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Schwäbische Zeitung (Ausgabe Markdorf),
Montag, 04.10.2004
Kids kurbeln und pressen mit Feuereifer
FRIEDRICHSHAFEN (elo) − Erntedank ganz praktisch erlebt: Äpfel
auflesen, häckseln, pressen - und Apfelsaft genießen. Dieses Vergnügen
hat am Sonntag viele Familien auf das städtische Freizeitgelände Weilermühle
gelockt. Eingeladen hatten Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Markdorf
und Friedrichshafen.
Gelber Gravensteiner, Champagner-Renette, Teuringer Rambur: Den Kindern
ist's egal, wie alt oder selten die Apfelsorten sind. Ab in die Kisten
damit. Der Nachmittag an der Weilermühle ist ganz nach dem Geschmack der
Kleinen - sie dürfen überall mit anpacken. Für die aufgelesenen Äpfel
stehen schon zwei Mühlen bereit. Gelbe, grüne und rote Äpfel landen in
ihren Trichtern. Schwitzend und keuchend, aber begeistert stehen die Kinder
an den Handkurbeln der großen gezackten Walzen, die die Äpfel zerkleinern.
Unten fällt bunt gescheckter, nasser Kompost in Plastikwannen.
Große starke Erwachsene sind gefragt, wenn es darum geht, den Inhalt
der Wannen in eine der beiden hölzernen Pressen umzufüllen. Auch die Pressen
erfordern Muskelkraft: Eine Metallstange wird im Kreis geschoben. Über
ein Gewinde baut sie Druck auf, der den begehrten goldfarbenen Saft aus
der Apfelmasse treibt. Letzter Arbeitsgang: Durch ein Sieb wird der Saft
in ein großes Fass gegossen. "Komisch, das Fass wird gar nicht voll",
sagt Monika Kresse-Herbert, die den Kindern beim Saftpressen hilft. Ein
Blick nach unten löst das Rätsel: Immer wieder bückt sich jemand über
den Zapfhahn und füllt sein Trinkglas mit Süßmost. Ein paar Schritte weiter
sind noch unzerkleinerte Äpfel zu finden: Auf einem langen Tisch haben
die Äpfelexperten ihre Sorten aufgebaut, jeweils fünf bis sechs Äpfel
zum Anschauen, Vergleichen, Aufschneiden und Probieren. Ein Besucher ist
eigens aus Meßkirch angereist, um seine Äpfel identifizieren zu lassen.
"Der sieht doch aus wie ein James Grieve", sagt Walter Emser, Baumschuler
und Obstsortensammler aus Langenargen. "Die Säure hätte er." Edgar Friedrich
vom Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee in Bavendorf nickt zustimmend. "Wo
steht der Baum?", will Emser wissen. "Späte Lage, schwerer Boden? - Eindeutig
James Grieve." Friedrich erklärt: "Auf den Standort kommt es an." James
Grieve-Äpfel seien am Bodensee längst abgeerntet. Aber Meßkirch sei zehn
Tage später dran. Und in schattiger, feuchter Lage könne es noch später
werden mit der Reife.
Blätter sammeln und bestimmen
Zwischen Apfeltisch und Kuchenbuffet sitzt Ronja vor einem Mikroskop
und untersucht Blätter. Die Achtjährige macht mit bei der Kindergruppe
"Laubfrösche Friedrichshafen". Die Kinder haben zusammen mit Biologin
Angelika Bauser-Eckstein eine Wanderung gemacht und Blätter gesammelt.
Einmal im Monat treffen sie sich, meistens an der Weilermühle.
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