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Riedflieger wollen mehr Luftraum

 

Südkurier Markdorf, Freitag, 19.10.2007


Riedflieger wollen mehr Luftraum

Eigentlich hätte es eine rein Oberteuringer Angelegenheit und längst vom dortigen Gemeinderat abgesegnet sein sollen: Der Modellfliegerverein "Aero-Modell-Club Graf Zeppelin", der sein Vereinsgelände auf Teuringer Gemarkung im Hepbacher-Leimbacher Ried hat, will seine Flugzone um das Dreifache ausweiten. Damit wäre jedoch auch die Stadt Markdorf betroffen. Dort wusste man aber bis gestern noch nichts von diesen Plänen.

 

Markdorf/Oberteuringen - Die Angelegenheit, die Oberteuringens Bürgermeister Karl-Heinz Beck am liebsten ohne viel Aufhebens im Sinne des Vereins entscheiden lassen wollte, wächst sich nach Recherchen des SÜDKURIER nun offenbar aus zu einem Politikum. Der Hintergrund: Der Aero Modellclub Graf Zeppelin will das erlaubte Abfluggewicht seiner Flugzeuge von derzeit 15 auf künftig 25 Kilogramm erhöhen. Um die schwereren Flugzeuge starten lassen zu können, ist jedoch nach geltenden Richtlinien eine Ausweitung des Flugraumes nötig. Die wiederum muss das Regierungspräsidium (RP) Tübingen genehmigen - nachdem es Träger öffentlicher Belange wie die betroffene Gemeinde und die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt gehört hat. Sowohl die Gemeinde als auch die Naturschützer im Landratsamt müssen daher Stellungnahmen ans RP schicken.

Zu diesem Zweck hatte der Teuringer Gemeinderat eigentlich gestern Abend einen Beschluss in der Sache fällen wollen. Dazu kam es aber nicht, der Punkt wurde abgesetzt. Der Grund: Bei einem nichtöffentlichen Vor-Ort-Termin am Dienstag auf dem Vereinsgelände im Gewann Entengrabenesch offenbarte das Ansinnen des Clubs eine unerwartete Brisanz. Betroffene Anwohner, darunter mehrere Landwirte, äußerten massive Kritik an den Plänen zur Ausweitung der Flugzone. Bereits jetzt, so einer der Landwirte, sei der Fluglärm vor allem zur Erntezeit kaum ertragbar. Eine andere Landwirtin kritisierte, dass das Wild im Ried kaum mehr eine Rückzugsmöglichkeit hätte - wenn die Flieger nun noch weiter ins Ried hinein gesteuert würden, hätte dies verheerende Auswirkungen.

Zuvor hatte der Vereinsvorsitzende Walter Kolb die geplante Ausweitung der Flugzone erläutert. Um auch künftig bei Wettkämpfen konkurrenzfähig zu sein, müsse der Verein die Möglichkeit haben, auch schwerere Flugzeuge fliegen lassen zu können. Kolb selbst regte an, dass die Vereinsmitglieder freiwillig verzichten könnten, einen ausgeweiteten Flugraum tatsächlich zu nutzen. Wichtig sei ihnen alleine die Starterlaubnis für das schwerere Fluggerät. Gerade mit der Flugdisziplin hatte es aber offenbar in der Vergangenheit Probleme gegeben. Beck sagte, der BUND habe ihm mitgeteilt, dass der genehmigte Flugkorridor wiederholt nicht eingehalten werde. Dies gestand Kolb ein. Doch es gebe einen Flugleiter, der ein Auge darauf habe. Sanktionsmöglichkeiten gegen Verstöße sehe die Vereinssatzung jedoch nicht vor.

Nach dem Vor-Ort-Termin äußerten auch die Gemeinderäte Skepsis. Wolfgang Sauter forderte, die Mitglieder müssten verbindlich Entfernungsmesser benutzen. Hans Leo Rueß, der als angrenzender Wiesenbesitzer selbst betroffen ist, sagte, einer solchen Ausweitung könne er, obwohl er Freund des Vereins sei, keinesfalls zustimmen. Auch Gebhard Geiger sagte, die Ausweitung müsse definitiv deutlich zurückgenommen werden, zumal die neue Zone direkt über ein Privatanwesen führen würde. Einig waren sich schließlich alle Räte mit Beck, der ankündigte, dass man sich nochmals zusammensetzen und mit allen Beteiligten einen Konsens anstreben werde.

Ein solches Procedere dürfte nun auch auf die Stadt Markdorf und deren Gemeinderat zukommen. Nachdem die ausgeweitete Zone bis auf Hepbacher und Riedheimer Gemarkung reichen würde, wird das RP nun auch die Stadt Markdorf um eine Stellungnahme bitten. Beim RP hatte man diesen Umstand bislang übersehen, wie Pressesprecher Wolfgang Wenzel einräumte. Erst nach dem gestrigen Anruf des SÜDKURIER sei das Versäumnis bemerkt worden, sagte Wenzel beim zweiten Telefonat: "Die Gemeindegrenze ist bei uns etwas untergegangen." Neben allen Stellungnahmen stehe zudem auch jene des Naturschutzreferates des RP noch aus. "Wenn die naturschutzrechtlichen Bedenken zu große Auswirkungen haben, werden wir nicht zustimmen", sagte Wenzel gestern. Eine Entscheidung sei nach der jüngsten Entwicklung frühestens im Laufe des nächsten Jahres zu erwarten. Bei der Stadt herrschte gestern komplette Ahnungslosigkeit. "Bei uns ist definitiv noch nichts auf dem Tisch gelandet", sagte Stadtbauamtsleiter Gebhard Geiger. Der Verwaltung sei die Angelegenheit nicht bekannt.

Entsetzt gab man sich gestern beim BUND-Ortsverein in Markdorf. Bislang sei man in die Planungen noch nicht eingebunden, hieß es auf Nachfrage. Der Vorsitzende Franz Beer wolle sich daher nochmals mit Beck in Verbindung setzen. Man werde aber darauf drängen, dass die alte Flugzone auch künftig eingehalten werde. Modellflieger in direkter Nachbarschaft mit dem Landschafts- und Naturschutz, dies schließe sich grundsätzlich aus, hieß es beim BUND.

 

(Stand: 19.10.2007 02:15)

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