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Schwäbische Zeitung (Ausgabe Markdorf), Donnerstag, 28.06.2001
Die Urenkel des Auerochsen weiden im Ried
HEPBACH (nz) - Dank gezielter menschlicher Eingriffe entwickelt sich
das Hepbach-Leimbacher Ried zusehends zu einem intakten Niedermoor. Zwei
neue Teiche und ein neues Beweidungskonzept mit vier "Heckrindern"
- Nachfahren der ausgestorbenen Auerochsen - sind die jüngsten Ergebnisse
des Renaturierungskonzept von Kreis, BUND und Stadt Markdorf. Mit dem
nunmehr komplettierten Rundweg Nr. 9 und einer Beobachtungshütte
lommt auch der Naturfreund auf seine Kosten.

Zeigten Flagge fürs Ried: Vertreter von Kreis, BUND und Stadt Markdorf.
SZ-Foto:Kleinganz
"Ein abgerundetes und gutes Projekt", befand Landrat Siegfried
Tann. Nicht nur unter dem Eindruck der Fortschritte bei der Renaturierung,
sondern weil das Schutzgebiet nun ideale Voraussetzungen für diskrete
Naturbeobachtung bietet.
Der naturkundliche Rundweg Nummer 9 reicht neuerdings bis an die nordwestliche
Grenze des Schutzgebietes. Den Stichweg dorthin hat die Stadt Markdorf
angelegt.
Auf einer Anhöhe erwartet den Wanderer eine Beobachtungshütte
des BUND Markdorf, aus deren Deckung sich reizvolle Blicke auf die prächtige
Niedermoorlandschaft auftun. Am besten mit Feldstecher - und etwas Geduld
- können von hier aus seltene Vogelarten beobachtet werden. Störungen
der Tierwelt sind somit ausgeschlossen. Eine Orientierung über Fauna
und Flora sowie das gesamte Renaturierungsprojekt geben Infotafeln und
Broschüren.
Etliche Arbeitstunden haben die Markdorfer BUND-Aktiven in den Bau der
Hütte investiert, insbesondere in die Ernte und Schnitt des Schilfrohrs,
dem Material für die Dachabdeckung. Wertvolle Ratschläge, so
der erste Vorsitzende Franz Beer, erhielt man vom Pfahlbaumuseum Unteruhldingen.
Für die statische Grundkonstruktion zeichnet der Zimmereibetrieb
Alfons Vielliber verantwortlich.
Wohl der spektakulärste Hingucker sind die so genannten "Heckrinder",
die seit vier Wochen durch das sumpfige Grün am Nordufer der Brunnisaach
stapfen. Die Hepbacher Riedhalde - Pachtgelände des BUND - und ein
Teil der vom Landkreis erworbenen Hutwiesen dienen den Nachfahren des
Auerochsen als Weidegrund. Die Tiere stammen aus einem Betrieb in Neumarkt/Oberpfalz,
der sich auf Rückzucht spezialisiert hat. Man braucht aber etwas
Glück und ein geschultes Auge, um einen Blick auf die scheuen Ur-Rinder
zu erhaschen. Angeführt von einem schwarzen Stier, halten sie sich
meist im Schutz von Gebüsch und hohem Schilf auf.
Die Tiere sind indes weit mehr als eine bloße zoologische Attraktion.
Vielmehr noch sind sie die Idealbesetzung für ein naturnahes, ganzjähriges
Weidekonzept, das der Artenvielfalt insgesamt zuträglich ist. Die
maßvolle, aber kontinuirliche Beweidung reguliert eine abwechslungsreiche
Biotopstruktur, die "Fraßinseln" und dichten Bewuchs gleichermaßen
zulässt. Seltene Hecken- und Bodenbrüter, etwa Wachteln, finden
ideale Bedingungen vor.
Ehrenamtliche und behördliche Naturschutzvertreter zeigten sich angtan
vom Gesamtkonzept. "Der Bürger soll ja auch was davon haben",
sach Tann sein Anliegen erfüllt. Franz Beer sprach von praktizierter
"Umweltbildung" und betonte, dass Naturschutz nicht zwangsläufig
unter der berühmten "Käseglocke" stattfinden müsse.
Als "Seele des Projetes" bezeichnet er den erfolgreichen Grunderwerb
im Gebiet. Auch in Zukunft wolle man mit Kreis und Landwirten im Gespräch
bleiben, um noch fehlende Teilflächen aufzukaufen, erklärte
Markdorfs Ortsbaumeister Gebhard Geiger.
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