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Südkurier Markdorf, Donnerstag, 08.03.2007
Plastik-Barriere bremst Kröten
BUND-Mitarbeiter montieren Amphibien-Sperre an der K7744 bei Autenweiler

Markdorfer BUND-Mitarbeiter montieren den provisorischen
Krötenzaun an der
Kreisstraße 774 bei Autenweiler (von links): Hartmut Gehse, Marcel
Kunzmann und René Glunk.
Mitglieder des Markdorfer BUND haben an der Kreisstraße 7744 bei
Autenweiler einen Krötenzaun errichtet. Für die im Frühjahr
zu ihren Laichgewässern wandernden Froschlurche stellt die 40 Zentimeter
hohe und 300 Meter lange Barriere aus Kunststofffolie ein schier unüberwindliches
Hindernis dar. "Vorsicht ist für Autofahrer trotzdem geboten",
rät Franz Beer vom BUND.
Markdorf - Längst nicht alle Amphibien queren die Kreisstraße
auf jenem, ihnen vorläufig verstellten Abschnitt. Zum Teil wählen
sie auch andere Wege, weiter entfernt vom Krötenzaun. Deshalb sei
auf der Straße zwischen Markdorf und Grünwangen im Waldbereich
vor allem abends und in den frühen Morgenstunden mit querenden Fröschen
zu rechnen. Das Gros der Tiere strebt jedoch den versperrten Bereich an.
Das zeigen die Erfahrungen der Markdorfer Naturschützer in den vergangenen
Jahren.
Das Material für den Zaun stelle das Landratsamt, erläutert
Franz Beer. Mittlerweile werde er bereits zum dritten Mal errichtet. Etwa
ein Dutzend Naturschützer treffen sich beim Waldstück an der
Kreisstraße
7744. Sie arbeiten in Gruppen. Die einen rammen die langen Erdnägel
in den Boden, andere spannen die metallverstärkte Plastikbahn über
die Abstandhalter, die dritten graben Löcher. Schließlich kommt
alle 10 bis 20 Meter ein Eimer in den Boden. Dort sollen die Kröten
und Frösche
hineinfallen, bei ihrer Suche nach Durchschlupfmöglichkeiten durch
den Zaun. Für alle Nicht-Amphibien, für Mäuse und Käfer,
die unter Umständen ebenfalls in den Auffangeimer rutschen könnten,
ragen dort Holzstecken nach oben. Über die können sie gegebenenfalls
wieder aus den ünstlichen Krötengruben klettern.
Frühmorgens und am späten Abend werden die Frösche von
BUND-Mitarbeitern aus ihren Gefängnisgefäßen befreit -
und auf die andere Straßenseite transportiert. Die Naturschützer
zählen die Amphibien bei dieser Gelegenheit. Per Hand trennen sie
die Kröten von den Fröschen. Weit behender als die weiblichen
Tiere, nutzen die Männchen deren Schwerfälligkeit aus, um aufzuspringen
und sich im Huckepack durchs Gelände tragen zu lassen. Dort haften
sie fest, so erklärt Franz Beer, bis sie an ihrem Ziel sind - oder
bis sie ein tieferes "Glügg, Glügg" hinter sich hören.
Für jüngere Fröschlein mit dementsprechend hellem "Glügg,
Glügg" heißt das: Abspringen und den Platz auf der Kröte
einem reiferen Männchen überlassen. Die Statistik zeigt einen
deutlichen Trend an: Im Wald bei Autenweiler wächst die Froschlurch-Population.
Im Gebiet um den kleinen Stauweiher nahe der ehemaligen Klosteranlage
werden es Jahr für Jahr mehr Frösche. An eine Ausweitung der
Schutzmaßnahmen denke die BUND-Ortsgruppe Markdorf deshalb aber
noch nicht. Einstweilen reiche der provisorische Krötenzaun vollkommen
aus, sagt Franz Beer.
Der Naturschützer erläutert weiter, wie wichtig die hier anzutreffende
Erdkröte sei. Sie ernährt sich von Schädlingen und trägt
zum Erhalt des Ökosystems bei. Bei aller Nützlichkeit - Beer
warnt Autofahrer vor
riskanten Ausweichmanövern: "Menschenleben gehen schließlich
vor."
(Stand: 08.03.2007 05:16)
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