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Südkurier (Ausgabe Markdorf),
Donnerstag, 09.03.2006
Kröten bleiben zu oft auf der Strecke
Bund-Gruppe Markdorf errichtet Amphibienzaun und betreut Abschnitt
bei Deggenhausertal-Grünwangen
Rund 250 Meter Amphibienzaun haben Mitglieder der Markdorfer Bund-Gruppe
bei Grünwangen errichtet. Dort gibt es Krötenwanderungen, wie
man festgestellt hat. In den kommenden Tagen soll durch Zählungen
die Population der Amphibien ermittelt werden.
Deggenhausertal/Markdorf
VON CHRISTIANE KEUTNER
Bund-Gruppe Markdorf errichtet Amphibienzaun und betreut Abschnitt
bei Deggenhausertal-Grünwangen
Deggenhausertal/Markdorf - Die Erdkröte hat es im Bodenseegebiet
schwer. Da sie zum Laichen bis zu fünf Kilometer zurücklegt,
muss sie in der Region mit großer Straßendichte mehrere Asphaltstreifen
überqueren, ehe sie sich erleichtern kann und Nachwuchs eine Chance
hat. "Man wundert sich, dass es diese Tiere überhaupt noch gibt",
sagt Markdorfs Bund-Vorsitzender Franz Beer.
Elf Erwachsene und Kinder sind mehr als zwei Stunden beschäftigt,
um einen Zaun zum Schutz der Amphibien zu errichten. Die vom Landratsamt
zur Verfügung gestellte, etwa 30 Zentimeter hohe Folie wurde auf
250Metern Strecke entlang der Straße von Markdorf nach Untersiggingen
am Ende des Waldes in Richtung Grünwangen errichtet. Dort hatten
Beobachtungen ergeben, dass Amphibienwanderungen stattfinden. Vor allem
Erdkröten hatten versucht, die Straße zu queren - meistens
vergeblich.
"Es handelt sich hier nicht um eine sehr große Wanderung,
aber nach der Errichtung des Zauns werden wir genauere Daten bekommen",
sagt Franz Beer, der auf ein Hinweisschild hofft und sich vorsorglich
selbst an die Autofahrer wendet: "In Regennächten würden
wir darum bitten, dass sie vorsichtig fahren und uns nicht mit Amphibien
verwechseln." Denn die Kröten werden von den Mitgliedern der
Bund-Gruppe Markdorf zweimal täglich gezählt und erfasst - einmal
morgens und einmal abends in der Dämmerung.
Aber erst wenn das Thermometer über fünf Grad Celsius klettert,
setzen sich die Kröten überhaupt in Bewegung. Wie wichtig ihr
Schutz ist, machen neue Forschungen deutlich. Ein Weibchen, das theoretisch
20 Jahre alt werden kann, laicht möglicherweise nur einmal in ihrem
Leben ab. Die Laichschnüre mit den Eiern wickelt es in 50 Zentimetern
Wassertiefe um Stängel; die Kaulquappen werden von den Fischen nicht
gefressen. Diese haben mehr Appetit auf die Eier des Grasfroschs. Deswegen
legt jener sie in seichte und fischfreie Gewässer und in tiefe Pfützen.
Für beide Tierarten gibt es in der Region um Grünwangen einen
Lebensraum. Mit dem vor Jahren gebauten größeren Weiher wurde
deren Lebens- und "Wohn"-Qualität erheblich gesteigert.
Gespannt sind Franz Beer und die anderen Bund-Mitglieder, ob auch Molcharten
wie der Bergmolch auftauchen. Werden diese überfahren, sind sie im
Gegensatz zu den Kröten nicht mehr erkennbar. Vielleicht wird man
auch den Laubfrosch antreffen, obwohl der den Folienzaun ohne weiteres
überwinden kann.
Seit 1981 kümmert sich Franz Beer um die Amphibien. Er erinnert
sich noch genau an die Verbindungsstraße zwischen Daisendorf und
Baitenhausen. Die war zeitweise so voller toter Kröten, dass die
Fahrbahn ganz glitschig war und der Schulbus langsam fahren musste, wie
dem heutigen Ex-Biologielehrer Schüler damals berichtet hatten. Viel
hat sich seither getan in Sachen Tierschutz, wobei die privaten Helfer
von den Ämtern des Landratsamts und besonders von Straßenmeistereien
viel Unterstützung unter anderem in Form von Straßensperrungen
erhalten. Schulen und Bund-Mitglieder betreuen die Abschnitte vor Ort
und regelmäßig findet ein Erfahrungsaustausch statt.
Trotz der positiven Entwicklung kann man diffuse Wanderungen in Regennächten
zu anderen Zeiten nicht verhindern. Damit die Kröten älter werden
und ihr Leben nicht unter Gummireifen lassen müssen, gibt es nur
eines: Augen auf und langsam fahren.
Einen Zaun hauptsächlich zum Schutz von Erdkröten haben Mitglieder
der Markdorfer Bund-Gruppe bei Deggenhausertal-Grünwangen errichtet.
In den kommenden Tagen rechnen die Naturschützer mit Krötenwanderungen,
während denen die Populationen ermittelt werden sollen.
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