. Igel sind keine Haustiere und erst recht kein Kinderspielzeug. Sie vertragen weder Abfälle vom Esstisch, Milch, Gemüse oder Obst. Katzen- oder Hundenahrung aus Dosen ist dagegen durchaus geeignete Igelnahrung. Wenn jedoch ein Igel ins Haus gekommen ist und die rechte menschliche Pflege erhalten hat, muss er wieder ausgewildert werden. Die richtige Zeit hierfür ist das Frühjahr. Dann sind Bäume und Sträucher und ebenso die Hecken grün und bieten guten Schutz und Versteckmöglichkeiten, außerdem sind auch die Nahrungstiere des Igels vorhanden: Käfer, Raupen, Würmer, Schnecken, viele andere Kleintiere. Doch auch größere Tiere werden seine Beute, etwa Frösche und Kröten, Eidechsen und Schlangen. Der beste Platz, um den kurzweiligen stacheligen Hausgenossen in die Freiheit zu entlassen, ist der Ort, wo der Igel gefunden wurde. Denn das ist fast immer ein geeigneter Lebensraum für das Tier, das auf guten Unterschlupf genauso angewiesen ist wie auf die richtige Nahrung. Denn natürlichen Schutz braucht der häufig als „Swinegel“ Beschimpfte trotz der 6000 bis 8000 Stacheln, die ihn vor Schaden bewahren. Natürliche Feinde hat er wenige, lediglich Greifvögel und große Eulen wie der Uhu sind in der Lage, seinen Panzer aufzubrechen. Sein größter „Feind“ ist, wenn auch ohne Absicht, der Mensch mit seiner Landwirtschaft und Technik. Allzu oft geht der Rasenmäher auch unter Sträucher und Hecken und verstümmelt einen schlafenden Igel. Laubsauger in den Städten setzen dem Igel zu und nehmen ihm die Nahrung, weil sie zahllose Kleintiere töten. Auch gibt es immer noch Pestizide und Leute, die Katzen- oder Hundehasser sind und vergiftete Köder auslegen. Wiesen müssen gemäht werden, doch dann haben Igel keine Deckung mehr und können sich nicht verbergen. Ebenso sterben sie mitunter durch Brauchtumsfeuer, für die schon lange Zeit vorher Äste und Reisighaufen aufgeschichtet werden, ideale Plätze für die Stacheligen, dort ein Versteck zu finden. Doch das Schlimmste für den Igel ist das Auto. Viele Tausende von Igeln werden alljährlich überfahren. Eine in Bayern 1957 durchgeführte Untersuchung ergab, dass in den Monaten Mai und Juni auf einer 75 km langen Autobahnstrecke an die hundert Igel getötet wurden – beim seitdem stark angestiegenen Verkehr wäre diese Zahl heute wesentlich höher. Und in Dänemark wurde ermittelt, dass auf 1000 km Fernstraßen in einem Jahr 9345 Igel totgefahren wurden. Sobald der Igel aus dem Winterschlaf aufwacht, ist für ihn die Zeit gekommen, für Nachwuchs zu sorgen. Bis zum August bemüht er sich, Weibchen zu finden, mit denen er sich auf komplizierte Weise paaren kann, was oft erst nach Stunden gelingt. Ist es dann aber geschehen, bringt die Igelmutter nach einer Tragezeit von etwa sechs Wochen bis zu sieben Junge zur Welt. In der dritten Woche ihres Daseins öffnen sich bei den Igelkindern Augen und Ohren und dann haben sie auch die vielen Stacheln, die sie zu ihrem Schutz brauchen. Immer wieder einmal kommt es auch vor, dass die Igelin zwei Mal im Jahr Nachwuchs hat. Igel sind nahezu überall zu finden, wo ihnen ein Lebensraum Nahrung und Schutz bietet. Nur feuchtes Gelände meiden sie ebenso wie Nadelwälder, die kein Unterholz haben. Doch manches Mal wollen sie auch hoch hinaus und sind selbst in in 2000 bis 3000 Meter Höhe noch anzutreffen. Einem Tier, das wegen seines Aussehens und seiner interessanten Lebensweise schon immer Interesse bei den Menschen fand und Verehrung genoss, wurde zwangsläufig mancherlei Kurioses angedichtet. So etwa, dass die Stacheligen auf Bäume kletterten und Früchte hinabwürfen, auch dass sie ruhenden Kühen Milch aus dem Euter saugten, und schließlich wurden sie auch noch verdächtigt, Maul- und Klauenseuche zu übertragen. Was ebenso wenig stimmt wie die Behauptung von Hühnerhaltern, der Igel sei scharf auf Hühnereier, die er mit den Zähnen packe und forttrüge. Tatsächlich aber kann unser einheimischer Igel seinen Mund gar nicht so weit aufbringen, dass er ein Hühnerei packen und festhalten könnte. Die Vermenschlichung des Igels wie auch vieler anderer Tiere ist unsinnig und tut ihm nicht gut. Dagegen braucht er unseren Schutz in Freiheit und ebenso die Hilfe von Organisationen wie etwa „Pro Igel“ und Igelstationen, die alljährlich Hunderte von Igeln betreuen. Das Tier der Märchen und Fabeln will in Ruhe gelassen werden, ganz besonders, wenn es dem Menschen begegnet. Warum nicht auch einmal für ein so kleines Tier langsamer fahren oder bremsen – es ist ein Geschöpf im Riesenreich der Natur wie wir selbst. Quelle: www.sdwi.de Faltblatt (Flyer): Merkblatt zum Tier des Jahres 2009 (pdf). (Wild-)Tier des Jahres 2008 - der Wisent
Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild, Organisation zur Erhaltung der freilebenden Tierwelt, hat den Wisent (Bison bonasus), das größte Wildrind Europas, zum „Tier des Jahres 2008“ gewählt. Anlass ist, dass Wisente in ihrer Existenz gefährdet sind, aber wohl in absehbarer Zeit wieder frei in Deutschland leben werden - ebenso wie Luchs, Wolf, Braunbär oder Elch.Das Schicksal des Wisents verlief ähnlich dem mit ihm verwandten Bison in den USA. Im Jahre 1921 waren die freilebenden Populationen des europäischen Wisents erloschen bzw. ausgerottet; wie zuvor schon vom Auerochsen, der zweiten einheimischen Wildrind-Art. Es lebten weltweit nur noch 54 Tiere in Gefangenschaft. Ursprünglich war diese Tierart weit verbreitet: von Spanien bis Sibirien und Skandinavien. 1923 wurde die Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents gegründet mit dem Ziel, durch Nachzucht in Zoos, Tierparks und Wildgehegen ein Aussterben des Wisents zu verhindern. Heute gibt es wieder weltweit ca. 3500 Exemplare, teils wieder in Freiheit, teils in Großgattern. Seit dem Jahre 1923 wird ein Zuchtbuch geführt, in dem alle Wisent-Geburten erfasst und kontrolliert werden. Das größte und schwerste Landsäugetier Europas ist zur Zeit bei uns heute nur noch in Zoos und Gehegen zu sehen, wie etwa im Wisentgehege Hardehausen (Kreis Höxter), in Springe und Hellenthal sowie Eleonorenwald, im Tierpark Berlin, der Uckermark und Döbritzer Heide. 2008 sollen in den Wäldern des Prinzen zu Sayn-Wittgenstein im Rothaargebirge 25 mit Halsbandsendern versehene Wisente freigelassen werden. Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert. Auswilderungen gab es schon in Litauen und im Kaukasus. Einen stabilen Bestand von 450 wieder frei lebenden Wisenten gibt es bereits in den Wäldern des polnischen Bialowieze. Wisente im Naturpark Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald im Wisentgehege Hardehausen im Kreis Höxter (Foto: Hanns-Dieter Mitzka) Wisente leben meist in lockeren Familienverbänden bis zu 20 Tieren. Ein Bulle kann bis zu 3,30 m lang, 2 m hoch und an die 20 Zentner schwer werden. Natürlicher Feind ist wohl nur der Wolf, der aber nur im Rudel einem Wisent gefährlich werden kann. Gefahr droht der Art aber vor allem durch die engen Verwandschaftsgrade - Inzucht. Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.sdwi.de. Literatur Bundesamt für Naturschutz (BfN) 2007: Vilmer Thesen zum Wisent in der Landschaft in Deutschland (pdf). |
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