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Schwäbische Zeitung Markdorf,
Freitag, 19.10.2007
Bagger baut Bach ein neues Bett
HEPBACH-LEIMBACH (elo) Wo sonst selbst Spaziergänger die Wiesenvögel
stören würden, hat gestern ein großer Bagger im Erdreich
gewühlt: Im Hepbach-Leimbacher Ried fließt die Brunnisach jetzt
auf 330 Metern in einem neuen Bett. Außerdem sind Furten für
die Heckrinder angelegt und zwei neue Infotafeln aufgestellt worden.
Zwei Störche staksen auf roten Beinen durchs Gras, aus der Ferne
äugen die Heckrinder herüber: So viele Menschen und Maschinen
auf einmal bekommen die Tiere im Hepbach-Leimbacher Ried nicht oft zu
sehen. Noch fließt die Brunnisach zügig unter der Brücke
südlich der Rinderweide durch, aber schon hat der große blaue
Bagger angefangen zu schaufeln. Wenige Meter unterhalb der Brücke
zweigt das vorbereitete neue Bachbett ab und windet sich in weiten Mäandern
durchs Gelände. Schaufel um Schaufel errichtet der Bagger einen Damm
vor dem alten Bachbett. Bald staut sich das Wasser, dann sucht es sich
einen neuen Weg - wie geplant in das neue Bett.
Die Baumaßnahme soll den Bach wieder lebendig machen: Aus 330 Metern
begradigtem Kanal soll ein dynamisches Gewässer werden, das sein
Umfeld selbst gestaltet, an den Prallhängen Erdreich abträgt
und es woanders wieder auflandet. Auf weiteren 500 Metern oberhalb der
Brücke sollen Uferanrisse und Wurzelstrünke im Wasser eine ähnliche
Entwicklung anstoßen. Ziel der Maßnahmen ist es, das Niedermoor
im Hepbach-Leimbacher Ried wieder zu vernässen, erklärt Projektleiter
Dieter Schmid vom Kreisumweltamt. Die Brunnisach soll bei Hochwasser über
die Ufer treten und der Grundwasserstand soll sich heben.
186 Hektar Fläche im Gebiet Hepbach-Leimbacher Ried gehören
nach Auskunft von Wilfried Franke dem Landkreis. Sie sollen zum großen
Teil wieder offene und feuchte Riedlandschaft werden, sagt der Dezernent
für Umwelt und Technik im Landratsamt. Das Naturschutzgebiet Hepbach-Leimbacher
Ried profitiert davon, dass es eines der 17 Teilprojekte im Interreg-Projekt
"Feuchtgrünland und Storchenlebensräume zwischen Alpenrhein
und Donau" ist. Vorarlberg, die Schweiz, Liechtenstein und Deutschland
arbeiten seit 2005 daran, ein Netzwerk von Riedwiesen zu schaffen. Auf
deutscher Seite sind die Landkreise Konstanz, Sigmaringen, Ravensburg
und der Bodenseekreis beteiligt.
Dank der Projektgelder hat die Brunnisach nicht nur ein neues Bachbett
bekommen: Neu sind auch Furten, an denen die Heckrinder den Bach künftig
überqueren können. Ihr Weidegebiet soll ausgedehnt werden, so
dass sie weitere Teile des Riedes offen halten können. Auch die Baustelle
am neuen Bachbett wird nicht mit Büschen oder Bäumen bepflanzt:
Wiesenbrüter wie der große Brachvogel und auch die Störche
brauchen eine offene Landschaft, um sich sicher zu fühlen. Dass bereits
Störche im Hepbach-Leimbacher Ried gebrütet haben, wertet Dezernent
Franke als gutes Zeichen.
(Stand: 19.10.2007)
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