![]() |
||||||
Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland e.V. (BUND)
Ortsverband Karlsruhe
| „Untere Hub“, geplante Gewerbegebietsausweisung: Brief an den Karlsruher Gemeinderat Änderung des Regionalplans Sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderät/innen, in der nächsten Gemeinderatssitzung am 21. Januar werden Sie erneut über die Zukunft der „Unteren Hub“ zu entscheiden haben. Wie Sie wissen, ist seitens der Verwaltung vorgeschlagen, die 17 ha große Fläche als Gewerbegebiet auszuweisen. Dieses Vorhaben steht jedoch im Widerspruch zu den bisherigen Planungen, insbesondere den Vorgaben des Flächennutzungsplanes des Nachbarschaftsverbandes Karlsruhe sowie den Bestimmungen des Regionalplans Mittlerer Oberrhein. Aus diesem Grund wären zur Realisierung eines Gewerbegebietes „Untere Hub“ umfangreiche Änderungen der bisherigen raumplanerischen Vorgaben notwendig. Wir, die Vertreter der Umwelt- und Naturschutzverbände BUND, NABU und Naturfreunde sind allerdings der Auffassung, dass bisher aus gutem Grund auf eine Bebauung der „Unteren Hub“ verzichtet wurde. Deshalb wenden wir uns heute an Sie mit der dringenden Bitte, sich für den Erhalt der Hub als bedeutsame Freifläche einzusetzen. Dem Gebiet kommt eine außerordentliche Bedeutung für das Karlsruher Stadtklima und damit für die Gesundheit der Karlsruher Bevölkerung zu. Es handelt sich zudem um eine wichtige Naherholungsfläche insbesondere für die Bewohner von Durlach, Hagsfeld und der Untermühlsiedlung. Auch ist diese Fläche von erheblicher Bedeutung für den Landschaftsschutz, da sie als letzte Grünzäsur zwischen den Teilgemeinden Hagsfeld und Durlach liegt. Nicht zuletzt befinden sich im Gebiet zahlreiche nach Naturschutzgesetz (§24a) geschützte Feuchtbiotope, die unbedingt zu erhalten sind. Auch liegen in der Hub wertvolle landwirtschaftliche Nutzflächen. Zu den genannten Punkten im folgenden weitere Details: a) Klimaschutz Die Freiflächen der Hub sind für das Karlsruher Stadtklima im wahrsten Sinne des Wortes unersetzlich. Zum einen dienen sie als Kaltluftentstehungsgebiet und Abkühlungsreservoir für umliegende Siedlungs- und Gewerbegebiete. Zum anderen bilden sie eine Frischluftschneise in Ost- West-Richtung. Fallwinde wie der „Pfinztäler“ versorgen vor allem Rintheim und die Karlsruher Oststadt mit Frischluft. Dies führt zu einer Verbesserung der lufthygienischen Situation Karlsruhes, welche auch für die Gesundheit der Anwohner von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Eine Bebauung der „Unteren Hub“ würde diese wichtige bioklimatische Funktion weitestgehend unterbinden. Hierauf wies kürzlich auch der Leiter des Karlsruher Gesundheitsamtes, Dr. Friebel, im Rahmen eines Vortrags im Umweltausschuss des Gemeinderates hin. Die oben beschriebene Einschätzung der klimatologischen Verhältnisse wird, wie Ihnen vermutlich bekannt ist, durch ein im Auftrag der Stadt vom Büro LOHMEYER 1995 erstelltes Gutachten belegt. Dieses spricht sich klar gegen eine Bebauung der „Hub“ aus. Damals wurde den Aussagen des Gutachtens Rechnung getragen und auf eine Baugebietsausweisung verzichtet. b) Flächenverbrauch Der bis heute anhaltende enorme Flächenverbrauch durch Baugebietsausweisungen und Straßenbau stellt uns auch in Karlsruhe vor wachsende Probleme. Neben dem Verlust von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen sowie von Naherholungsräumen für den Menschen treten hierbei auch wirtschaftliche Aspekte zunehmend in den Vordergrund. So stellt der Wegfall von Retentionsflächen durch den ständig steigenden Versiegelungsgrad unserer Landschaft einen enormen Gefährdungsfaktor in Bezug auf die immer häufiger auftretenden Hochwasserereignisse dar. Der sparsame Umgang mit Grund und Boden, zu dem das Baugesetzbuch die Kommunen verpflichtet, sollte auch bei uns oberste Priorität erhalten. Laut Flächennutzungsplan des Nachbarschaftsverbands Karlsruhe stehen dem errechneten Bedarf an Gewerbeflächenausweisungen von ca. 270 ha knapp 390 ha geplanter Neuausweisungen gegenüber. Daraus ergibt sich ein Überschuss von ca. 120 ha bis 2010. Den geplanten Verzicht auf die Realisierung eines Gewerbegebietes auf dem ehemaligen Miro-Gelände begrüßen wir in diesem Zusammenhang sehr. Jedoch ist ein Ersatz für die wegfallenden Baugebietesflächen durch eine Gewerbegebietsausweisung in der „Unteren Hub“ nicht erforderlich, da der Flächennutzungsplan bereits ausreichend Flächenreserven vorhält. c) Naturschutz und Landschaftsbild Die „Hub“ bietet vielen feuchtigkeitsliebenden Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Hier sind vor allem die zahlreichen Gräben von Bedeutung, die nach §24a des Naturschutzgesetzes geschützt und dementsprechend in der Kartierung der §24a-Biotope des Landes Baden-Württemberg erfasst sind. In diesem Zusammenhang erfüllen Teile der „Unteren Hub“ auch wichtige Funktionen als sogenannte Trittsteinbiotope innerhalb eines großräumigen Biotopverbundsystems in und um Karlsruhe. Daneben kommt dem Gebiet inmitten von Siedlungs- und Gewerbeflächen eine hohe Bedeutung für das Landschaftsbild zu. Als letztes grünes Band zwischen Durlach und Hagsfeld sind die Freiflächen der Hub unbedingt schützenswert. d) Naherholung Die „Untere Hub“ ist ein außerordentlich wichtiges Naherholungsgebiet für zahlreiche Bewohner von Durlach, Hagsfeld, der Untermühlsiedlung und der Oststadt. Aufgrund der Siedlungsnähe eignet sich die „Untere Hub“ zum Spazierengehen, zum Joggen und zum Radfahren an Feierabenden und Wochenenden. Außerdem wird das Gebiet von Mitgliedern des Hundesportvereins und des Reitvereins intensiv genutzt. Sie hätten bei der Realisierung eines Gewerbegebietes nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, auf andere Freiflächen auszuweichen. Eine erhebliche Beeinträchtigung durch Realisierung eines Gewerbegebietes wäre auch für die Mitglieder der Durlacher Turnerschaft zu erwarten. e) Raumplanerische Vorgaben Dem Regionalplan kommt die Aufgabe zu, die Siedlungsentwicklung in der Region unter ausgewogener Berücksichtigung der verschiedenen Nutzungsansprüche zu lenken. Wir halten es für falsch, sich aufgrund von Einzelinteressen diesen übergeordneten Planungen zu widersetzen. Genau dies wäre jedoch der Fall, würde sich der Gemeinderat für eine Änderung des Regionalplanes aussprechen. Der frisch verabschiedete Regionalplan trägt der wichtigen ökologischen und landschaftsästhetischen Bedeutung der „Unteren Hub“ Rechnung, indem er die Fläche als Grünzäsur ausweist. Neben dem Erhalt der ökologischen Funktionen sollen Grünzäsuren gezielt das Zusammenwachsen von Teilgemeinden und damit eine komplette Zersiedlung stadtnaher Landschaftsräume verhindern. Die Gefahr eines Zusammenwachsens von Durlach und Hagsfeld wurde von den zuständigen Raumplanern erkannt und die aus raumplanerischer Sicht erforderlichen Gegenmaßnahmen getroffen. Die Stadt sollte sich - zum Wohle ihrer Bevölkerung - an diese fachlich sinnvolle Vorgabe halten. f) Interessen der ortsansässigen Bevölkerung Wie Sie wissen, hat sich der Durlacher Ortschaftsrat wiederholt gegen eine Gewerbegebiet im Bereich „Untere Hub“ ausgesprochen. Auch die Bürgergemeinschaft Durlach und Aue setzt sich entschieden für den Erhalt des Gebietes als Grünzäsur ein. Auch dies sollten Gemeinderatsvertreter in die Entscheidung über die Zukunft der „Unteren Hub“ mit berücksichtigen. g) Landwirtschaft Es ist vorgesehen, den in der Hub angesiedelten landwirtschaftlichen Betrieb auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen. Diesem Betrieb würden wichtige in Hofnähe gelegene Flächen verloren gehen. Zudem stellt die unmittelbare Nähe zu einem Gewerbegebiet mit möglicherweise emittierenden Betrieben für die landwirtschaftliche Produktion ein erhebliches Hindernis dar. Für ökologisch wirtschaftende Betriebe, die strengen Kontrollen unterliegen, dürften sich zusätzliche Erschwernisse - auch bei der Vermarktung ihrer Produkte - ergeben. Auch die geplanten Angebote für Schulklassen würden durch die Realisierung eines Gewerbegebietes stark an Attraktivität verlieren. BI Untere Hub |