BUND Bezirksverband Marbach-Bottwartal"Natur in der Flur"- Eine naturkundliche Exkursion des BUND Marbach-Bottwartal![]() Gruppenbild der Exkursionsteilnehmer Der BUND Marbach-Bottwartal hatte zu einer Führung auf dem ökologischen Lehrpfad bei Burgstall eingeladen. Der Lehrpfad zeigt unsere Kulturlandschaft, so wie wir sie heute im ländlichen Raum vorfinden (Wiesen, Äcker, Wald) und die ökologischen Nischen in dieser Landschaft (Feldhecken, Streuobstwiesen, Ufergehölze). Er macht deutlich, warum diese naturnahen Inseln in der weitgehend ausgeräumten Landschaft so wichtig sind, und wie sie zu erhalten sind. Bei idealem Exkursionswetter - ausnahmsweise war mal kein Gewitter angekündigt - startet die Gruppe bei der Grundschule an der Murr in Burstall. Eine erste Informationstafel weist auf die charakteristischen Ufergehölze hin, wie Schwarzerle, verschiedene Weidenarten, Esche, Hartriegel und Faulbaum. Letzterer wurde auch Pulverbaum genannt, weil seine Holzkohle in früheren Zeiten bei der Schwarzpulverherstellung verwendet wurde. Der Lehrpfad verlässt dann den Bach, durchquert das Tal und steigt den Hang hinauf. Der Unterschied zwischen gedüngter, intensiv genutzter Wiese mit nur wenigen Grassorten in der Talaue und dem Kalkmagerrasen am direkt anschließenden Hang wird hier besonders deutlich: die Hangwiese zeigt einen reichen Blütenflor der jahreszeitlich typischen Blumen, wie Tauben-Skabiose, Zypressenwolfsmilch und Wiesenflockenblume. Auf der anderen Seite des Weges wächst eine Feldhecke, zum überwiegenden Teil aus Schlehen bestehend. Auch hier informiert eine Tafel über den Nutzen als Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Es wird der Aktionsradius verschiedener Tiere dargestellt, vom Laufkäfer bis zum Igel und Fuchs. Dem kleinen Käfer genügen die paar Quadratmeter Hecke als Lebensraum, Igel und Fuchs dagegen brauchen weitere geschützte Bereiche, die als Trittstein-Biotope für sie erreichbar sind, oder die direkt miteinander vernetzt sind. Mit Frau Dr. Ursula Fink und dem Biologen Joachim Lösing hat die Gruppe zwei kenntnisreiche Führer, und das ist auch gut so, denn einige Besucher verfügen ihrerseits über beachtliche, biologische Kenntnisse. Da ist schon ein Experte gefragt, wenn zu entscheiden ist, ob der eben gesichtete Schmetterling ein großer oder kleiner Eisvogel ist. Im weiteren Verlauf streift der Lehrpfad einen Hangwald, der durch Naturverjüngung entstanden ist. In unserer Klimazone entwickelt sich auf einem Stück Boden, das sich selbst überlassen wird, ohne Zutun des Menschen im Laufe von einigen Jahren ein Wald. Die Bäume dieses Waldes kommen mit dem hier herrschenden Klima und mit den gegebenen Bodenverhältnissen am besten zurecht, und das sind hier Stieleiche, Hainbuche, Linde und Ahorn, d.h. die Bäume des "wärmeliebende Eichen-/Hainbuchenwaldes". Der Lehrpfad führt nun hinunter zum Wüstenbach, einem kleinen naturbelassenen Bachlauf, der bei Kleinaspach entspringt und zwischen Burgstall und Erbstetten in die Murr mündet. Durch die starken Regenfälle der letzten Tage ist der Bach mehrfach über seine Ufer getreten und macht zur Zeit seinem Namen alle Ehre. Selbst hartgesottene Biologen sind von seiner Dynamik beeindruckt. Wieder auf freier Flur werden die bei uns vorkommenden Ackerkulturen vorgestellt, die Getreidesorten und die Hackfrüchte. Vor einem Weizenfeld erfährt man, dass es sich um eine Winteraussaat handelt, die in Qualität und Ertrag der Sommerform überlegen ist. Letztere wird nur angebaut, wenn zu nasse Bodenverhältnisse im Herbst keine Bestellung der Felder zulässt. Der hier wachsende Weizen ist ein Weichweizen. Hartweizen (Durum), der für die italienischen Pastaprodukte verwendet wird, spielt bei uns keine Rolle. Auch die mineralreichen Urformen, Einkorn und Emmer, werden nicht mehr angebaut, während Dinkel gerade eine Renaissance erlebt. Durch eine kleine Modifikation des Verlaufs wird erreicht, dass der Lehrpfad beim Kirchberger Waldheim endet, wo Gelegenheit für eine Einkehr besteht. Günter Schmidt |
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