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Flussmuschel wieder da

 

Südkurier Markdorf, Samstag, 03.11.2007


Flussmuschel wieder da

Die kleine Flussmuschel, eine der am meisten bedrohten Fließwasserorganismen, ist auf Markdorfer Gemarkung wieder aufgetaucht. Für den BUND-Vorsitzenden Franz Beer ist das "eine kleine Sensation", denn Unio Crassus gehört in Baden-Württemberg, wenn nicht in ganz Deutschland, zu den seltensten Wassertieren überhaupt. Und dies, obwohl sie noch Anfang des 20. Jahrhunderts in Massen auftrat.

 

Sensationelle fünf Zentimeter: Die in Markdorf entdeckte kleine Flussmuschel ist in den meisten Bundesländern fast ganz ausgerottet. Links Franz Beer, rechts Karl Wegis.

Markdorf - Das Büro für Artenschutz und Landschaftsplanung in Konstanz hat den Bestand der Kleinen Flussmuschel auf Markdorfer Gemarkung von Juni bis September 2006 im Auftrag des BUND Markdorf untersucht. An sechs Bächen in drei Gewässersystemen wurde auf einer Länge von 5,9 Kilometern ein Bestand von etwa 20000 Exemplaren ermittelt. Eine überdurchschnittliche Individuendichte, wie das Gutachten ausweist. Der Lipbach habe mit geschätzten 10000 Tieren den größten Bestand auf der Gemarkung und im Regierungsbezirk Tübingen. Mit 3500 bis 6000 Muscheln zählen der Riedgraben bei Ittendorf und der Breitenriedgraben ebenfalls zu den großen Vorkommen im Regierungsbezirk. Markdorf beherbergt laut Gutachter Stefan Heitz etwa 53 Prozent des Gesamtbestandes im Regierungsbezirk.

Heitz nennt Gewässerunterhaltung und Austrocknung als Hauptgründe für den Rückgang der Bestände. Um Verluste durch Austrocknung am Breitenriedgraben und am Riedgraben zu verhindern, sei auf eine Erhöhung der Mindestwasserführung hinzuwirken. Der Gutachter weist ferner darauf hin, dass durch die Ausweisung eines zehn Meter breiten Uferstreifens entlang der Muschelbäche der Eintrag von Nähr- und Schadstoffen vermindert werden könne.

Besonders erfolgreich waren die systematischen Untersuchungen, denn mit den Neufunden konnte der Bestand der Kleinen Flussmuschel im Regierungsbezirk verdoppelt werden. "Die Stadt Markdorf", so das Gutachten, "hat daher als zuständige Kommune und Unterhaltungsträger eine besondere Verantwortung für die vom Aussterben bedrohte Tierart".

Franz Beer und Karl Wegis von städtischen Bauhof haben sich gestern auf die Suche gemacht und sind im Bildbach fündig geworden. Doch das war nicht einfach, weil sich laut Beer die Tiere aufgrund kalter Nächte bereits in den Schlick eingegraben haben. "Jetzt müssen auf diese Gewässer umfangreiche Schutzmaßnahmen aufgrund der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien angewendet werden. Beim Bildbach griffen diese noch nicht", sagte Beer. Wenn, dann gäbe es auch Gelder von der EU. Auf Markdorf aufmerksam geworden sei man nach Zufallsfunden auf der Häfler Gemarkung.

Früher, so Franz Beer, sei die kleine Flussmuschel landesweit verbreitet gewesen. Der BUND-Vorsitzende kennt alte Fotos mit Bauern, die diese Tiere schubkarrenweise als Enten- oder Schweinefutter abtransportieren. Die Muschel aus dem Bildbach hat eine Länge von knapp fünf Zentimetern. Beer schätzt ihr Alter aufgrund der Jahresringe auf sieben Jahre. Die im Schlamm aufwachsenden Larven klammern sich an die Kiemen von Kleinfischen und werden so in den Gewässern verbreitet.

Ein dickes Lob spricht der BUND-Vorsitzende dem städtischen Bauhof und dem Maschinenring aus, die für die Gewässer verantwortlich sind. Wo bislang die Grabenfräse für Kahlschlag in den kleinen Gewässern sorgte, arbeitet jetzt ein Maschinenring-Unternehmen im Dienste der Stadt mit Geräten, die Kleintieren das Überleben ermöglichen. Ein für Fische und Lurche durchlässiger Mähkorb mit Messerbalken gehört dazu.

 

 

(Stand: 03.11.2007 02:15)

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