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Südkurier (Ausgabe Markdorf), Samstag, 29.01.2000
Ohne Komfortverzicht Stromkosten halbieren
Ein Abend zum Wachrütteln: Informationsveranstaltung
rund um den Strom
Markorf (sam) Der Strom ist weder gelb noch schwarz, auch nicht
rot oder blau. Der Strom ist grün. Oder soll es zumindest werden,
wenn es nach dem Willen der Veranstalter, dem BUND, der evangelischen
Kirchengemeinde und den vier Referenten des Abends geht. Jetzt werde es
Zeit, sich Gedanken zu machen. Mit der neu gewonnenen Freiheit durch die
Liberalisierung des Strommarktes sei dem Verbraucher auch größere
Verantwortung zugewachsen. Nach der Begrüßung durch Pfarrer
Albrecht Herrmann bezogen Edmund Mahler, Wolfgang Jürgensmeyer, Elli
Miller und Frieder Böhme engagiert Stellung. Über klare Meinungen,
eindeutige Statements und Ratschläge durften sich die über 100
Gäste freuen.
"Geld spielt derzeit eine größere Rolle als die Moral.
Auch im Energiebereich wird sich das rächen." Damit eröffnete
Pfarrer Herrmann eine muntere Vortragsrunde mit hohem Informationswert.
Schon bei den Herstellungskosten für Strom werde "gelogen, dass
sich die Balken biegen", erklärte Jürgensmeyer. Denn etwa
1,50 Mark, die bei der Photovoltaik anfallen, werden von seitens der Atomwirtschaft
sieben Pfennige gegenübergestellt. Wenn man allerdings die Verschrottung,
EWndlagerung und die Versicherungen hinzuzähle, komme man auf vier
Mark für die Kilowattstunde. Laut Jürgen Möllemann verursachte
ein Supergau, wie der in Tschernobyl in Deutschland alleon materielle
Schäden in Höhe von 10000 Milliarden Mark. Die versicherungssummen
der Kernkraftwerksbetreiber belaufen sich allerdings nur auf gerade mal
einen Milliarde.
Das Energiewitschaftgesetz aus dem Jahre 1936 habe mit möglichst
geringem Aufwand an Arbeits- und Kapitaleinsatz eine sichere Versorgung
geährleisten wollen. Dies sei nach Auffssung des Energieberaters
Jürgensmeyer auch gelungen. Allerdings für den PReis der Monopolisierung.
Jeder, der Strom haben wollte, musste auch beliefert werden, dafür
gewährte das Gesetz des Energieversorgern Gebietsschutz und Preisstabilität:
"Der Filz zwischen öffentlichen öffentlicher Verwaltung
und Energiewirtschaft wurde zunehmend undurchdringlicher". Mit dem
1990 verabschiedeten Stromeinspeisegesetz, das mittlerweile in der vierten
und entscheidenen Novelle für einen Energiewandel zur Ratifizierung
vorliege, wurden erstmals regenerative Energien gefördert.
Die Europäische Union verabschiedete 1996 die "Richtlinie für
den Elektrizitäts-Binnenmarkt, auch Marktöffnungsgesetz genannt.
Energieerzeugung und Dergieverteilung, die NEtze also, wurden getrennt.
Seit April 1998 liege nun ein neues Energiewirtschaftsgesetz vor, das
entgültig den Startschuß zur Eröffnung des Wettbewerbes
gegeben habe. "Jeder kann jetzt überall hinliefern". Die
Preise seien zwar enorm gesunken, aber W. Jürgensmeyer sieht noch
weitere Speilräume bis zum Herbst oder FRühjahr nächsten
Jahres. Zu diesem Zeitpunkt empfielt er Fünfjahresverträge abzuschießen.
Denn danach sei diie Talsohle überschritten und es müsse wieder
mit leicht steigenden Preisen gerechnet werden.
"Der günstigste Strom ist der, den wir nicht verbrauchen".
Elli Miller spürte den vielen unnötigen Stromverschwendungen
im Haushalt nach. In einer Durchschnittsfamilie könne man leicht
ohne jeglichen Komfortverzicht, allein durch geeignete Geräte den
Stromverbrauch halbieren. Bei Geräten mit Standby Modus würde
lediglich ein Viertel der verbrauchten Strommenge zu Lasten der Nutzung
gehen. Drei Viertel verpuffen im Bereitschaftsmodus. Sogar, wenn das Gerät
ausgeschaltet sei, würde noch ein Viertel an Strom verbraucht. Dem
könne man mit geeigneten Ökonetzteilen oder ähnlichen Hlfsmitteln
abhelfen. Zahlreiche staatliche Förderprogramme lägen auf, die
es nur zu nutzen gelte. Als besten Stromerzeuger, der zu 100 % regenerative
Energien verwende, empfahlen die Experten die Naturstrom AG. Auch die
Elektrizitätswerke Schönau seien nach entsprechenden Kriterien
zertifiziert worden und liegen zudem preislich unter den herkömmlichen
Anbietern.
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