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Das Apfelsaftprojekt

Streuobstwiesen prägen seit Jahrhunderten die Landschaft der Region Bodensee-Oberschwaben. Viele unserer Dörfer waren von einem geschlossenen Gürtel hochstämmiger Obstbäume umgeben. Diese boten neben einer reichhaltigen Obsternte Schatten und Schutz vor Wind, speicherten Wasser und regulierten so das Kleinklima. Und sie waren schön.

 

Auch heute noch ist ihr Anblick so beliebt, dass blühende Streuobstwiesen unzählige Heimatkalender und Bildbände zieren. Vor der Haustür wird diese Idylle jedoch immer seltener: In den Gemeinden der Region Bodensee-Oberschwaben wurden innerhalb der letzten drei Jahrzehnte bis zu 80 Prozent aller Streuobstbäume gerodet. Sie fielen Baugebieten, Straßen und einer modernen, intensiven Landwirtschaft zum Opfer.

 

Streuobstäpfel sind in Form, Farbe, Größe und Geschmack sehr vielfältig und deshalb bestens geeignet für einen aromatischen abwechslungsreichen Saft. Für Mostobst erhalten die Bauern jedoch nur 6 bis 10 € pro Doppelzentner (100 kg) - zu wenig für die arbeitsaufwendige Bewirtschaftung der Streuobstwiesen. Dem Verkauf als Tafelobst stehen die sehr mühevolle Ernte und eine verfehlte EU-Güteklassenverordnung entgegen. Streuobstwiesen sind unrentabel, also kommen sie weg.

 

Mit den traditionellen Obstwiesen verschwindet eine charakteristische Tier- und Pflanzenwelt. Deren Lebensgrundlage ist die Vielfalt ökologischer Nischen, die eine intakte Streuobstwiese bietet. Sie ist eine fruchtbare Mischung aus Wald und Wiese. Dichte, feuchte und versteckreiche Zonen wechseln sich mit hellen, warmen und übersichtlichen Bereichen ab.

 

Darüber hinaus bieten Streuobstwiesen mit ihren bis zu 120-jährigen Bäumen der hochspezialisierten Lebensgemeinschaft der Höhlenbauer und -bohrer, ihren Untermietern und Nutznießern, Räubern und Räubersräubern beste Voraussetzungen. Zu ihnen zählen Grünspecht Wendehals und Baumläufer, Fledermäuse und Siebenschläfer, auch Wildbienen und Hornissen, unzählige Käferarten und andere Insekten sowie Flechten und Moose.

 

Wir wollen die Streuobstwiesen erhalten. Das ist das Ziel des Apfelsaftprojektes. Grundvoraussetzung dafür ist, den Streuobstbau wirtschaftlich wieder rentabel zu machen. Um das zu erreichen, haben sich in der Region Bodensee-Oberschaben die Naturschutzverbände BUND und NABU mit vier Saftkeltereien im Apfelsaftprojekt zusammengeschlossen.

 

Die Keltereien kaufen Obst aus Streuobstanbau für einen saisonunabhängigen Festpreis von 17,90 € pro Doppelzentner. Die Bauern verpflichten sich dafür vertraglich, ihre Hochstämme nicht zu spritzen und überalterte Bäume zu ersetzen.

 

Die Naturschutzverbände führen regelmäßige Kontrollen der Streuobstbestände durch und lassen von einem unabhängigen Labor Stichproben auf Spritzmittelrückstände untersuchen.

 

Aus dem so angebauten Obst pressen unsere Keltereien einen wohlschmeckenden, naturtrüben Apfelsaft. Er wird ohne Konzentrat, Zuckerzusatz oder Konservierungsstoffe hergestellt. Nach schonendem Erhitzen wird der Saft in Pfandflaschen abgefüllt. Regelmäßige Kontrollen durch ein Lebensmittellabor garantieren die stets hohe Qualität unseres Apfelsaftes. Deshalb dient er auch als hochwertiger Grundstoff für weitere Produkte wie Apfelsaftschorle oder Apfelgelee.

 

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