|
Südkurier (Ausgabe Markdorf),
Dienstag, 31.05.2005
Erneut Rätsel um Storchentod
Naturschützer fassungslos: Vier verendete Storchenjunge und
drei verlassene Eier
Das Bemühen der Markdorfer Storchenpaare um Nachwuchs steht unter
keinem glücklichen Stern: Vier tote Jungstörche im Eisweiher
und drei verlassene Eier im Naturschutzgebiet Hepbacher-Leimbacher Ried
entdeckten Mitarbeiter des BUND. Sie stehen vor einem Rätsel.
VON WINFRIED THUM

R ückschlag für das BUND-Storchenprojekt: In beiden Markdorfer
Naturschutzgebieten wird es auch in diesem Jahr keinen Nachwuchs geben.
Franz Beer (Bild) hat für das plötzliche, mysteriöse Ableben
keine Erklärung. Bilder: Thum/BUND
Markdorf - Bereits im vergangenen Jahr hatten die Markdorfer Störche
Pech mit dem Nachwuchs. Die Jungen starben, nachdem sie mit Gummiringen
von Erdbeerfeldern gefüttert worden waren, die die Eltern für
Würmer hielten. Jetzt folgte ein erneuter Rückschlag. Im Hepbacher-Leimbacher
Ried haben die Eltern ein Nest mit drei Eiern verlassen. Ein viertes wurde
zerstört am Boden gefunden.
Im Eisweiher-Naturschutzgebiet ereignete sich eine weitere Storchentragödie.
Franz Beer fand drei Storchenjunge tot auf der Erde. Ein viertes lag verendet
im Nest. "Die neun Tage alten Tiere waren rund 350 Gramm schwer und
gut entwickelt", schildert der BUND-Vorsitzende. Er vermutet, dass
alle innerhalb von 30 Stunden gestorben sind. Angesichts der Tatsache,
dass die Altstörche sehr vital waren und das Wetter schön, bezeichnet
Beer ihr Ableben als "sehr ungewöhnlich". Zwei Kadaver
machte er auf und die Nase dabei zu. Die Mägen hat der Naturschützer
eingefroren, um sie untersuchen zu lassen.
Im Hepbacher-Leimbacher Ried wurde die Brut offenbar abgebrochen. "Die
Störche haben das Nest verlassen", sagt Franz Beer. Ein Nest,
das stabil aufgebaut und gut gepolstert war. Außerdem stellte er
fest, dass die drei Eier weit entwickelt waren. Die Serie von "unglücklichen
Merkwürdigkeiten" veranlasst ihn nun dazu, einen Storchenexperten
hinzuzuziehen. Denn in den Nestern von oberschwäbischen Storchenprojekten
ist diese Todesrate bei Jungstörchen nicht bekannt.
Schlimm ist der mysteriöse Storchentod für die Anwohner
der Gallusstraße. Sie pilgerten seit zwei Wochen scharenweise zum
Naturschutzgebiet, um das Storcheneltern-Glück vor ihrer Haustüre
mitzuerleben.

|