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Südkurier Markdorf, Donnerstag, 08.03.2007
Immer mit der Ruhe
Friedliche Besiedelung der Heckrinder am Eisweiher - Jetzt fehlt noch
der Bulle

Hat seine neue Heimat am Eisweiher: Ein Heckrind-Weibchen.
Mit zwei weiteren
Kühen und einem Bullen ist die kleine Herde komplett.
Normalerweise wird kein Aufhebens drum gemacht, wenn Markdorf neue Bürger
bekommt. Niemand will zugucken, wie sie die ersten Minuten in der neuen
Heimat erleben. Ob sie aufgeregt sind oder gleichgültig. Neugierig
oder wütend. Aber an diesem Tag ist alles anders: Die neuen Bürger
werden sehnsüchtig erwartet. Beim Eisweiher am Ortsrand sammeln sich
die Leute. Peter Blezinger, Biolandwirt, ist dort. Michael Weitbrecht
räumt noch schnell ein wenig Heu von seiner Pferdekoppel beiseite.
Und Jörg
Münch, Franz Beer, Friedrich Beran und René Glunk vom BUND
warten gespannt auf den Transporter. Das, was kommt, ist nämlich
nicht irgendwer: Es sind drei Heckrinderweibchen. Wenn man so möchte,
sind sie die langersehnte Rettung für ein Feuchtgrünland, dass
ansonsten auf kurze oder lange Zeit verschwinden würde - und viele
Insekten, Amphibien und Reptilien mit ihm. Denn: Wenn nichts unternommen
wird, nimmt das Gestrüpp Oberhand über das Gebiet. Und der Storch,
der es sich dort heimisch gemacht hat, würde das Weite suchen. Dank
der Heckrinder werden die Störche bleiben. "Die Pferde sind
nicht brutal genug, um das Gestrüpp klein zu halten", sagt Peter
Blezinger und deutet auf die drei Stuten, die sich um den Futtertrog versammelt
haben und zufrieden auf ihrem Heu kauen. Von ihren neuen Nachbarn ahnen
die Pferde noch
nichts: Das 13 Hektar große Gebiet werden sie sich nämlich
ab sofort mit der kleinen Rinderherde teilen müssen. Eine "Gemeinschaftsaktion"
nennt das Pferdebesitzer Michael Weitbrecht. Gemeinsam mit Peter Blezinger
werde er täglich nach dem Wohl der Tiere schauen. Das ist auch gut
so: Eines der Heckrinderweibchen ist trächtig. In etwa vier Wochen
wird es kalben. Ein zweites könnte ebenfalls in einigen Monaten Nachwuchs
erwarten. Dann ist es endlich soweit: Auf einem weißen Transporter
rollen die Heckrinder an. Mit einem Traktor hievt Michael Weitbrecht die
erste der schmalen Boxen hinunter. Drei Stunden Fahrt haben die Tiere
hinter sich. Drei Stunden, um vom Zuchtbetrieb aus der Oberpfalz hinunter
an den Eisweiher zu kommen. Züchter Helmut Gradl saß am Lenkrad.
Er hat insgesamt rund 70 Tiere und wird demnächst noch einen stattlichen
Bullen für die kleine Herde liefern. "Vier Tiere, so groß
soll die Herde auf Dauer auch bleiben", sagt Franz Beer, Vorsitzender
des BUND. Auch wenn jedes Weibchen im Jahr ein Kalb bekommen soll. Der
Weg zum Schlachter bleibt den Jungtieren wohl nicht aus. Der Moment ist
gekommen: Helmut Gradl entlässt die Heckrinder in ihre Freiheit.
Vorsichtig steht er auf der Box und zieht die Klappe auf. Gespannte Stille.
Vor einem Scheinangriff hat Franz Beer gewarnt. Stattdessen: nichts. Dann
schiebt sich langsam und vorsichtig eine zottelige braune Nase ins Tageslicht.
Der Kopf, die Vorderbeine, dann der Rest. Unsicher und vorsichtig blickt
sich das Tier um. Dann schreitet es bedächtig auf lehmigem Grasboden
in Richtung Schilf. Die zwei anderen Rinder sind ebenso gelassen. Ausruhen
statt aufregen ist angesagt. Immerhin war die Fahrt lang. Franz Beer erzählt
derweil, dass die Jungtiere manchmal zuerst einige Tage im Schilf liegen
bleiben und dort von der Mutter umsorgt werden. Dass eine Zufütterung
kaum nötig sein wird, weil sich die Tiere bei jeder Kälte und
Hitze zurechtfinden. Und dass die Herde von einer Alpha-Kuh geführt
wird. Der Stier übernehme erst die Oberhand, wenn die Herde in Gefahr
sei. Er glaubt, dass sich die junge Herde schon bald gut eingelebt haben
wird. Im Hepbacher-Leimbacher Ried fühlen sich die Heckrinder schließlich
auch schon lange wohl.
(Stand: 08.03.2007 05:16)
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