Rückblick 2004


Wechsel an der BUND-Spitze

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Minden (Wes) Einen Wechsel gab es an der Spitze der BUND-Kreisgruppe Minden-Lübbecke. Im Verlauf der Jahreshauptversammlung im Begegnungszentrum der Biologischen Station Nordholz trat Detlef Hommel, der als erster Vorsitzender seit zehn Jahren die Koordination der BUND-Arbeit im Kreis geleitet hatte, in die zweite Reihe zurück.

Er gehört nun als stellvertretender Vorsitzender dem Vorstand an. Zum neuen Vorsitzenden wurde einstimmig Lothar Schmelzer gewählt. Er ist bisher vor allem durch seine Tätigkeit in der Mindener Ortsgruppe und der BIMI (Bürgerinitiative Minden) bekannt geworden. Winrich Dodenhöft, eine konstante Größe in der Kreisachse Minden — Espelkamp, schied aus dem Führungsgremium aus. Wiederwahl war für das dienstälteste BUND-Vorstandsmitglied, Kassenwart Ortwin Steinke, angesagt. Die Versammlungsteilnehmer würdigten das Engagement von Detlef Hommel und stellten seine Erfolge als Vorsitzender in den vergangenen zehn Jahren heraus. In ihrer Nachlese gingen der neue Vorsitzende und sein Vorgänger auf die Schwierigkeiten des ehrenamtlichen Naturschutzes in Zeiten der wirtschaftlichen Stagnation ein. Es brenne in vielen Bereichen, unterstrich Hommel. Die wirtschaftlichen und sozialen Aussichten seien nicht rosig.

Himmelweite Unterschiede

Gespräche des BUND Minden-Lübbecke mit dem Regierungspräsidenten hätten deutlich gemacht, dass Behörden und Verwaltung auf der einen und Umweltschützer auf der an deren Seite in der Einschätzung der Auswirkungen der Modellregion OWL himmelweit voneinander entfernt seien. Lothar Schmelzer übte Kritik an der Privatisierung kommunaler Versorgungsbetriebe. Als Beispiel nannte er die Mindener Stadtwerke. Zu den wirtschaftlichen Dauernachteilen, die sich die Öffentlichkeit damit einhandele, komme der Qualitätsverlust bei den Leistungen mit anschließendem Gefeilsche um Grenzwerte. „Wie lange sind unsere Wasserwerke noch in kommunaler Hand“? fragte Schmelzer. Würden beispielsweise Wasserwerke privatisiert, werde nicht mehr die Gesundheit, sondern der Gewinn maximiert. Bei der Privatisierung von Stromversorgungsunternehmen gehe es nicht mehr um eine möglichst saubere, sondern um eine gewinnträchtige Verstromung. Auch die private Müllverbrennungsanlage von Energos am Osthafen sei ein Zeichen für mangelnden Umweltschutz, unterstrich Lothar Schmelzer.Die Resignation der Anwohner werte er nicht als Beweis für die Sauberkeit der Anlage, sondern viel mehr als Folge der Durchsetzungskraft großer Konzerne. Nach ihrem Erfolg in Minden plane Energos, in Deutschland flächendeckend die kleinen Müllverbrennungsanlagen zu errichten.

 

Die BUND-Kreisgruppe Minden hat einen neuen Vorstand. Das Foto zeigt (von links) Vorsitzenden Lothar Schmelzer (Minden), stellvertretenden Vorsitzenden Detlef Hommel (Petershagen) und Kassen wart Ortwin Steinke (Minden) sowie in der zweiten Reihe Winrich Dodenhöft (Espelkamp), der aus seinem Amt ausgeschieden ist. Foto: Ulrich Westermann

Dennoch sei es dem BUND Minden-Lübbecke vorerst gelungen, mit seinen Informationen und Kenntnissen, anderen zu helfen. Als Beispiel für die gelungene Unterstützung nannte Schmelzer Henningsdorf vor den Toren Berlins. Dort seien die Energos-Pläne dermaßen gestört worden, dass man einen neuen Standort suchen musste.

Mangelnde Nachhaltigkeit

Detlef Hommel bezeichnete die Weserfähre Hävem-Windheim als ein weitere Beispiel für mangelnde Nachhaltigkeit. Ursprünglich hätten die Antragsteller von circa 2000 Fahrgästen im Jahr gesprochen, inzwischen habe sich die Zahl der Fahrgäste jedoch nahezu verzehnfacht und die Tourismuslenkung erschöpfe sich für den Kreis und die Fährbefürworter auf das Aufstellen von ein paar Hinweisschildern. Ein weiteres Thema war der Rückgang der Wildvogelbestände. „Es ist nicht klar, woran es mehr liege: An den Jägern und ihren unmittelbar an die Vogelschutzgebiete angrenzenden Jagden, an der Wilderei, die in diesen Gebieten ebenfalls stattfindet oder an den wachsenden Ruhestörungen in den Sommermonaten“, führte das BUND-Vorstandsmitglied weiter aus. „Unsere niederschmetternde Prognose ist, dass in 20 Jahren das Gebiet vom Vogelschutz her an die Wand gefahren worden ist“. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass die BUND-Kreisgruppe demnächst über eine eigene Homepage verfügt. Neben internen Informationen erscheinen auch Blickfänger. Unter dem Stichwort „Die grüne Zitrone“ werden Umweltsünden aus der Region angeprangert. Darüber hinaus werden Baumpaten gesucht. Der BUND beteiligt sich mit einem Stand an den Mindener Umwelttagen ab Freitag, 4. Juni. Geplant sind Veranstaltungen zum Thema Trinkwasser in Petershagen und Minden.

 Quelle: MT Ausgabe vom 14. Mai 2004

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