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Südkurier (Ausgabe Markdorf), Mittwoch, 23.02.2005


Von Geld, Macht und Gentechnik

Autor und Filmemacher Bertram Verhaag mit dem Film "Leben außer Kontrolle" im Haus im Weinberg

 

Vier Veranstalter sehen sich in der Verantwortung: Sie wollten mit der Einladung zum Film "Leben außer Kontrolle - Von Genfood und Designerbabies" mit Diskussion über die verheerenden Auswirkungen von genmanipuliertem Saatgut informieren.

 

Markdorf - Pfarrerin Christiane Quincke als Vertreterin der evangelischen Kirchengemeinde wünschte im Sinne ihrer Mitveranstalter - Elli Miller vom BUND Markdorf, Anneliese Schmeh, Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, sowie Thomas Waldraff vom Naturkostladen "Knusperhäusle" -, einen ermutigenden Abend im Haus im Weinberg. Der ließ sich zunächst weniger optimistisch an: Zu viel Negatives hatte der in Markdorf anwesende Filmemacher und Autor Bertram Verhaag recherchiert und in Bild und Wort festgehalten. Wer danach noch glaubt, Genfood werde produziert, um die gesamte Weltbevölkerung ernähren und dabei Spritzmittel reduzieren zu können, muss sich als naiv bezeichnen lassen. Hier geht, es so der Film, um Macht und Geld. "Nahrung wurde schon immer als Waffe dazu benutzt, die Welt zu beherrschen", heißt es.

 

Wenden sich gegen Gentechnik, von links: Anneliese Schmeh vom LAB, Filmemacher Bertram Verhaag, Pfarrerin Christiane Quincke, Elli Miller vom BUND Markdorf sowie vom "Knusperhäusle" Thomas Waldraff, der gentechnikfreie Kostproben aus seinem Sortiment anbot.

Bild: Keutner

 

Dass genmanipulierte Pflanzen und Tiere nicht wieder gut zu machende Schäden hinterlassen - im Gegensatz zu Chemikalien -, wurde mit Beispielen gezeigt: Sie dominieren die "Artgenossen" und rotten sie aus; die Artenvielfalt geht verloren. In Indien mündeten die Versprechungen des Agrarkonzerns "Monsanto" auf einen höheren Ertrag und bessere Qualität in einer katastrophalen Ernte: Verzweifelte Bauern mussten Land oder eine Niere verkaufen, um aus der Schuldenfalle zu gelangen, weil sie zuvor für das genmanipulierte Saatgut und Spritzmittel Kredite aufnehmen mussten. Viele begingen Selbstmord. "Sie (die Konzerne) wollen nicht das Hungerproblem lösen, sondern sie wollen die Weltherrschaft. Die Misserfolge in der Landwirtschaft werden zum Markterfolg der Konzerne", ist die indische Physikerin Dr. Vandana Shiva überzeugt. Sie erhält auf einem eigenen Stück Land altes Saatgut und damit die Vielfalt, informiert Landwirte und Landsleute, organisiert Demonstrationen gegen große Agrarkonzerne wie Monsanto und fürchtet, dass Millionen von Bauern, "die Seele Indiens", mit der Einführung genmanipulierten Saatguts ausgelöscht werden. Unglaublich findet sie auch die "unethische Patentierung von natürlich wachsenden Pflanzen" wie dem Neem-Baum oder Basmati-Reis, die dann dem Patentinhaber gehören.

 

Auch die andere Seite kommt in dem Film zur Sprache. Ein kanadischer Farmer schwärmt von besseren Erträgen und sagt: "Auf lange Sicht brauchen wir weniger Pestizide." Einer seiner Kollegen warnt: "Erst behaupteten sie, DDT und Agent Orange seien ungefährlich, und jetzt wollen sie uns weismachen, dass Genfood auch keinen Schaden verursacht."

 

"Misserfolge in der Landwirtschaft werden zum Markterfolg der Konzerne." (die indische Physikerin Dr. Vandana Shiva)

 

Zu den Wenigen, die der Industrie die Stirn bieten, gehört ein Rechtsanwalt, der grässliche Bilder von Versuchs-Ergebnissen zeigte: Ein Schwein mit Kuhfell, oder ein Schwein, dem man menschliche Gene mit auf den "Lebensweg" gegeben hat: Es schielt, hat O-Beine hat und ist impotent. "Tiere werden der Technologie angepasst. Die Firmen betrachten die Lebewesen als Maschinen und die Gene als Software." Man züchte den Brutinstinkt der Hennen weg, damit Massentierhaltung besser möglich wird. Eine Ko-Existenz mit wildlebenden Arten sei nicht möglich; die genmanipulierten Fische beispielsweise rotteten die Wildarten nach mehreren Generationen aus. Das ergaben Versuche. Der Anwalt warnte vor spärlichen Sicherheitstests und Unfällen, in denen genmanipulierte Tiere entkamen.

 

Auch nicht untersucht habe man, wie sich gentechnisch verändertes Tierfutter auf die Organe auswirkt. Nur wenige Wissenschaftler, darunter ein ehemaliger "Gen-Befürworter" testen dies, können aber noch keine Resultate vorweisen. Dass die DNS in die Organe gelangt, glauben sie schon feststellen zu können. Einige vermuten einen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Krankheiten und schwachen Immunsystemen (Beitrag über die Diskussion folgt).

 

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