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Platz machen für Adebars neue Nachbarn

 

Südkurier Markdorf, Dienstag, 16.01.2007


Platz machen für Adebars neue Nachbarn

Eisweiher: Bald übernehmen Heckrinder im Feuchtgebiet südlich von Markdorf die Landschaftspflege

 

In wenigen Wochen wird es am Markdorfer Eisweiher Heckrinder geben. So wie bereits jetzt im
Hepbach-Leimbacher Ried, übernehmen die dem ausgestorbenen Auerochsen nachgezüchteten Rinder
dann auch in dem südlich der Gehrenbergstadt gelegenen Naherholungsgebiet die Landschaftspflege. Eine
Aufgabe, die bisher von den Markdorfer BUND-Mitgliedern wahrgenommen wurde.

 

Markdorfer BUND-Mitglieder entfernen das Buschwerk am Eisweiher und schaffen
günstigere Lebensbedingungen für Störche. Bald sollen in dem Gebiet Heckrinder angesiedelt werden.


Markdorf - Seit einigen Samstagen kreischen am einstigen Fischteich zwischen Bahnlinie und
Bundesstraße Motorsägen. BUND-Aktivisten holzen jene mächtige Hecke ab, die sie selber vor etwas
mehr als zehn Jahren angelegt haben.

"Das tut schon weh", sagt Jörg Münch, zweiter Vorsitzender der BUND-Gruppe Markdorf, während er
sich durchs Dickicht zwängt, um einen unterarmdicken Ast abzusägen. Schließlich handele es sich zum
Teil um seltene Holzarten. Gleichwohl müsse diese Arbeit getan werden. Sie sei Teil des Naturschutzes.
Helfe sie doch, den Lebensraum des Weißstorches zu verbessern.

Derweil sich die Zähne von Jörg Münchs Säge weiter durchs Gehölz fressen, erläutert Franz Beer, der
erste Vorsitzende der Markdorfer BUND-Gruppe, die Hintergründe der Entbuschungsmaßnahme im 15
Hektar großen Eisweiher-Areal: "In dieser Hecke kann sich der Fuchs verbergen." Die Weißstörche
würden den Bereich vor der Gefahrenzone daher meiden. Überdies sei die ursprüngliche Funktion des
Buschwerks hinfällig geworden. Die BUND-Aktivisten pflanzten die Büsche 1995 entlang des
Eisweiher-Wegs als Sichtschutz für brütende Vögel. Die Stadt hat den Fußweg vor kurzem verlagert. Nun
führt er oberhalb der Weiher-Senke entlang auf der einstigen Uferlinie.

Vor zwölf Jahren sei an das erst 1999 aufgelegte Storchenprojekt noch gar kein Denken gewesen, erläutert
Beer. Da aber schon im Jahr 2000 die ersten Weißstörche den aufgestellten Nest-Masten am Eisweiher als
Nistplatz annahmen, verlangte dies auch ein gewisses naturschützerisches Umdenken. Denn fortan musste
auf die Bedürfnisse der großen Feuchtwiesenvögel Rücksicht genommen werden. Hinzu kam, dass das
angestrebte Ziel - den Eisweiher in ein Feuchtgebiet zu verwandeln - eine konsequente Entbuschung
verlangt. Nur so lässt sich das Trockenwerden des Bodens langfristig verhindern.

Einen Heckenstreifen von 50 mal sechs Meter haben die BUND-Mitglieder an vier Samstagen entfernt.
Das Buschwerk türmten sie zu mächtigen Haufen. "Die werden in den nächsten zwei, drei Jahren
verrotten", so Beer. Bis dahin sind sie Nistraum und Brutstätte für allerlei Getier, das auf den sonst
üblichen Agrarflächen kaum noch vergleichbare Plätze finde. Eins gelte es beim Blick auf den Weißstorch
zu bedenken, so erklärt Naturschützer Beer: "Der Storch steht nur an der Spitze unterschiedlichster
Tierarten innerhalb eines Gebiets." Er sei Indikator für die Gesundheit einer Wiesenlandschaft.

Ein Paar des langhalsigen Stelzvogels schwebt mittlerweile regelmäßig um die Märzmitte ein. Es brütet
vier bis sechs Eier aus. Die Jungen verlassen den Eisweiher schon im August, während die Alten etwas
später fortziehen. In diesem März werden die Weißstörche am Eisweiher noch günstigere
Lebensbedingungen antreffen und einige robuste Heckrinder als neue Nachbarn.


(Stand: 16.01.200 05:15)

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