Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Regionalverband Mittlerer Oberrhein

BUND-Protest vor EnBW in Karlsruhe
Natur- und Umweltschützer fordern anlässlich des 20. Jahrestags der Tschernobyl-Katastrophe: Atomkraftwerke abschalten

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat am 24.4.2006 vor der Energie Baden-Württemberg (EnBW), der Betreiberin der Atomkraftwerke (AKW) Philippsburg und Neckarwestheim, für eine Energieversorgung ohne Atomkraft demonstriert. Anlass für die Aktion war der bevorstehende 20. Jahrestag des Super-GAUs im AKW Tschernobyl (26.4.2006). Unter dem Motto "Nie wieder Tschernobyl - EnBW raus aus der Atomkraft!" stellten die Aktivisten ein drei Meter hohes Atomkraftwerk auf und trugen symbolisch den Atommüll zum Konzern zurück.

Bei der Protestkundgebung erklärte Dr. Brigitte Dahlbender, Vorsitzende des BUND-Landesverbands Baden-Württemberg: "Wir fordern die EnBW auf, sich schnell aus der Atomkraft zurückzuziehen. Die EnBW hat mit der Bundesregierung im Atomkonsens vereinbart, Neckarwestheim I 2008/2009 vom Netz zu nehmen. Statt die Vereinbarung einzuhalten, setzt sich Utz Claassen nun massiv für längere Laufzeiten ein. Die EnBW hat sechs Jahre ungenutzt verstreichen lassen, statt für einen Ersatz des Atomreaktors zu sorgen und hintergeht damit die Bevölkerung. Sowohl die Landesregierung als auch die EnBW müssen sich viel stärker für eine sichere und klimaschonende Energieversorgung einsetzen und erneuerbare Energien sowie effiziente Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen fördern."

Bis heute sind an den Folgen der Katastrophe von Tschernobyl vor 20 Jahren viele Zehntausende Menschen gestorben. Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren noch Tausende weiterer Opfer hinzukommen. Um den Reaktor ist eine Fläche von rund 40 000 Quadratkilometern - eine Fläche, die doppelte so groß ist wie Bayern - so stark verseucht, dass sie auf Dauer unbewohnbar bleibt. Im dicht besiedelten Deutschland hätte ein Reaktorunfall oder ein terroristischer Anschlag auf ein AKW noch schlimmere Folgen. Eine Lösung für den strahlenden Atommüll, der mindestens eine Millionen Jahre sicher aufbewahrt werden müsste, ist noch immer nicht in Sicht.

Dahlbender betonte: "Statt die Atomkraftwerke zu hofieren, muss die Landesregierung endlich die Weichen stellen für mehr erneuerbaren Energien, Energieeinsparung und -effizienz. Die Pläne für eine wirtschaftsverträgliche und zukunftsfähige Energieversorgung in Baden-Württemberg liegen dem Wirtschaftsministerium schon seit vier Jahren vor." Dahlbender erinnerte in diesem Zusammenhang an das Versprechen von Ministerpräsident Günther Oettinger, Abstand von der Atomenergie zu nehmen, wenn ihm gezeigt werde, wie eine Energieversorgung ohne Atomenergie funktioniert. Sie forderte Oettinger auf, die Energiewende zum Schwerpunkt der laufenden Koalitionsverhandlungen zu machen. Dahlbender: "Wir dürfen nicht vergessen oder leugnen, welches Ausmaß die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hatte. Oettinger hat Unrecht, wenn er behauptet, dass Atomkraft das Klima schützt. Der einzige Weg in eine zukunftsfähige und gerechte Energieversorgung führt über die erneuerbaren Energien."

Zeitgleich mit der Demonstration in Karlsruhe fanden BUND-Proteste auch vor den Zentralen von RWE in Essen, Vattenfall Europe in Berlin und e.on Kernkraft in München statt. Eine vom BUND in Auftrag gegebene, repräsentative Umfrage ergab zudem, dass 62 Prozent der Deutschen einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Atomkraft wollen. Nur etwa 20 Prozent der Befragten haben sich für die Verlängerung von Laufzeiten ausgesprochen. Es steht somit keine Mehrheit hinter Oettinger und seinem Pro-Atom-Kurs.

20 Jahre Tschernobyl-GAU - Aus dem Schaden nichts gelernt? (pdf-Datei)

Über atomare Niedrigstrahlung

Das Atomkraftwerk Philippsburg ist unsicher

BUND gegen Atomkraft

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