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Schwäbische Zeitung (Ausgabe Markdorf), Mittwoch, 23.02.2005


Gentechnik-Film macht betroffen

MARKDORF - Betroffenheit und Wut hat der Gentechnik-Film "Leben außer Kontrolle" am Montag bei rund 100 Zuschauern im Haus im Weinberg ausgelöst. Eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL), der Bund für Umwelt- und Naturschutz, die evangelische Kirchengemeinde und der Naturkostladen "Knusperhäusle".

 

In Kanada treibt ein Sturm genmanipulierte Rapssamen auf den Acker eines Biobauern. Im nächsten Jahr wachsen Bioraps und gentechnisch veränderter Raps bunt durcheinander. Ein Fischzüchter pflanzt Lachsen ein Wachstumsgen ein. Das Ergebnis: Riesenfische, sechs Mal so groß gewachsen wie normale Lachse - und das in der Hälfte der Zeit. Was passiert, wenn die Riesenlachse aus Gehegen im Meer entkommen und sich mit wilden Fischen mischen, fragt sich sorgenvoll ein Universitätsprofessor. In Indien sind Tausende Bauern ruiniert, weil sie den Versprechungen der Agrarindustrie geglaubt haben: Sie haben teures genverändertes Saatgut gekauft, das eine Superernte bringen sollte - fast ohne Spritzmittel. Aber die Baumwoll-ernte war eine Katastrophe. Vielen Bauern bleibt als Ausweg nur, eine ihrer Nieren zu verkaufen. Oder sie begehen Selbstmord.

 

Die Ausschnitte aus Bertram Verhaags beunruhigendem Film hinterlassen die Zuschauer in großer Betroffenheit. Und in Wut. Was können wir tun? Die Frage brennt allen auf den Nägeln. Als ersten Schritt empfiehlt Anneliese Schmeh, das eigene Kaufverhalten zu überprüfen. Den Metzger zu fragen: "Weißt du, wie das Schwein gefüttert wurde?" Und im Supermarkt die Etiketten genau zu lesen. Wenn es heißt "enthält genetisch veränderten...", sollte man davon bleiben.

 

Seit April 2004 gelten EU-weit neue Vorschriften zur Gentechnik-Kennzeichnung. Wenn Lebensmittel wie etwa Sojaöl, Maisstärke oder der Zusatzstoff Lecithin aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellt sind, müssen die Produkte in der Zutatenliste oder auf dem Etikett einen Hinweis darauf enthalten. Auch lose Waren auf dem Markt oder Mahlzeiten in Restaurants sind kennzeichnungspflichtig. Bei Fleisch, Milch und Eiern muss jedoch nicht darauf hingewiesen werden, ob die Tiere gentechnisch verändertes Futter bekommen haben.

 

Wer der Gentechnik beim Essen ganz aus dem Weg gehen will, ist mit Bio-Lebensmitteln auf der sicheren Seite. Wie lecker das sein kann, haben Thomas und Sandra Waldraff gezeigt: Zum 25. Geburtstag ihres "Knusperhäusles" haben sie im Haus im Weinberg Vollkornwaffeln mit verschiedenen Aufstrichen, Tofu-Produkte und Streuobst-Apfelsaft angeboten.

 

Ausschnitte aus seinem Film zeigt Bertram Verhaag noch einmal heute um 20 Uhr in Ailingen im evangelischen Gemeindezentrum und am morgigen Donnerstag, 24. Februar, um 20 Uhr im Deggenhausertal im Feuerwehrgerätehaus in Wittenhofen. Der Film kann auch im Internet bestellt werden unter www.denkmal-film.com. Nähere Informationen über gentechnisch veränderte Lebensmittel gibt es unter www.verbraucherministerium.de.


 

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