Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Regionalverband Mittlerer Oberrhein

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25 Jahre BUND-Regionalverband Mittlerer Oberrhein - 2

Rede von Thomas Giesinger, einst BUND-Regionalgeschäftsführer in unserer Region, heute Referent beim BUND-Landesverband in Radolfzell-Möggingen, bei der Jubiläumsfeier am 20. September 2003 im JUBEZ Karlsruhe

Liebe BUND-Aktive,

liebe Naturschutz- und Umweltaktive aus anderen Verbänden, liebe Mitstreiter aus Behörden, Kommunen, Politik, Planungsbüros und anderen Institutionen,

liebe Gäste,

es ist mir eine Freude und eine Ehre, an diesem Tag bei Ihnen und bei Euch sein zu dürfen. Unsere Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender und die Geschäftsführung des Landesverbands grüßen Euch herzlich und beglückwünschen Euch zu diesem schönen Jubiläum.

Als Regionalgeschäftsführer hier in Karlsruhe in den Jahren 1987 bis 1990 und davor als BUND-Aktiver in meinem Heimatort Pfinztal freue ich mich über viele ehemalige Weggefährtinnen und –gefährten, die heute hier sind, über viele vertraute Gesichter, die auch ein gutes und intensiv gelebtes Stück meines Lebens ausmachen.

Genauso freue ich mich darüber, dass sich viele und wichtige Gäste für den BUND interessieren und heute gekommen sind.

Es hat Spaß gemacht, in meinen Unterlagen zum BUND-Regionalverband Mittlerer Oberrhein zu kramen. Unglaublich, was ehrenamtliche, engagierte Menschen in diesen 25 Jahren auf die Beine gestellt haben. Neben der Rückschau ist es mir aber auch wichtig, einige bleibenden Verdienste des BUND-Regionalverbands Mittlerer Oberrhein zu beschreiben. Viele davon wirkten und wirken sich auch landesweit aus und bilden eine gute Basis für Eure und unsere weitere Arbeit.

BUND-Regionalverband – Bedeutung und Aktivitäten

Zunächst ein paar kurze Sätze dazu, was ein BUND-Regionalverband ist und tut: Ende der 70er Jahre traf der BUND in Baden-Württemberg die Entscheidung, analog zu den 12 politischen Regionalverbänden die BUND-Regionalverbände zu gründen. 10 Jahre später begann der Aufbau von hauptamtlich besetzten Regionalgeschäftsstellen, eine davon in Karlsruhe. Der Regionalverband umfasst die Landkreise Rastatt und Karlsruhe und die Stadtkreise Karlsruhe und Baden-Baden. Der BUND hat hier in der Region 4838 Mitglieder und Förderer. Die jährliche Mitgliederversammlung des BUND-Regionalverband entsendet Vertreter in das Landesparlament des BUND und in den Landesvorstand. Der Regionalvorstand organisiert überörtliche Projekte und führt die Arbeit der Geschäftsstelle, die heute Achim Schwind leitet.

Die Region ist im Vergleich zum Landkreis oder zur Gemeinde ein schwer zugängliches Gebilde. Dennoch ist es über die 25 Jahre gelungen, im BUND-Regionalverband ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln, und ein mal engeres, mal lockeres Netz gegenseitiger Hilfe zu knüpfen.

Der hiesige BUND-Regionalverband ist von seiner Einwohner- und BUND-Mitgliederzahl zwar „nur“ eine mittelgroße Region. Sein Einfluss im BUND-Landesverband ist derzeit aber groß. Mit Manfred Beck und Armin Gabler sind gleich zwei BUND-Mitglieder in der Region im Landesvorstand. Manfred ist stellvertretender Landesvorsitzender, Armin war lange Kassenprüfer des Landesverbands, hat bei der wichtigen Reform unserer Landessatzung vor zwei Jahren mitgearbeitet und ist jetzt der Vertreter der BUND-Regionalverbände im wichtigen geschäftsführenden Landesvorstand. Beiden möchte ich herzlich für diese Arbeit danken, die sie über ihre Aktivitäten hier vor Ort hinaus und unter Opferung vieler Wochenenden und Urlaubstage leisten.

Besonders erfreulich entwickelt sich im BUND die naturpädagogische Arbeit mit Kindern. Fast jeden Monat dürfen wir eine neue BUND-Kindergruppe im Land begrüßen, viele unserer bestehenden Gruppen müssen wegen großer Nachfrage Kinder abweisen. Der BUND-Regionalverband Mittlerer Oberrhein hat dazu wichtige Impulse gesetzt: Im Jahr 2001 organisierte Achim Schwind ein landesweit nachgefragtes Fortbildungswochende des BUND zur Arbeit mit Kindern. Daraus entwickelte sich ein vielgenutzter Leitfaden zu diesem Thema. Um die Arbeit mit Kindern zu unterstützen, hat der BUND-Landesverband in vier Regionen eine hauptamtliche Betreuung der Leiterinnen dieser Gruppen eingerichtet. Es freut mich, dass Ihre Region mit dabei ist und dass mit Heike Rösgen eine erfahrene Naturpädagogin die Kindergruppen der Region betreut.

Als ich 1987 zum BUND-Regionalverband kam, war dieser schon 10 Jahre alt. Der BUND hatte bereits mehr als 2000 Mitglieder in der Region, die meisten BUND-Gruppen waren gegründet und es gab schon einige Jahre die Knielinger Regionalgeschäftsstelle. Einige Namen aus dieser Aufbauphase möchte ich nennen. Bernd Roller, der erste Regionalvorsitzende, Sabine Stuhlert, die den BUND-Regionalverband mehrere Jahre geleitet hat, Rudolf Krumrey, der schon damals im Kreis Rastatt segensreich gewirkt hat, Rainer Karcher als reges Regionalvorstandsmitglied und meinen Vorgänger Reinhard Welker. Er machte die Knielinger Geschäftsstelle vor allem als regionale Anlaufstelle für Umweltberatung bekannt. Der erste Zivi, Bernd Wolf, kam 1985 für 20 Monate zu uns – doppelt so lange wie heute. Dank bei dieser Gelegenheit an alle Zivis, Praktikantinnen und Praktikanten sowie an alle Paten, die mit einem regelmäßigen Beitrag die Arbeit der Geschäftsstelle unterstützt haben.

Welche Themen haben den BUND in der Region bewegt? Als erstes drängte sich mir die Beschäftigung mit Planungsverfahren auf – vielleicht weil dies die Naturschützer am meisten Nerven kostet ...

Boom-Region Mittlerer Oberrhein

Die Rhein-Schiene zwischen Mannheim und Freiburg hat den Großraum Stuttgart als Boom-Region Nummer 1 im Land abgelöst. Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit zu Planungsverfahren wie Straßenbauten, Flächennutzungsplänen oder Bebauungsplänen machen daher einen großen Teil der BUND-Arbeit aus. Zu meiner Zeit waren es sage und schreibe über 100 Verfahren pro Jahr in der Region, heute werden es nicht viel weniger sein. Menschen wie der ehemalige BUND-Regionalvorsitzende Bernhard Hübner, wie Martin Klatt und Günther Kaufmann im Raum Rastatt und wie die Hassler-Brüder aus dem Raum Bruchsal und die vielen anderen BUND-Aktiven kümmerten und kümmern sich mit Leidenschaft um diese Verfahren. Das bedeutet: sich durch Aktenberge wühlen und in ungewohnter Materie sachkundig machen, hochqualifizierte Stellungnahmen verfassen. Für Ehrenamtliche bedeutet dies auch: Urlaub oder frei nehmen für Vor-Ort-Begehungen und Behördentermine.

BUND-Leute stehen dabei oft allein – auch in ihrer Gemeinde. Ein Lied davon kann zum Beispiel Herbert Mayer singen. Ihm ist es in den 80er und 90er Jahren durch beharrliche Lobbyarbeit gelungen, eine der größten Wiesen Nordbadens vor der Zerschneidung durch die Westumgehung von Graben zu bewahren. Dabei halfen ihm Naturschützer aus anderen Verbänden, umweltengagierte Leute im Regierungspräsidium, die Bezirkstelle für Naturschutz und der erste Landesumweltminister Erwin Vetter.

Die Heilserwartung an die Entlastungswirkung von Umgehungsstraßen ist in dieser vom Pietismus geprägten Region von geradezu religiösem Ausmaß und meist unrealistisch. Uns Leute vom BUND ärgert es ungemein, dass politisch Verantwortliche wider besseres Wissen allerorten den Glauben an die Vielzahl dieser in Zukunft nicht mehr finanzierbaren Projekte nähren.

Zu meiner Zeit zählte ich einmal sage und schreibe 33 Ortschaften in der Region Mittlerer Oberrhein, die eine Umgehungsstraße bauten, planten oder sie im Gemeinderat forderten. Im Jahr 2000 hat der BUND Baden-Württemberg einen Kriterienkatalog zur Bewertung von Umgehungsstraßen zusammengestellt. Die Erfahrungen und Argumentationslinien aus der Region Mittlerer Oberrhein flossen dabei mit ein.

Immer wieder ist es uns in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, fragwürdige Planungen zu stoppen. Ein Beispiel: Dorothea Harms vom BUND Rheinstetten hat Ende der 80er Jahre die Naturschutzverbände dies- und jenseits des Rheins alarmiert. Bei Neuburgweier sollte eine über 12 Meter hohe Autobahnbahnbrücke durch die Rheinauen gebaut werden. Links und rechts des Rheins gab es zahlreiche pfiffige Aktionen dazu. Die Idee von der Autobahnbrücke durch die Rheinauen überlebte nur drei Jahre – dann verkündete der damalige Regierungspräsident Dr. Miltner das Aus.

Nicht vergessen werden darf die hochprofessionelle jahrelange Arbeit unter der Führung der AGNUS Bruchal zur Bundesstraße 35 Nord in Bruchsal. Die Leute von der AGNUS setzten Maßstäbe und konnten die Wirkung der Straße auf die Natur entschärfen.

Viele der Verfahren führte übrigens der unermüdliche und akribische Wolfdietrich Kramer einer Bearbeitung zu, er ist übrigens BUND-Mitglied seit 1976. An dieser Stelle Dank auch dafür, dass er und andere dafür gesorgt haben, dass der Landesnaturschutzverband unsere Geschäftsstelle über Jahre hinweg unterstützt hat.

Der Planungsdruck am Oberrhein hat den BUND-Regionalverband veranlasst, eine Expertengruppe zusammenzurufen, die eine Veröffentlichung zum Flächenverbrauch und zu seiner Vermeidung erarbeitet. Sie wird noch im Frühjahr der regionalen Öffentlichkeit vorgestellt. Ich bin mir sicher, dass diese Schrift und die folgende BUND-Kampagne das Bewusstsein für den nachhaltigen Umgang mit Flächen schärft, und andererseits neue Ideen dazu hervorbringen wird.

Flächenverbrauch entsteht durch viele kleine und mittlere Projekte, aber auch durch große. Hier in der Region gibt es zwei besonders krasse Beispiele, gegen die sich unsere BUND-Aktiven vor Ort wacker wehren: 70 Hektar Wald wollte der Oberbürgermeister von Bretten für ein Gewerbegebiet abholzen lassen. Der politische Regionalverband handelte ihn auf 30 Hektar, also 60 Fußballplätze herunter. Falls es dazu kommt – und es sieht derzeit sehr danach aus – wäre dies die größte Waldvernichtung in der Region seit dem Sturm Lothar. Beispiel zwei ist die Nordtangente. Wie das berühmte Kaninchen wird diese flächenfressende und verkehrstechnisch fragwürdige Planung immer wieder aus dem Hut gezaubert. Bleibt zu hoffen, dass der Hardtwaldrebell Wilhelm Knobloch und die Bürgeraktion Umweltschutz BUZO hier in Karlsruhe in Sachen Nordtangente auch in den kommenden Jahren wieder kompetente und mutige Mitstreiter finden.

Daimler-Benz

Ein Bericht über den BUND-Regionalverband Mittlerer Oberrhein muss auch ein paar Worte zur Daimler-Benz-Ansiedlung enthalten. Das war eine spannende Geschichte. Sie gehört aber auch zu meinen schmerzlichsten Erfahrungen, weil sie zu großen zeitweiligen Zerwürfnissen innerhalb der Umweltverbände und innerhalb des BUND führte.

Irgendwann im Sommer 1987 war klar: Die riesige Fabrik in der Rastatter Rheinniederung und die großen Zufahrtsstraßen durch herrliche Auwaldgebiete waren nicht zu verhindern - trotz des monatelangen und klugen Engagements von Leuten aus BUND, NABU und Landesnaturschutzverband. NABU und LNV beschlossen, mit dem Regierungspräsidium über Ausgleichsmaßnahmen zu reden und für die Natur im Raum Rastatt rauszuholen was rauszuholen ist. Auf Initiative des damaligen BUND-Regionalvorsitzenden Bernhard Hübner und gegen den Willen der meisten BUND-Ortsgruppenvorsitzenden im Kreis Rastatt beschloss der BUND Baden-Württemberg, diese Gespräche abzulehnen und weiter mit voller Kraft – aber ohne viel Aussicht - gegen die Ansiedlung zu kämpfen. Volker Späth, bis dahin einer der aktivsten BUND-Leute im Kreis Rastatt, verließ unseren Verband, andere engagierte BUND-Aktive – etwa Alfred Geiges – fuhren ihr BUND-Engagement zurück.

Zum Glück war der Streit unter den Verbänden nicht von Dauer. Nach etwas mehr als einem halben Jahr gaben Bernhard Hübner und der damalige Verhandlungsführer des NABU, Wolfgang Huber, wieder gemeinsame Pressekonferenzen. Auch mit Volker Späths NABU-Institut in Bühl arbeitete man bald wieder eng zusammen.

Bei aller Vorsicht sehe ich es heute so, dass wir Verbände und die Behörden bei den Gesprächen über die Daimler-Benz-Ansiedlung viel über die Praxis des Eingriffsausgleichs gelernt haben – übrigens auch aus Fehlern. Und die Strategie, dass ein Umweltverband voll Rohr gegen eine Maßnahme schießt und der andere bei den Behörden und Gemeinden einen möglichst guten Ausgleich rausholt, ist mittlerweile vielfach erprobt.

Eine Langzeit-Folge der Bedrohung der Rheinauen ist das Trinationale oder grenzüberschreitende Rhein-Projekt, das der BUND-Regionalverband maßgeblich mit aufgebaut hat. Die deutsche Biologin Corinna Wirth hat ihren Sitz bei unserem Partner-Naturschutzverband Alsace Nature. Finanziert und geführt wird das Projekt vom BUND BaWü und Rheinland Pfalz, von Alsace Nature und einem Verband aus der Schweiz. Es geht darum, die Aktivitäten der vier Verbände zu vernetzen, Synergien zu nutzen sowie mit Veranstaltungen und Lobbyarbeit den Naturschutz am Rhein zu befördern.

Praktischer Naturschutz

Meine Damen und Herren, wenn man zusammenzählen würde, wofür die BUND-Aktiven in den vergangenen 25 Jahren die meisten Stunden eingesetzt haben, käme - Gott sei Dank - nicht die Arbeit an Planungsverfahren heraus, sondern ...

der praktische Naturschutz.

In diesen 25 Jahren haben mindestens 20 BUND-Orts- und Kontaktgruppen Landschaftspflege-Projekte und mindestens 17 Gruppen Projekte zum Schutz bedrohter Tiere oder Pflanzen durchgeführt. Die meisten Projekte liefen über mehrere Jahre, manche über Jahrzehnte.

Eine wohl auch bundesweit herausragende Bedeutung hat der Amphibienschutz der regionalen BUND-Gruppen. Hier in der Region gibt es außer Alpensalamander und Rotbauchunke alle heimischen Amphibien und viele besonders gut geeignete Lebensräume für Kröten, Frösche und Molche. Das hat dazu geführt, dass viele Menschen über die Beschäftigung mit den Amphibien zum Naturschutz oder zum BUND kamen – und blieben.

Drei BUND-Leute und Gruppen möchte ich als Beispiele für andere nennen: Rudolf Krumrey erzählte mir bereits 1993, dass die BUND-Gruppe Vorderes Murgtal (also Gaggenau) in 13 Jahren 103.763 Erdkröten über die Straße getragen und vor dem Verkehrstod gerettet hat. Wie ich die Leute um Rudolf Krumrey kenne, dürften mittlerweile weitere 100.000 dazugekommen sein.

Dem BUND Bretten ist es in den letzten 10 Jahren mit Hilfe der Behörden gelungen, drei Straßentunnels für Kröten und Frösche durchzusetzen. Ich empfehle mittlerweile den BUND-Vorsitzenden Gerhard Dittes landesweit als Strategieberater weiter.

Johannes Niederstrasser vom BUND Karlsruhe ist aufgrund seiner Forschungsaufträge, aber auch aufgrund seiner praktischen Erfahrungen, einer der landesweit besten Fachleute für Durchlässe und für andere Wanderhilfen für Amphibien. Er ist ein wichtiger Berater des Umwelt- und Verkehrsministeriums sowie der Straßenbaubehörden. Johannes und ich verdanken übrigens unseren Zugang zum Naturschutz und zum BUND maßgeblich einem Mann, der für den Amphibienschutz in der Region ungeheures geleistet hat. Er hat darüber hinaus viele vor allem junge Menschen für den Naturschutz begeistert und den Verbänden zugeführt. Die Rede ist von Ernst Frey, dem langjährigen Mitarbeiter der Bezirkstelle für Naturschutz und Landschaftspflege.

Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden

Es freut mich sehr - und ich sage das sehr bewusst -, dass die Zusammenarbeit mit dem amtlichen Naturschutz aller drei Ebenen einerseits und dem BUND sowie den anderen Naturschutzverbänden andererseits hier in der Region Mittlerer Oberrhein nach meiner Wahrnehmung im Landesvergleich besonders gut klappt. Verbände und Behörden haben unterschiedliche Befugnisse und Möglichkeiten. Das gegenseitige Sich-Informieren, das Sich-die-Bälle-zuspielen ist deshalb ein zentrales strategisches Instrument, das hier oft und mit Erfolg eingesetzt wird – hoffentlich auch in Zukunft.

Ihnen, Frau Dr. Barth und Ihrem Team von der LfU und Ihnen, Frau Dr. Nickel und den Fachleuten der Bezirkstelle für Naturschutz und Landschaftspflege möchte ich dafür genauso danken wie den Unteren Naturschutzbehörden. Unser Dank gilt auch den Vertretern anderer Behörden und der Gemeinden, welche die Kooperation mit uns suchen oder für unsere Fragen offen sind.

Zwei sichtbare und erfolgreiche Beispiele der Zusammenarbeit zwischen amtlichem und privatem Naturschutz aus neuerer Zeit will ich nennen:

Der Einsatz für den Alten Flugplatz Karlsruhe, wo es dem BUND und den regionalen Naturschutzbehörden Hand in Hand gelungen ist, die größte Dünenlandschaft in Süddeutschland weitgehend zu erhalten.

Die Streuobstinitiative im Landkreis Karlsruhe, gegründet und gemeinsam aufgebaut von Fachleuten des amtlichen sowie des privaten Naturschutzes und von den Kommunen. Dank an Hans Bönisch und Achim Schwind vom BUND für die Vorstandsarbeit in der Initiative und den vielen Helfern für die praktische Arbeit vor Ort. Mittlerweile vermarktet die Initiative über 150.000 Liter Apfel- und Birnensaft pro Jahr und schützt damit 70 Hektar Streuobstwiesen in über der Hälfte der Gemeinden des Landkreises.

Ihr seht: BUND-Mitglieder sind nicht nur dann aktiv, wenn unser Briefkopf drübersteht oder unsere Fahne aushängt. Danken möchte ich daher allen BUND-Mitgliedern, die außerhalb der Ortsgruppenarbeit, an anderen Schauplätzen für Natur und Menschen und für unsere Ziele aktiv sind. Ich denke da an die zahlreichen BUND-Mitglieder in Gemeinde- und Ortschaftsräten – ich sehe Rainer Quellmalz hier unten sitzen –, an BUND-Mitglieder in Gemeindeverwaltungen und Behörden, an BUND-Leute in Agenda-Gruppen wie Hans Bönisch in Pfinztal und Dorothea Harms in Rheinstetten. Auch an Schulen und Hochschulen machen viele BUND-Mitglieder gute und wichtige Arbeit. In meiner Knielinger Zeit gab es über ein Dutzend BUND-Aktive bei Siemens Karlsruhe. Viele Impulse für den Umweltschutz in Unternehmen entstehen durch BUND-Aktive.

Castor ante Portas

Castor ante Portas – Castor vor der Tür. Mit diesem Satz möchte ich meinen Ausblick in die Zukunft beginnen. Das Wort Castor beschreibt die Bandbreite des BUND hier in der Region und macht auf zwei Zukunftsaufgaben aufmerksam.

Die Castor-Behälter sind Sinnbild für die Atom-Transporte oder genereller für die Atom-Industrie. Drei bundesweit bedeutende Monumente dieses für uns als BUND fragwürdigen und gefährlichen Industriezweigs befinden sich hier in der Region: Die Atomanlage im Hardtwald, der Pannen-Reaktor von Philippsburg und der Firmensitz des Stromversorgers mit dem höchsten Atomstromanteil in Deutschland. Der regionale BUND kommt daher um dieses Thema und um die erneuerbaren Energien nicht herum. Es gilt dabei auch, das in dieser Region vorhandene Wissen für die BUND-Arbeit landes- und bundesweit zu nutzen.

Das ist immer wieder gut gelungen. Beispiele: Im Jahr 2002 organisierte der BUND-Regionalverband eine wichtige BUND-interne Strategietagung zur Atomkraft und im Jahr 2000 einen BUND-Kongress zur Windenergie bei den Windrädern hier in Karlsruhe-Knielingen.

Seit einigen Jahren gibt es die bundesweit viel beachtete Internet-Seite www.bund-bauen-energie.de, die umfassende Beratung zum ökologischen Bauen, zur erneuerbaren Energie und zum Energiesparen gibt. Aufgebaut wurde sie von der Fachgruppe Energie Ihres BUND-Regionalverbands Mittlerer Oberrhein.

Übrigens: Der einzige BUND-Arbeitskreis im Land, der sich mit Gentechnik befasst, ist hier in der Region. Matthias Kunstmann vom BUND Karlsruhe hat ihn angeregt. Von diesem Arbeitskreis erwartet sich der BUND Baden-Württemberg nachahmenswerte Beispiele für Aktionen vor Ort, um auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen.

Castor fiber – und damit sind wir bei der zweiten Bedeutung dieses Wortes - ist der wissenschaftliche Name des Bibers. Im Frühjahr 2003 fand man in der Region Mittlerer Oberrhein erstmals Fraßspuren dieses Rückkehrers in unsere Heimat. Über die Flüsse Moder und Lauter im Elsass und in der Pfalz sind die Tiere hierher gekommen. Erfahrungen aus anderen Regionen Baden-Württembergs zeigen, dass auch hier in der Region eine langsame, aber stetige Ausbreitung möglich, um nicht zu sagen wahrscheinlich ist. Das geht, Gott sei Dank, langsam, wir können Behördenvertreter, Kommunen und die Bevölkerung auf das faszinierende Tier vorbereiten und vielleicht auch den einen oder anderen Gefahrenpunkt für die schwimmenden und wandernden Biber entschärfen.

NATURA 2000

Der Biber und die Biotope, die er braucht – nämlich naturnahe Bach- und Flussläufe – stehen unter dem Schutz der Europäischen Union. Natura 2000 heißt das neue europaweite Netz von Schutzgebieten, zu denen unter anderem auch Trockenrasen und andere Wiesengebiete sowie Buchenwälder und Teile der Rheinauen gehören. Mir ist klar, dass bei der Ausweisung der Natura-Gebiete – oder FFH-Gebiete, wie sie manche nennen - auch hier in der Region Wünsche des BUND und anderer örtlicher Naturschützer offen blieben und Kröten geschluckt werden mussten. Aber seien wir ehrlich: Vor 25 Jahren hätte es sicher niemand für möglich gehalten, dass die Natur einmal auf über 10 % der Fläche in dieser Region den Vorrang hat. Das alles ist zunächst einmal ein großer Erfolg der langjährigen gemeinsamen Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit von privatem und behördlichem Naturschutz. Auch dafür herzlichen Dank.

Der BUND-Ehrenvorsitzende Professor Gerhard Thielcke hat Natura 2000 als Jahrhundertchance für den Naturschutz bezeichnet. Aus dieser Chance ergeben sich für die kommenden Jahre zwei Aufgaben: Erstens – Kommunen, Behörden, Planer und Bevölkerung müssen sich bei ihren Vorhaben an dieses neue Instrument gewöhnen. Dazu ist ein Lernprozess nötig, der erst begonnen hat. Hilfreich für die Zusammenarbeit der BUND-Aktiven vor Ort mit Kommunen und Behörden ist dabei die Mitgliedschaft des BUND Baden-Württemberg im Informationsdienst Umweltrecht IDUR. Bei den ehrenamtlich tätigen Rechtsfachleuten von IDUR können sich BUND-Gruppen kostenlos Rechtsauskünfte einholen. In Sachen NATURA 2000 sind die IDUR-Leute besonders versiert.

In den kommenden Jahren steht außerdem die Öffentlichkeitsarbeit, also die Sympathiewerbung für die schönen und interessanten FFH-Gebiete an. Auch die Pflege dieser Gebiete ist zu organisieren. Bei beiden Aufgaben können sich BUND-Aktive vor Ort einklinken.

Neue Tierarten

Der einwandernde Biber steht auch als Symbol für andere Tiere, die derzeit in die Region einwandern oder sich ausbreiten. Nein, ich meine nicht ausnahmsweise mal nicht das Sorgentier Ochsenfrosch, für dessen Eindämmung sich auch BUND-Aktive wie Johannes Niederstrasser hier in Karlsruhe die Nächte um die Ohren schlagen.

Ich meine einerseits die Nutznießer erfolgreicher Naturschutz-Projekte, an denen auch der BUND mitgewirkt hat. Dazu eine Geschichte: Als frischgebackener und ahnungsloser Regionalgeschäftsführer entführte mich Rudolf Krumrey im Sommer 1987 in ein verborgenes Waldstück in der einsamsten Ecke des Murgtals. Rudolf zeigte auf einen Wohnwagen, in den ich mit ihm hinein musste, nicht ahnend, was auf mich zukommt. Am Fenster stand ein verdächtig aussehendes Fernrohr. Mit leiser, beinahe röchelnder Stimme forderte Rudolf mich auf, reinzuschauen. Ich sah zum Glück etwas anderes, als ich befürchtet hatte: Auf einem Felsen saß ein etwas mehr als taubengroßer Vogel auf einem Nest – „Einer der wenigen Wanderfalken im Nordschwarzwald“, berichtete Rudolf. Er erzählte mir, dass er einen großen Teil seines Urlaubs dafür opfert, hier Wache zu sitzen, damit die Lieferanten der Falkner aus aller Welt die Gelege und Nester in Ruhe lassen. Naturschützern wie Rudolf Krumrey ist es zu verdanken, dass es viele bedrohte Tierarten in unserem Land heute wieder besser haben als etwa in den 60er Jahren. Dafür herzlichen Dank.

Andere neue oder sich ausbreitende Tierarten profitieren von der Klimaerwärmung. Besonders auffallend war die friedliche Invasion unserer Gärten durch den Schmetterling Taubenschwänzchen, diesen über die Alpen wandernden europäischen Kolibri, im vergangenen Sommer. Die Region Mittlerer Oberrhein ist für Tierarten aus dem Mittelmeer schon immer besonders interessant gewesen, weil es hier besonders warm ist und weil es viele Biotope gibt, die wärmeliebende Tiere anziehen. Der Bienenfresser, Europas schönster Vogel, ist im Kommen, auch die Gottesanbeterin soll vom Kaiserstuhl her im Anflug sein. Neue Schmetterlings- und Käferarten sind zu erwarten oder wahrscheinlich schon da. Man kann gespannt sein, wann die Orpheusgrasmücke, ein Mittelmeervogel, der seit zwei Jahren am Bodensee sein herrliches Lied singt und der Alpensegler, der mittlerweile Tuttlingen erobert hat und nach Norden drängt, hier sein werden. Jedenfalls: Die neuen Tiere sind ein reizvolles neues Betätigungsfeld für BUND-Gruppen und BUND-Aktive und ein guter Anknüpfungspunkt, um Menschen – vor allem junge - für den Naturschutz zu begeistern.

Jugend

Damit sind wir bei einem wichtigen Thema, das vielen in unserem Verband Sorgen und auch mich oft ratlos macht: Nämlich die Gewinnung junger Menschen für den Naturschutz und für den BUND.

Auch wir vom BUND-Landes- und Bundesverband stehen erst am Anfang mit unserer Strategie-Entwicklung zur Gewinnung junger und neuer Aktiver. Einiges aber ist bereits klar:

Natur- und Umweltschutz ist kein neues Trendthema mehr wie in den 80er Jahren. Damals reichte der Satz „Herr Giesinger, können Sie das machen?“ von einem gestandenen Naturschutzfachmann wie Ernst Frey - und wir damals 18- oder 20jährigen hielten mit Stolz geschwellter Brust mehr oder weniger gute Vorträge, schrieben aggressive Presseartikel und gründeten revolutionär gesinnte BUND-Gruppen.

Heute müssen wir der Tatsache Rechnung tragen, dass es junge und mittelalte Menschen nicht mehr so reizvoll finden, einer Organisation zuzugehören – egal ob Verein, Kirche oder Partei - oder in dieser Organisation Ämter zu übernehmen. Andererseits zeigen Umfragen, dass die Zahl ehrenamtlich geleisteter Stunden noch nie so hoch war wie heute und dass die Altersgruppen zwischen 20 und 45 erstaunlicherweise die ehrenamtlich aktivsten sind.

Junge Leute heute machen bei zeitlich begrenzten, pfiffigen Aktionen und Projekten gerne mit. Ein noch optimierbares aktuelles Beispiel aus dem BUND: Im südlichen Elsass soll mit Pestiziden aus dem Hubschrauber ein neu aufgetretener Maisschädling bekämpft werden. Der dortige BUND-Regionalverband rief mit Flugblättern, im Internet, über Emails und eine SMS-Kette recht kurzfristig dazu auf, sich zu einer bestimmten Uhrzeit an einem markanten Platz zu treffen. Die Leute sollten Regenschirme mitbringen und diese symbolisch gegen die Giftdusche aufspannen. Über 250 meist junge Leute folgten dem Aufruf, der medienwirksame Bilder erzeugte und nun für eine breite Diskussion dieses Themas in der gesamten Region sorgt.

Wenn sie sich engagieren, wollen die 15- bis 25-Jährigen neue Leute kennen lernen, neue Erfahrungen machen. Vielleicht auch etwas mitnehmen, das ihnen bei der Ausbildung, im Beruf oder bei der Bewerbung hilft. Das Entscheidende beim Engagement junger Leute ist aber - ob es uns passt oder nicht: Dass sie Spaß dabei haben wollen.

Auf welche jungen Leute sollen wir zugehen? Wer sind in erster Linie die jungen Kunden des BUND-Regionalverbands? Hier in der Region sind 220 Leute zwischen 15 bis 25 Jahren Mitglied oder Förderer des BUND. Das ist eine ganze Menge. In der Altersgruppe von 25 bis 35 sind es sogar 586 Menschen. Diese Leute kommen heute nicht mehr von alleine zu uns. Es gilt, mit besonderen Veranstaltungen und Aktionsangeboten und auch mit neuen Formen der Kommunikation Kontakt zu ihnen aufzunehmen.

Ihr habt dazu in Eurer Region gute Voraussetzungen: Zum Beispiel viele schöne und spannende Projekte, nette und interessante Menschen, eine Geschäftsstelle in Fußentfernung zur Universität und zum Karlsruher Studentenviertel und in Achim Schwind den einzigen regionalen BUND-Mitarbeiter in Baden-Württemberg mit Erfahrung und mit Ambitionen in der Jugendarbeit. Es wäre schön, wenn Ihr in den kommenden Monaten in Zusammenarbeit mit dem BUND-Landesverband neue Strategien zur Gewinnung junger und neuer Aktiver entwickeln und erproben würdet.

Zusammenfassend:

Der BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein verfügt

  • über eine gute Vertretung im BUND-Landesverband,
  • über gute Voraussetzungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen,
  • über herrliche Natura 2000-Gebiete und neue Tierarten,
  • über Fachwissen bei Zukunftsthemen wie Flächenverbrauch, Gentechnik und Energie,
  • über gute grenzüberschreitende Kontakte im Rhein-Projekt und auch sonst -
  • und nach wie vor über viele sympathische und sachkundige BUND-Aktive vor Ort.

Ihr seht: Dem BUND-Regionalverband Mittlerer Oberrhein bieten sich viele hoffnungsvolle Chancen für die kommenden 25 Jahre.

Dafür wünsche ich Euch und Ihnen viel Spaß und viel Erfolg!

Mutig voran für die nächsten 25 Jahre!

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