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Schwäbische Zeitung Markdorf, Freitag, 10.03.2006


"Es gibt Hinweise auf Erkrankungen bei Mensch und Tier"

Zur "Konferenz der Länder übergreifenden gentechnikfreien Regionen" treffen sich heute und morgen in Bregenz Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich und Slowenien. Mit dabei ist auch Elli Miller, Agronomin und Mitglied beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Markdorf.

 

Von unserer Mitarbeiterin Elke Oberländer

 

SZ: Warum engagieren Sie sich für eine gentechnikfreie Landwirtschaft?

Elli Miller: Weil die Gentechnik keine Verbesserung bringt - weder für die Landwirtschaft noch für die Verbraucher, die die Produkte dann essen müssen. Im Gegenteil: Es sind keine seriösen Risikobeurteilungen bekannt, dafür aber Hinweise auf Erkrankungen bei Mensch und Tier bis hin zu Todesfällen. Untersuchungen werden von der Politik unter Verschluss gehalten, wie jüngst eine Klage von Greenpeace im Fall von gentechnisch verändertem Mais beweist. Sind diese gentechnisch veränderten Organismen freigesetzt, kann man sie nicht mehr zurückholen.

 

SZ: Welche gentechnisch veränderten Nutzpflanzen werden bereits angebaut?

Elli Miller: In der EU geht es aktuell um den Anbau von Mais. Darüber hinaus gibt es bereits in anderen Ländern den Anbau von genverändertem Raps, Soja und Baumwolle. Im Fall der USA sieht es so aus, dass die Subventionen der Regierung steigen, weil sich Gensoja und Genmais nicht verkaufen lassen.

 

SZ: Aber der Landwirt hat doch die Wahl, ob er genverändertes oder konventionelles Saatgut kauft, oder?

Elli Miller: Nein, denn wie das Beispiel USA zeigt, versuchen die Saatgutkonzerne das teure, genveränderte Saatgut am Markt durchzusetzen. In der Folge davon greift die Verseuchung um sich. Wenn zum Beispiel die Maispollen der genveränderten Sorten auf die Nachbarfelder fliegen, werden die fremden Gene in allen anderen Sorten auch eingekreuzt. Dann gibt es keine gentechnikfreien Sorten mehr. Für den Landwirt ist das auch ein Haftungsproblem. Das übernimmt keine Versicherung. Noch haben die Bauern in Deutschland die Wahl.

 

SZ: Was erwarten Sie von der Konferenz in Bregenz?

Elli Miller: Ich rechne mit neuesten Informationen, was in den anderen Ländern so läuft. In Österreich zum Beispiel haben sich auch Landesregierungen für eine gentechnikfreie Zone eingesetzt - das könnte dem deutschen Teil des Bodenseeufers einen Wettbewerbsnachteil im Tourismus bringen. Und in der Schweiz gibt es ein Moratorium für die nächsten fünf Jahre. So lange dürfen erstmal keine genveränderten Sorten angebaut werden.

 

SZ: Und was läuft in Markdorf?

Elli Miller: Demnächst wollen wir vom Bund für Umwelt- und Naturschutz einen Stand auf dem Wochenmarkt machen, zur Gentechnik informieren und Maissaatgut verteilen. Denn wer Mais anbaut, hat Auskunftsrechte über Anbaustandorte von Gentechnik-Mais in seiner Nachbarschaft.


(Stand: 10.03.2006 00:16)

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