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Schwäbische Zeitung (Ausgabe Markdorf), Freitag, 22.04.2005


Greifvögel sterben an vergiftetem Fleisch


MARKDORF (elo) Vergiftetes Fleisch im Kropf: Daran sind im vergangenen Jahr zwei Schwarzmilane im Hepbach-Leimbacher Ried verendet. Franz Beer vom Markdorfer Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hatte einen der Greifvögel in ein Labor geschickt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor: Todesursache war der Wirkstoff Carbofuran.

 

Eben noch saß der große Greifvogel mit ausgebreiteten Flügeln auf einer Pappel im Ried. Minuten später hängt er kopfunter am Ast, kann sich noch kurze Zeit mit den Füßen festklammern und fällt dann in die Brunnisach. So beschreibt Franz Beer seine Beobachtung vom April des vergangenen Jahres. Der Chemielehrer und Umweltschützer vom BUND zieht den Vogel aus dem Wasser, das Tier wehrt sich nicht. Es verendet kurze Zeit später beim Tierarzt.

 

Währenddessen hängt an der Pappel bereits der zweite Schwarzmilan mit dem Kopf nach unten. Es habe sich um ein brutwilliges Paar gehandelt, sagt Beer. Schwarzmilane kommen Ende März bis Anfang April aus ihren Winterquartieren in Afrika oder den europäischen Mittelmeerländern zurück. Vor 20 Jahren seien die großen Greifvögel in der Region noch sehr selten gewesen, sagt der Vogelfreund. Seit sie nicht mehr bejagt werden, hätten sich die Bestände erholt.

 

Beer wollte wissen, woran die beiden Tiere gestorben sind. Und hat einen der beiden Vögel sezieren lassen: In seinem Kropf fanden sich mit dem Messer geschnittene Fleischstücke zu je etwa 30 Gramm. In diesen Fleischbrocken haben Mitarbeiter des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Freiburg den Wirkstoff Carbofuran gefunden. Er ist Bestandteil des Insektenbekämpfungsmittels Carbosip. In einer Broschüre der Landesanstalt für Pflanzenschutz wird Carbosip für den Mais- und Rübenanbau empfohlen, um das Saatgut vor Moosknopfkäfern und Rübenfliegen zu schützen.

 

Das Mittel werde auch im Gemüsebau und in Gärtnereien zum Beispiel gegen Dickmaulrüßler eingesetzt, ergänzt Dieter Eberhard. Nach Angaben des Pflanzenschutzexperten und stellvertretenden Leiters des Markdorfer Landwirtschaftsamts ist Carbosip nicht in die Gefahrenklasse "giftig" eingestuft, sondern gilt nur als "gesundheitsschädlich". Das heißt: "Jeder kann das Mittel im Handel kaufen", sagt Eberhard. Wenn ein Landwirt Giftköder für Vögel auslege, werde das allerdings als schwerer Verstoß gegen die Vogelschutzrichtlinie gewertet. Dafür könnten einem Bauern fünf Prozent seiner gesamten Prämien gestrichen werden.

 

"Krimineller Tatbestand"

 

Wer immer die vergifteten Fleischbrocken ausgelegt hat: Vogelschützer Beer geht davon aus, dass derjenige sich gut mit Pflanzenschutzmitteln auskennt. Die Schwarzmilane hatten das Fleisch noch nicht im Magen, erst im Kropf - bei ihnen hat es als Kontaktgift über die Schleimhäute gewirkt. Ob es bei der Vergiftungsaktion tatsächlich gegen Greifvögel gehen sollte ist unklar. Aber genauso gut hätten spielende Kinder die Giftköder finden können. Für Beer "ein krimineller Tatbestand".

 

Wer tote Greifvögel herumliegen sieht, soll den Fund in der Markdorfer BUND-Geschäftsstelle melden, Telefonnummer 0 75 44 / 51 62. Darum bittet Umweltschützer Franz Beer.

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