BUND Kreisverband Ludwigsburg

Interkommunales Gewerbegebiet ist überflüssig

Ingersheim. Der Ingersheimer Gemeinderat beschloss vor kurzem mehrheitlich die Gründung eines Zweckverbandes für ein interkommunales Gewerbegebiet bei Ingersheim. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hält das geplante Gebiet jedoch für völlig überzogen und unnötig.

Der neue Zweckverband von Bietigheim und Ingersheim soll zunächst eine Fläche von drei Hektar und später nochmals zwölf Hektar Fläche für Gewerbebetriebe erschließen und vermarkten. Für den BUND Ingersheim eine völlig überzogene Forderung: "Seinerzeit waren es die örtlichen Firmen und Handwerker, für die ein drei Hektar großes Gebiet erschlossen werden sollte. Die wäre auch konform mit dem Regionalplan, in dem Ingersheim als Wohngemeinde nur sehr moderat Industriegebiete erweitern darf" so die Ortsvorsitzende Karin Zimmer. Ingesamt 15 Hektar seien nur durch die Unterstützung des "großen Bruders" Bietigheim genehmigungsfähig.

Der Kreisvorsitzendes des BUND, Stefan Flaig, geht noch weiter: "Wenn man bedenkt, dass laut Wirtschaftsregion Stuttgart über 100 Hektar voll erschlossene, aber nicht bebaute Gewerbeflächen im Kreis Ludwigsburg bereit stehen, ist jedes weitere Gewerbegebiet volkswirtschaftlicher Wahnsinn und zeugt von der Extremen Kirchturmspolitik der Kommunen. Daran ändert auch der Zweckverband mit Bietigheim nichts." Sinnvoll wäre ein Zweckverband aller Kommunen des Landkreises, in den alle bereits erschlossenen Flächen mit allen Kosten und Erträgen wie in einen gemeinsamen Pool eingebracht werden, schlägt Flaig vor. Die Kommunen wären damit nicht mehr durch Unternehmen erpressbar; sie könnten ihre Planungshoheit durch die Kooperation mit den Nachbarn zurück gewinnen.

Apropos Wirtschaftlichkeit: "Gewerbesteuern sollen den Haushalt sanieren" - so lautete die Begründung für das Gewerbegebiet. "Es ist die gleiche Begründung, die seinerzeit für das Wohngebiet "Brühl II" genannt wurde", erklärt Karin Zimmer. Aber die einmaligen Einnahmen von Brühl II seien heute bereits verbraucht, und das Wohngebiet selbst koste mehr als es einbringe. "Woher nehmen die Gemeinderäte die Sicherheit, dass der Gewerbepark sich besser rechnet, selbst wenn er tatsächlich mit Betrieben gefüllt werden kann? Es wird etliche Jahre dauern, bis sich die Erschließungskosten amortisiert haben und die Schuldzinsen beglichen werden können", ist der BUND überzeugt.

Wenn Ingersheim und Bietigheim durch 15 Hektar Gewerbefläche verbunden werden, fließen zudem nicht nur Gelder hin und her, sondern auch Verkehr und Abwasser, befürchtet die BUND-Ortsvorsitzende. Selbstredend werde der LKW-Verkehr zunehmen, nicht nur durch die 3-15 ha große Gewerbefläche, sondern auch vermehrt von Bietigheim. Aber auch zusätzlicher Pendlerverehr werde durch Ingersheim rauschen. Denn die "neuen Arbeitsplätze" seien in der Regel schon von Auswärtigen belegt. Darüber hinaus würde in Zukunft gewerblich verschmutztes Abwasser zuerst Richtung Neckar laufen, um es dann mit viel Energieleistung wieder auf den Weg zurück nach Bietigheim in die Kläranlage zu schicken. "Nicht auszudenken, was bei Starkregen dann alles ungeklärt in den Altneckar läuft", so Zimmer.


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