Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Ortsverband Karlsruhe

Flächenverbrauch auf ein Mindestmaß beschränken:
Keine Gewerbegebietsausweisung in der „Unteren Hub“ bei Durlach

Gegen eine Gewerbegebietsausweisung in der „Unteren Hub“ zwischen Durlach und Hagsfeld sprechen sich die Umweltverbände BUND, NABU und Naturfreunde aus. In einem Brief an die Gemeinderät/innen der Stadt Karlsruhe werden diese aufgefordert, bei der Gemeinderatssitzung am 21. Januar 2003 gegen eine entsprechende Änderung des Regionalplans zu stimmen.

Der erst kürzlich verabschiedete Regionalplan weist die betreffende Fläche derzeit als Grünzäsur aus, was eine Bebauung verbietet. Nach Ansicht der Umweltverbände ist dieser Schutz vor einer Bebauung der ca. 17 ha großen Fläche zwingend notwendig. Neben dem Erhalt der ökologischen Funktionen sollen Grünzäsuren gezielt das Zusammenwachsen von Teilgemeinden, hier von Durlach und Hagsfeld und damit eine komplette Zersiedlung stadtnaher Landschaftsräume verhindern. Die Stadt sollte sich - zum Wohle ihrer Bevölkerung - an diese fachlich sinnvolle Vorgabe halten.

Auch verstößt die Ausweisung eines Gewerbegebietes in der „Unteren Hub“ nach Auffassung der Naturschutzverbände gegen den Grundsatz, Flächenverbrauch zu minimieren und mit Grund und Boden sparsam umzugehen. Neben dem Verlust von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen sowie von Naherholungsräumen für den Menschen treten dabei auch wirtschaftliche Aspekte zunehmend in den Vordergrund. So stellt beispielsweise der Verlust von Retentionsflächen durch den ständig steigenden Versiegelungsgrad unserer Landschaften eine der Hauptursachen für die in den letzten Jahren vermehrt auftretenden Hochwasserereignisse dar.

Eines der wichtigsten Argumente gegen die Bebauung der „Hub“ ist nach Auffassung von NABU, Naturfreunden und BUND der Klimaschutz. Die Freiflächen sind für das Karlsruher Stadtklima unersetzlich, da sie als Frischluftschneise, Kaltluftentstehungsgebiet und Abkühlungsreservoir für umliegende Siedlungs- und Gewerbegebiete dienen. Fallwinde aus höheren Lagen wie der „Pfinztäler“ versorgen vor allem Rintheim und die Karlsruher Oststadt mit Frischluft. Eine Bebauung der „Unteren Hub“ würde diese wichtige bioklimatische Funktion weitestgehend unterbinden.

Daneben bietet die „Untere Hub“ vielen feuchtigkeitsliebenden Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Hier sind vor allem die zahlreichen Gräben von Bedeutung, die nach §24a des Naturschutzgesetzes geschützt sind. Auch kommt dem Gebiet inmitten von Siedlungs- und Gewerbeflächen eine hohe Bedeutung für das Landschaftsbild zu. Als letztes grünes Band zwischen Durlach und Hagsfeld sind die Freiflächen der Hub unbedingt schützenswert.

Die „Untere Hub“ ist an Feierabenden und an den Wochenenden ein außerordentlich wichtiges Naherholungsgebiet für zahlreiche Bewohner von Durlach, Hagsfeld, der Untermühlsiedlung und der Oststadt. Außerdem wird das Gebiet von Mitgliedern des Hundesportvereins, des Reitvereins und der Durlacher Turnerschaft intensiv genutzt.

Es ist vorgesehen, den in der Hub angesiedelten landwirtschaftlichen Betrieb auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen. Die Naturschutzverbände weisen darauf hin, dass diesem bei Realisierung eines Gewerbegebietes wichtige in Hofnähe gelegene Flächen verloren gingen. Besonders emittierende Gewerbebetriebe in unmittelbarer Nähe eines Biohofes würden für die landwirtschaftliche Produktion ein erhebliches Hindernis darstellen. Auch die seitens der Stadt auf dem zukünftigen Biohof geplanten Angebote für Schulklassen würden stark an Attraktivität verlieren.

Den Verzicht auf die Realisierung eines Gewerbegebietes auf dem ehemaligen Miro-Gelände in Knielingen, über den ebenfalls auf der Januar-Sitzung des Gemeinderates entschieden werden soll, begrüßen die Naturschützer. Jedoch ist ein Ersatz für die wegfallenden Baugebietsflächen durch eine Gewerbegebietsausweisung in der „Unteren Hub“ ihrer Auffassung nach nicht erforderlich, da der Flächennutzungsplan bereits ausreichend Flächenreserven vorhalte.

Um ihre Aktivitäten zu bündeln und eine breite Öffentlichkeit in die geplanten Aktionen einzubeziehen, haben sich BUND, NABU und Naturfreunde der Ende letzten Jahres gegründeten Bürgeraktion „Naturschutz Untere Hub“ angeschlossen.

Brief an den Karlsruher Gemeinderat
(mit weiteren Einzelheiten)

BUND Karlsruhe, Leitseite