BUND Kreisverband Ludwigsburg

BUND Stadtverband Freiberg a.N.

Vorbemerkung:
Mit der geplanten Erweiterung des Gewerbegebietes ist ein weiterer Verbrauch von Natur und Landschaft und die Versiegelung von offenem Boden mit allen daraus resultierenden Nachteilen verbunden.
Das bereits ausgewiesene westlich gelegene Gewerbegebiet ist noch nicht aufgesiedelt. Auch andere Freiberger Industrie- und Gewerbestandorte sind untergenutzt und nicht optimal ausgenutzt.
Durch die Erzeugung zusätzlichen Ziel- und Quellverkehrs verschärft der geplante Gewerbestandort die ohnehin angespannte Verkehrsproblematik in Freiberg. Der Standort ist durch seine isolierte Lage und seine schlechte Anbindung an die überregionalen Verkehrswege aus verkehrsplanerischer Sicht für die Ansiedlung von Gewerbe wenig geeignet.
Der Standort ist im Bezug auf das Landschaftsbild als sehr empfindlich einzustufen. Durch seine Höhenlage ist er von weiten Teilen des nördlichen Landkreises Ludwigsburg einsehbar. Hohe Bauten, grelle Farben oder spiegelnde Fassaden können sich optisch bs in größere Entfernungen negativ auswirken.
Die Feldflur südlich des Ortsteils Beihingen wird in erheblichen Maß von der Bevölkerung für die Naherholung genutzt. Die Planung kann sich auch hier negativ auswirken.
Aus den vorgelegten Unterlagen geht nicht hervor, wie die Eingriffe in Natur und Landschaft ausgeglichen werden sollen bzw. wird nicht aufgezeigt, welche streng oder besonders geschützten Arten betroffen sind bzw. wie deren Populationen erhalten werden sollen.

Stellungnahme:
Der BUND sieht im Bezug auf die Vorbemerkungen die folgenden Punkte kritisch:

weiterer Verbrauch von Natur und Landschaft und Versiegelung von offenem Boden.

bestehende Freiberger Gewerbestandorte sind untergenutzt bzw. nicht optimal ausgenutzt.

Erzeugung zusätzlichen Ziel- und Quellverkehrs und damit eine Verschärfung der ohnehin angespannten Verkehrsproblematik in Freiberg.
mögliche Konflikte im Bezug auf das Landschaftsbild

mögliche Konflikte im Bezug auf die Naherholung in der Feldflur südlich des Ortsteils Beihingen

Eingriffe in Natur und Landschaft und negative Auswirkungen auf streng oder besonders geschützte Arten sind nicht dargestellt bzw. ist nicht beschrieben, wie diese ausgeglichen werden sollen.

Es wird gebeten die folgenden Aspekte zu berücksichtigen und die Anregungen aufzunehmen:

Verringerung des Landverbrauchs
Vor der Aufstellung neuer Bebauungspläne für Gewerbestandorte soll die Verwaltung prüfen, welche gewerblichen Flächen in Freiberg noch zur Verfügung stehen bzw. untergenutzt sind oder umgenutzt werden könne (vergl. BNatSchG § 14 > Unterlassung vermeidbarer Beeinträchtigungen)

Verringerung des Verkehrsaufkommens
Die Entstehnung von Ziel- und Quellverkehr im geplanten Gewerbegebiet ist durch verkehrsvermeidende Festsetzungen im Bebauungsplan soweit als möglich zu beschränken.

Schutz des Landschaftsbildes
Die Gebäudehöhen sind auf maximal 2 Geschosse zu beschränken. Hinsichtlich der Gestaltung sind Festsetzungen zu treffen, die eine optisch negative Erscheinung aus der Ferne vermeidet (Verzicht auf grelle Farben oder spiegelnde Fassaden, Auflagen zur Fassadenbegrünung etc.)

Erhaltung der Erholungsfunktion
Die bestehende Fußwegeverbindung "Kleines Wegle" durch das Gewerbegebiet in die freie Landschaft soll erhalten bzw. planerisch und rechtlich gesichert werden.

Vermeidung, Verminderung und Kompensation von Eingriffen
Es sind alle Möglichkeiten zur Vermeidung, Verminderung oder Kompensation der geplanten Eingriffe in Natur und Landschaft auszuschöpfen.
Nach § 15 BNatSchG ist der Verursacher von Eingriffen verpflichtet, unvermeidbare Beeinträchtigungen durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auszugleichen (Ausgleichsmaßnahmen) oder zu ersetzen (Ersatzmaßnahmen). Die Eingriffe sind in einer Bilanzierung zu bewerten und detaillierte Maßnahmen aufzustellen wie diese ausgeglichen bzw. ersetzt werden. Die Maßnahmen sind in einem Grünordnungsplan dazustellen und mit dem Bebauungsplan zu beschließen.

Artenschutz
Die Auswirkungen der Eingriffe auf streng oder besonders geschützte Arten sind darzustellen und Maßnahmen zu benennen wie negative Auswirkungen kompensiert werden sollen (Nennung von CEF-Maßnahmen). Diese vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen sind mit dem Bebauungsplan zu beschließen und im Vorgriff auf eine Bebauung umzusetzen.

Maßnahmen zur Energieeinsparung
Die Gebäude sind so zu errichten, dass der Jahres-Primärenergebedarf um mindestens 30 % gegenüber der gültigen Energieeinsparverordnung (ENEV) i.d.F. vom 29. April 2009 reduziert wird. Für Wohngebäude sind die Anforderungen an ein KfW Effizienzhaus 70 einzuhalten.

Nutzung der Solarenergie
Soweit die Bauwerke nicht mit Flachdächern geplant werden, sind sie als südexponierte Pultdächer festzusetzen, welche mit Solaranlagen auszustatten sind. Die Nutzung der Solarenergie auf südexponierten Pultdächern ist im Bebauungsplan festzusetzen. Pro Dach wird die Installation thermischer Solaranlagen zu Fotovoltaikanlagen im Verhältnis eins zu drei vorgeschlagen. Für südexponierte Fassaden sind Solaranlagen zuzulassen.

Wasserdurchlässige, begrünte Verkehrsflächen
Verkehrsflächen sind soweit möglich wasserdurchlässig zu gestalten und zu begrünen. Der Bebauungsplan soll entsprechede Festsetzungen enthalten.

Förderung Gebäude bewohnender Tierarten
In den neuen Baukörpern ist der Einbau von Quartierelementen (z.B. spezielle Niststeine bzw. Fledermauskästen) für Gebäude bewohnende Tierarten bzw. eine entsprechende Traufgestaltung vorzusehen. Empfohlen werden pro 10 laufende Meter Fassade ein Nistquartier. Abweichend davon kann die erforderliche Anzahl von Quartierlementen auch kombiniert eingebaut werden. Auf die Schrift "Nistquartiere an Gebäuden" des NABU, 2002 (s. Anlage 1) wird verwiesen. Es soll ein erfahrenes Fachbüro eingeschaltet werden.

Vermeidung von Vogelschlag
Zur Vermeidung des Vogelschlages an Glas- und Fensterfronten sind die Empfehlungen der Schrift: Schmidt, H. et al., Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht, Schweizerische Vogelwarte, Sempach 2008 (s. Anlage 2) zu beachten. Es soll ein erfahrenes Fachbüro eingeschaltet werden.

Verwendung gebietsheimischen Saat- und Pflanzgutes
Für sämtliche Anpflanzungen ist gebietsheimisches Saat- und Pflanzgut aus dem Raum 7 "Süddeutsches Hügel- und Bergland" zu verwenden. Die Pflanzenlisten sind entsprechend anzupassen. Auf Exoten und Kultivare ist zu verzichen. Die Verwendung der Liste gebietsheimischer Gehölze für den Kreis Ludwigsburg (s. Anlage 3) wird empfohlen. Für die extensive Dachbegrünung soll die angehängte Artenliste (Anlage 4) verwendet werden.

gez. Conrad Fink
BUND-Stadtverband Freiberg a.N.


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