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Schwäbische Zeitung (Ausgabe Markdorf), Donnerstag,
01.07.2004
Neue Erdbeerfelder sind gefährlich für Störche
MARKDORF − Ein Rätsel ist gelöst: Am Rand eines Erdbeerfelds bei Bermatingen hat eine Spaziergängerin einen ganzen Haufen Gummiringe gefunden − genau solche Gummiringe wie diejenigen, an denen im vergangenen Jahr die Jungstörche im Markdorfer Naturschutzgebiet Eisweiher verendet sind.
Gefunden am Rand eines Erdbeerfeldes: Ein ganzer Haufen Gummiringe von der Sorte, an der die Jungstörche im Eisweiher verendet sind. Foto: Elke Oberländer
„Wir wissen nicht, an welchem Erdbeerfeld die Störche damals die Gummiringe gefunden haben”, sagt Franz Beer. „Aber wir haben jetzt einen Modellfall.” Der Biologe vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Markdorf hatte im vergangenen Jahr die beiden verendeten Jungtiere in ihrem Horst untersucht. Die Mägen der beiden kleinen Vögel waren gefüllt mit Gummiringen. Beer vermutet, dass die Elterntiere die Gummiringe für Würmer gehalten und sie ihrem Nachwuchs verfüttert haben.
Gummiringe von Erdbeerpflanzen
„Wo findet man in der Landschaft so viele kleine Gummis?”, hatte der Biologe damals gefragt. Und sich an die Zeitung gewandt. Die Spaziergängerin, die jetzt in der Nähe von Bermatingen den Haufen Gummiringe entdeckt hat, hat sich an den Zeitungsbericht erinnert − und die Polizei verständigt. Polizeibeamte haben die gefährlichen Gummiringe eingesammelt und bei Franz Beer abgegeben. Sie lagen nicht zufällig am Rand eines Erdbeerfeldes. Offenbar werden junge Erdbeerpflanzen mit Gummiringen gebündelt angeliefert. Wenn die Pflanzen in die Setzmaschine kommen, um ein neues Feld zu bestücken, bleiben die Gummiringe zurück. Das haben Nachforschungen der Polizei ergeben. In Bermatingen haben die Betreiber des Erdbeerfeldes den Gummiabfall am Ackerrand liegen gelassen.
Dasselbe muss im vergangenen Jahr irgendwo in der Nähe des Eisweihers passiert sein, sagt Biologe Beer: Jemand hat ein Erdbeerfeld neu angelegt, die Gummiringe nicht aufgeräumt und die Störche haben den Zivilisationsmüll als vermeintliches Futter für ihre Jungen in ihren Horst im Naturschutzgebiet getragen. So sind die Jungvögel mit vollem Magen verhungert. Der Vater der verendeten Jungstörche im Eisweiher hat in diesem Jahr in Daisendorf mit einer neuen Partnerin einen Bruthorst begründet. Das Nest im Eisweiher hat ein anderes Storchenpaar bezogen, das aber keine Eier gelegt hat.
Im Hepbach-Leimbacher Ried waren im vergangenen Jahr ebenfalls die Jungstörche eingegangen. In ihrem Nest hatte Beer jedoch keine Gummireste gefunden. Der Tod dieser Jungvögel ist dem Biologen nach wie vor vollkommen unerklärlich.
Storch-Frau ist verschollen
Dieses Frühjahr hat der männliche Storch im Hepbach-Leimbacher Ried vergeblich auf seine Partnerin gewartet. Sie ist verschollen. Der Storch hat daraufhin in Wangen mit einer anderen Störchin ein neues Nest bezogen. Im Hepbach-Leimbacher Ried halten sich zurzeit acht Stöche auf. Sie sind noch nicht geschlechtsreif, sagt der Biologe. Zwei von ihnen übernachten regelmäßig zusammen in einem Nest − für Beer ein sicheres Zeichen, dass die beiden ein Paar sind. Vielleicht sind sie nächstes Jahr alt genug zum Brüten und es gibt wieder Nachwuchs im Ried.
Elke Oberländer
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