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Südkurier (Ausgabe Markdorf), Freitag, 08.04.2004


Auch Kinder schlagen Wurzeln

VON CHRISTIANE KEUTNER − Wie man ein Umweltprojekt mit einem pädagogischen Konzept verknüpft und daraus noch viele andere einen Nutzen ziehen können, zeigte die BUND-Gruppe Meersburg mit ihrer Aktion: Sie spendierte Streuobstbäume, die die Viertklässler der Sommertalschule mit etlichen Helfern auf den Wiesen von Hans und Wilhelm Brunner einpflanzten.



So groß und alt wie der Kirschbaum im Hintergrund sollen die Bäumchen werden, die Helfer der BUND-Ortsgruppe Meersburg mit Viertklässlern der Sommertalschule zwischen Meersburg und Daisendorf pflanzten. Bild: Keutner

 

Meersburg - Hundert Bäume sollen auf den Gemarkungen Guggenbühl und Schützenrain wachsen und gedeihen, so der Gedanke von Diethard Nowak, dem zweiten BUND-Vorsitzenden. Er hatte das Vorhaben mit den Brunner-Brüdern besprochen. Die Landwirte zeigten sich der Idee gegenüber gleich aufgeschlossen. Weil der Winter so lang war, gruben die 21 Neun- bis Zehnjährigen zusammen mit anderen zunächst 41 Löcher für die Kirsch-, Apfel- und Birnen-Bäume und begossen sie; die restlichen sollen im Herbst gesetzt werden.

 

Rund 1000 Euro hatte die Ortsgruppe für die rund 40 Bäume und Pfähle locker gemacht. Die Pflege (drei- bis viermal jährlich muss das Gras gemäht und die Bäume jedes Jahr beschnitten werden), übernehmen die Landwirte. "Man muss Streuobst erhalten", sagt Hans Brunner, der die Früchte in ein paar Jahren ernten und zu Saft oder Obstler verarbeiten kann.

 

Viele Helfer des BUND beteiligten sich an der Aktion: Diplomlandwirtin Elli Miller hatte die Standorte ausgesucht und ihnen den Anfangsschnitt verpasst. Florian Niedermann, Zivildienstleistender bei der BUND-Ortsgruppe Markdorf, schlug mit dem Riesenhammer die Pfähle ein, an denen die jungen Gewächse Halt finden. Erika Nold, Klassenlehrerin der 4b, leitete zusammen mit den Praktikantinnen Ulrike und Simone Steiger ihre Schützlinge an, und besuchte mit ihnen zwischendurch die vielen Zicklein von Brunners.

 

Tags zuvor hatten die Kindern ein Gedicht von Tolstoi geschrieben, das die neunjährige Katharina vorlas. Thema war ein Mann, den die Leute auslachten, weil er Apfelbäume pflanzte, obwohl er schon so alt war. Vorausschauend und an die Allgemeinheit denkend, hielt er ihnen jedoch entgegen, dass in einigen Jahren andere die Äpfel essen und dafür dankbar sein werden.

 

Auch als kleinen Ausgleich für die gefällten Streuobstbäume am Mocken wird die Aktion vom Meersburger BUND-Vorsitzendem Wilfried Steiger betrachtet. Er gibt jedoch zu bedenken, dass 120 junge Bäumchen notwendig sind, um nur einen einzigen 80-jährigen Birnbaum ersetzen zu können.

 

Vier Stunden dauerte die Aktion unter strahlender Sonne und wurde noch fortgesetzt. Da kam man ordentlich ins Schwitzen. Der Durst wurde selbstverständlich mit Saft von heimischen Streuobstbäumen gelöscht und für den kleinen Hunger zwischendurch hielt Hildegard Steiger selbstgebackene Rosinenbrötchen bereit.

 

Einen besonderen Bezug bekommen die Kinder zu den Bäumen, weil sie die Patenschaft für sie übernommen haben. Sichtbar wird das an Schildern, auf denen jeweils der Vorname des Kindes steht. Erika Nold lächelt: "So verwurzeln wir die Kinder in der Heimat." Und Horst Koldewey fügt hinzu: "Sie identifizieren sich damit und kümmern sich. Wenn es ein heißer Sommer wird, gießen sie die Pflanzen."

 

Das will unter anderem auch Isabel tun: "Ich hab mir vorgenommen, mit dem Fahrrad hierher zu fahren und Wasser zu bringen." Gut findet sie, dass sie bei der Aktion an die frische Luft kommt. Spaß machte es allen, "weil man da was machen kann", so Anja, und Valentina nickt zustimmend. Sie freuen sich schon jetzt auch auf die Früchte, von denen sie in ein paar Jahren naschen können.

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