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Schwäbische Zeitung (Ausgabe Markdorf), Donnerstag, 25.03.2004


Wo kommen die tödlichen Gummiringe her?

MARKDORF − Wo kommen die Gummiringe her? Franz Beer fahndet noch immer nach der Quelle des „Zivilisationsschrotts”, der im vergangenen Jahr die jungen Störche im Naturschutzgebiet Eisweiher das Leben gekostet hat. Das Unglück soll nicht noch einmal passieren: Die jungen Vögel waren mit den Mägen voller Gummiringe jämmerlich verhungert.

 


Wo finden die Störche solche Gummiringe? Franz Beer zeigt den Mageninhalt der verstorbenen Jungstörche.
Foto: Elke Oberländer

 

Braune Gummiringe unterschiedlicher Länge und Stärke, dicke gelbe Gummistückchen, ein dreieckiges Kunststoffteil, das aussieht wie das Bruchstück eines Geodreiecks − „man kann sich kaum vorstellen, was wir in den Mägen der beiden Vögel gefunden haben”, sagt Franz Beer. Hühnergroß waren die Störche und etwa vier Wochen alt, schätzt der Biologe, als sie im Juni des vergangenen Jahres in ihrem Nest verstorben sind.

 

Als Beer zwei Wochen später den Storchenhorst untersuchte, fand er nur noch Federn, Knochen und die unnatürlich großen Mägen der Jungvögel vor. Sie enthielten jeweils einen dicken Knäuel aus über 20 Gummiringen, berichtet der Biologe. Für Beer ist die ganze Sache „höchst mysteriös”: Er kann sich nicht erklären, wo eine „solche Konzentrierung von Gummiringen” vorkommt. Die Teile ganz verschiedener Größe sehen nicht so aus, als stammten sie aus einer Vorratstüte mit frischen Einmachgummis.

 

Die Störche könnten sie mit Würmern verwechselt haben, vermutet der Biologe. Aber woher haben sie die Gummis? „Es geht uns nicht darum, jemanden zu finden, auf den wir mit dem Finger zeigen können”, sagt Beer. Aber der Biologe hofft noch immer, die Ursache für den Tod der Vögel aufklären zu können − damit es nicht wieder passiert. Der Horst im Naturschutzgebiet Eisweiher ist bereits besetzt. Ungewöhnlich ist, dass das Storchenweibchen zwei Ringe am Bein trägt - woher es kommt, hat Beer noch nicht herausgefunden. Er geht davon aus, dass es sich nicht um einen Wildstorch handelt. Das Männchen ist ein alter Bekannter: Es hat im vergangenen Jahr im Hepbach-Leimbacher Ried gebrütet.

 

Im Hepbach-Leimbacher Ried sind die Jungstörche im vergangenen Jahr ebenfalls verstorben - fast zeitgleich mit denjenigen im Eisweiher. Der Tod der Riedstörche ist dem Biologen vollkommen unerklärlich: In ihrem Horst hat er keine Rückstände gefunden, die auf irgendeine Todesursache schließen ließen, auch keine Gummi- oder Kunststoffstückchen. Wenn die Eisweiher-Störche die tödlichen Gummiringe von der Mülldeponie Weiherberg in Raderach geholt hätten, dann hätten sich im Horst der Riedstörche auch solche Gummiteile gefunden, vermutet Beer. Denn die Riedstörche haben es sehr viel näher zur Mülldeponie.

 

Die Markdorfer BUND-Gruppe hat sich vorgenommen, die Störche in dieser Saison noch intensiver zu beobachten. Im vergangenen Jahr ist eine Praktikantin den Tieren tagelang mit dem Fahrrad gefolgt, um zu sehen, wo sie ihre Nahrung finden: vor allem Frösche, Regenwürmer, Schnecken, Mäuse und Heuschrecken. Aber die Beobachtung ist sehr zeitaufwändig: Störche sind 16 bis 18 Stunden am Tag aktiv, sagt Beer. Er hofft, dass sich Storchenpaten finden, die bei der Betreuung der Vögel mithelfen oder einen finanziellen Beitrag dazu leisten.

 

Wer Hinweise geben kann, wo die Störche die Gummiringe gefunden haben, oder wer Storchenpate werden will, wendet sich an die Markdorfer BUND-Geschäftsstelle in der Ittendorfer Straße 3, Telefon 0 75 44 / 51 62.

 

Elke Oberländer

 

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