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Südkurier (Ausgabe Markdorf), Donnerstag, 01.07.2004


Rätsel um Gummiringe gelöst


Storchentod: Bänder aus Erdbeer-Anbau werden mit Würmern verwechselt

MARKDORF − Das Rätsel um die Herkunft der Gummiringe, die Pfingsten 2003 im Eisweihergebiet zum Tod von zwei Jungstörchen führten, ist gelöst. Sie stammen von gebündelten Erdbeerjungpflanzen und blieben beim Einpflanzen auf Feldern zwischen Markdorf und Bermatingen liegen. Das hat Franz Beer vom BUND-Storchenprojekt jetzt in Erfahrung gebracht.

 



Gummibänder, mit denen Erdbeerjungpflanzen gebündelt waren, sind von Jungstörchen für Regenwürmer gehalten worden und brachten den Tod. Das hat Franz Beer vom BUND-Markdorf inzwischen herausgefunden. Bild: Lang

 

So hoffnungsvoll das Storchenprojekt zunächst verlief, so traurig endete es im vergangenen Jahr. Zwei Storchenjunge erblickten im Eisweiher-Nest das Licht der Welt. Dies, nachdem bereits 2001 der Nachwuchs im Dauerregen dort ertrunken ist.

 

Umso rätselhafter erschien der Storchentod an Pfingsten 2003. Äußerlich fand Franz Beer keine Antwort auf die Frage nach der Ursache. Erst eine Untersuchung der Mageninhalte brachte den Lösungsansatz. Die Jungstörche hatten Gummiringe in größeren Mengen gefressen. Doch wo die herkamen, blieb unklar. Der Hinweis einer Leserin brachte schließlich Licht ins Dunkel. Die Frau, die auf Erdbeerfeldern jobbte, erinnerte sich daran, dass Erdbeerjungpflanzen in Bündeln geliefert wurden. Und die waren mit Gummiringen fixiert.

 

Franz Beer hat sich vergewissert und er wurde fündig. Massenhaft fanden sich auf den Feldern zurückgelassene Gummibänder. Für die Störche waren die „Regenwürmer” ein gefundenes Fressen. Denn das mussten einfach Regenwürmer sein, die beim Aufpicken so lebendig zappelten. Fatal für den Storchennachwuchs. Der verfügt laut Beer noch nicht wie die ausgewachsenen Vögel über die Fähigkeit, Unverdauliches als Gewölle wieder auszuwürgen. Bis zu 20 Gummis fand Beer in einem Magen. Die gleichen Bänder, die Beers Biologie-Kollege Heiner Bühler in Massen einsammelte, als er zusammen mit der Polizei Felder kontrollierte. Für die Gesetzeshüter war der Fall damit erledigt. „Die Gummis wurden zwar achtlos auf den Feldern zurückgelassen, aber das ist kein Straftatbestand”, sagte Markus Sauter, der Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei der Polizeidirektion Friedrichshafen, auf Anfrage. Daher werde auch nicht weiter ermittelt.

 

Für Franz Beer hingegen war das erst recht ein Grund, tätig zu werden. Er hat die Besitzer von Erdbeerfeldern informiert, die ihm bekannt waren. Auf dem Weg über das Landwirtschaftsamt will der nun einen generellen Appell bewirken.

 

Derweil haben sich in der Markdorfer Storchenszene etliche Veränderungen ergeben. Der Storch aus dem Eisweiher bebrütet mittlerweile drei Eier in Daisendorf. Das alte Nest hat ein neues Storchenpaar bezogen, das jedoch keinen Nachwuchs hat. Ein anderes Männchen ist nach Wangen ausgeflogen, wo es sich ein Nest baute und sehr zur Freude der Wangener brütet. Im Leimbach-Hepbacher Ried hält sich Beer zufolge ein Trupp von acht Junggesellen männlichen und weiblichen Geschlechts auf. Sie sind jedoch noch nicht geschlechtsreif, so dass in diesem Jahr dort der Nachwuchs ausbleibt.

 

Winfried Thum

 

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