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Südkurier (Ausgabe Markdorf), Mittwoch, 16.03.2005


"Koexistenz ist hier nicht möglich"


Filmvorführung und Diskussion über Chancen und Risiken von Gentechnik in der Landwirtschaft

 

DEGGENHAUSERTAL - "Gentechnik: Chancen und Risiken" - unter diesem Titel hat eine Veranstaltung mit Filmvorführung und Diskussion im Feuerwehrgerätehaus in Wittenhofen stattgefunden, zu der die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Ortsverband des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) eingeladen haben. Moderiert wurde dieser Vortrags- und Disskussionsabend von Bernhard Nägele, Landvolkshochschule St. Ulrich (LVHS).

 

Zum Einstieg in das Thema wurde der erste Teil des Dokumentarfilms "Leben außer Kontrolle" gezeigt, der sich mit Gentechnik bei Pflanzen und Tieren auseinander setzt. Den Filmemachern Bertram Verhaag und Gabriele Kröber zeigen einen Mix aus Erfahrungsberichten, Aussagen von Gentechnikanwendern und Gentechnikkritikern und bieten einen breiten Überblick über die weltweite Problematik der Gentechnologie.

 

Die Diskussionsrunde mit dem Publikum, das sich zu einem großen Teil aus Landwirten zusammensetzte, fiel sehr kontrovers aus. Gleich zu Beginn bemängelte einer, dass die Chancen der Gentechnik im Film zu wenig beleuchtet wurden. In diese Kerbe hieb auch Georg Rauch, BLHV, indem er die Ausgewogenheit des Podiums bemängelte, auf dem Vertreter der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Kirche waren: Gerne hätte er einen Befürworter aus der Wissenschaft auf dem Podium gehabt. Auch kritisierte er die Kürzung öffentlicher Mittel, da so keine nachhaltige Gentechnikforschung betrieben werde könne. Chancen sieht er zum Beispiel in der Bekämpfung des Maiszünslers und Maiswurzelbohrers. Anneliese Schmeh, AbL, stellte hierzu fest, dass gentechnisch veränderte Pflanzen momentan nicht den versprochenen Vorteil bringen. So gebe es weiterhin Resistenzen bei "Unkräutern und Schädlingen", und auch die versprochenen Ertragssteigerungen seien weitestgehend ausgeblieben. Zusätzlich stiegen die Kosten für die Landwirte beispielsweise durch die an die Gentechnikkonzerne zu zahlende Lizenzgebühr und durch wieder zunehmenden Pflanzenschutz. Außerdem bewährten sich herkömmliche Verfahren bestens: Der Maiswurzelbohrer sei durch eine weitgestellte Fruchtfolge gut bekämpfbar. Und statt gentechnisch verändertes Soja zu verfüttern, könne der Eiweißbedarf auch über heimische Futtermittel wie Erbsen oder Ackerbohnen gedeckt werden.

 

Rauch bemängelte die Art, wie über Gentechnik diskutiert werde: Man sei nicht ergebnisoffen. Entscheidend sei auch, ob der Verbraucher weiter Gentechnik in Lebensmitteln ablehnt und anderweitig einkauft. Schmeh konnte keinen Vorteil für Landwirtschaft und Verbraucher entdecken. Es gehe nicht nur um den Anbau, es gehe auch um Macht über die Nahrungsmittel. Und stünden erst genveränderte Pflanzen auf einem Feld, machten die Pollen auch vor Nachbarfeldern nicht Halt. Es beginne eine unkontrollierbare Ausbreitung, die nicht mehr rückholbar ist. Konkretes Beispiel im Film: In Kanada gibt es nur noch gentechnisch verunreinigtes Rapssaatgut.

 

Die Frage "Was bedeutet Gentechnik fürs Deggenhausertal?" wurde zwar aufgeworfen, aber nicht weiter thematisiert. Lediglich Nägele von der LVHS warnte davor, den Frieden auf den Dörfern aufs Spiel zu setzen: "Koexistenz funktioniert bei kleinräumiger Struktur nicht."

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