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Südkurier Markdorf, Freitag,
08.06.2007
Sieben von acht Jungstörchen erfroren
Temperatursturz rafft Brut dahin - BUND-Chef Beer: Lebensraum in Markdorf entwickelt sich
dennoch positiv
Herber Rückschlag für das Storchenprojekt des BUND: Von den
acht Anfang Mai auf Markdorfer
Gemarkung geschlüpften Küken sind sieben erfroren, vermutlich
in der Nacht von Sonntag auf Montag.
Dies sei zwar traurig, letzten Endes aber natürliche Selektion, sagt
BUND-Ortsvorsitzender Franz Beer.

Auf dem Storchenhorst im Hepbacher-Leimbacher Ried steht eines der Elterntiere.
Einer der drei dort geschlüpften Jungstörche hat den Kälteeinbruch überlebt. Alle sieben anderen
Markdorfer Jungtiere sind verendet.
Markdorf - Beer hatte die traurige Nachricht vom Tod der Markdorfer Jungstörche Anfang der Woche per
SMS erhalten, noch während seiner Ungarn-Reise. Verendet sind alle drei Küken am Eisweiher, die
beiden erst kürzlich geschlüpften Jungtiere am Lettenhof und zwei der drei Störche im
Hepbacher-Leimbacher Ried. Markdorf ist dabei offenbar kein Einzelfall. In ganz Oberschwaben seien
wohl nahezu alle Bestände verendet, weiß Beer. Der Grund: Dem heftigen Temperatursturz am
vergangenen Wochenende hatten die Jungtiere mit ihrem noch unfertigen Federkleid (siehe Infokasten)
nichts entgegen zu setzen - sie starben an Unterkühlung.
Im Jahr 2000 hatten erstmals Störche in Markdorf gebrütet. Seither waren immer wieder Jungstörche kurz
nach ihrer Geburt verendet, im vorigen Jahr, weil sie von ihren Eltern mit Wurstzipfeln von der
Mülldeponie gefüttert wurden, zuvor weil die Altstörche Gummiringe verfüttert hatten. Auch dass
Jungtiere an Unterkühlung zugrunde gingen, sei bereits vorgekommen, sagt Beer. Wichtiger als das
tatsächliche Überleben der Brut ist für den BUND-Ortsvorsitzenden jedoch, dass die Flächen des
Markdorfer Storchenprojektes grundsätzlich geeignet sind als Lebensraum für die Zugvögel: "Der Tod der
Jungtiere ist sehr bedauerlich", sagt Beer, "aber entscheidend ist, dass wir sicherstellen können, dass die
Nahrungsverfügbarkeit in Markdorf ausreicht, um den Störchen das Überleben zu ermöglichen."
Selbstverständlich sei dies keineswegs, nachdem Störche auf großflächige und feuchte Wiesen
angewiesen seien, zugleich aber vor allem im Ried die Wasserfroschpopulation seit Jahren zurückgehe.
Derzeit gebe es offenbar genügend Lebensraum für Adebar. Ob das Nahrungsangebot indes auf Dauer
ausreichen werde, könne man erst nach langjähriger Beobachtung sagen.
Dass man nun als Tierfreund Mitleid hat mit den verendeten Störchen, versteht Beer durchaus. "Das darf
man aber nicht so einseitig sehen", meint der Experte. Der BUND betreibe bewusst weder Tierhaltung
noch Artenschutz, denn, so Beer: "Dass die Tiere nun erfroren sind, ist auch ein Stück weit natürliche
Selektion." Mit anderen Worten: Ist ein Tier nicht überlebensfähig, wäre es gegen die Natur, würde man
in den Prozess der Auslese eingreifen. Der Jungstorch, der im Hepbacher-Leimbacher Ried überlebt habe,
sei hingegen ein kräftiges Exemplar, das sich auch künftig gegen Widrigkeiten durchsetzen werde.
"Außerdem", fügt der BUND-Vorsitzende an, "ist der Weißstorch auch nicht so gefährdet, dass man ihn
unter Artenschutz stellen müsste".
(Stand: 08.06.2007 02:01)
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