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Fleißige "Eichhörnchen"

Im Frühling halfen sie den Rebleuten bei der Arbeit und nun durfte sich die BUND Kindergruppe " Eichhörnchen" ihren süßen Lohn bei Rebmeister Gutemann abholen.

Einige der Kinder gingen im April zum Rebstück am ehemaligen Krankenhaus, um dort Pheromonkapseln in die Rebstöcke zu hängen. Vorher lernten sie noch so allerhand über diese sonderbaren, braunen Kunststoffkapseln und über den "Traubenwickler". Sie hörten, dass es sich bei diesem Tier um eine unscheinbare braune Motte handelt, deren Larven im Frühjahr die Blütenknospen fressen und im Sommer die Trauben aushöhlen. Früher wurden diese Schädlinge mit Gift bekämpft. Heute versucht man mit einem raffinierten Trick die Traubenwicklermännchen daran zu hindern, für eine große Nachkommenschaft zu sorgen. In den Frühlingsnächten fliegen die Männchen umher um paarungsbereite Weibchen zu finden. Die Weibchen sitzen in den Rebstöcken und möchten auch gerne gefunden und begattet werden, deshalb verströmen sie einen ganz persönlichen Traubenwicklerweibchenduft (Pheromon), der in der Dunkelheit die Männchen anlockt und ihnen den Weg zeigt. Wenn nun in den Rebstöcken die Kapseln hängen und genau den gleichen Duft verströmen, können sich die Männchen ganz ordentlich verirren. Sie wissen nicht mehr, wo sie hinfliegen müssen, um eine Partnerin zu finden, weil von überall der gleiche lockende Duft kommt. Wenn aber die Weibchen nicht begattet werden, legen sie auch keine Eier, weil diese nicht befruchtet sind. Also gibt es auch später keine Traubenwicklerlarven, die wachsen, viel fressen wollen und dadurch Schäden anrichten. Das alles erfuhren die Kinder, dann zählten sie eifrig und liefen in jede dritte Reihe, um an jeden vierten Stock eine Pheromonkapsel zu hängen. Allen machte die Arbeit Spaß und außerdem lockte ein Lohn, der ihnen von Rebmeister Hubert Gutemann für den Herbst versprochen wurde.

In den Herbstferien war es dann soweit. Die Traubenlese war vorbei und die Gruppe traf sich am Rebhaus in der Wangener Halde, wo sie die letzten Rebstöcke abernten durfte. Von Herrn Gutemann wurden sie mit dem nötigen Werkzeug ausgestattet. Ein grüner Eimer für die guten, ein weißer Eimer für die schlechten Trauben und eine spitze, scharfe Schere zum schneiden. Die bekam jeder aber erst nach der kurzen Einführung und nach dem Blick in das Refraktometer. Der Saft einer appetitlich lecker aussehenden dunkelblauen Beere wurde in das Messgerät gegeben und alle konnten sehen, dass sie einen Zuckergehalt von 80 Grad Oexle hatte. Dann griff Herr Gutemann zu einer der schimmeligen, grauen Beeren. " Solche schneide ich nicht, ich schneide nur die schönen ab" klang gleich eine Stimme aus dem Hintergrund. Der Blick ins Refraktometer zeigte, dass die hässliche Beere, die kein Mensch mehr freiwillig essen würde, mit 116 Grad Oexle noch viel süßer war.

Ganz schnell waren die Rebstöcke abgeerntet und nur einer zwickte sich mit der Schere ein wenig in den Finger und spürte gleich wie sehr der Traubensaft in der kleinen Wunde brennen kann. Nun mussten die Beeren vorgestampft werden. Es wäre auch jemand bereit gewesen, seine Schuhe auszuziehen und sie mit den nackten Füßen zu bearbeiten. Aber die anderen wollten nicht so recht und so wurde dann doch der große Holzstampfer genommen. Das hat auch Spaß gemacht und der Stampfer wanderte von Hand zu Hand. Kaum war die Maische in die kleine Presse gefüllt, floss auch schon der süße Saft. Zu zweit und zu dritt arbeiteten die Kinder, um auch den letzten Tropfen auszupressen. Die kleine alte Presse drohte zu zerbrechen und musste zum Schluss von Herrn Gutemann vor dem Ansturm gerettet werden. Ein leckerer Saft floss da in Eimer und Flaschen und aus der hohlen Hand getrunken, oder von den Fingern geschleckt, hat er wohl noch am besten geschmeckt. Die mitgebrachten Trinkflaschen wurden geleert und mit Traubensaft wieder aufgefüllt. Einer der guten Tropfen kam wieder ins Refraktometer und jeder konnte sich davon überzeugen, dass der Zuckergehalt nun bei 91 Grad Oexle lag. Ein prima Lohn war das, den die Kindergruppe da bekam und es ist sicher, dass den Kindern der süße Saft der roten Markdorfer Trauben mindestens genauso gut schmeckte, wie den Erwachsenen das Glas vom Markdorfer Roten beim Neujahrsempfang.

 

 

 

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